Helga König im Gespräch mit Bernd Rodekohr, Diplomdesigner und Betreiber der Website "Zeichen & Taten"

Lieber Bernd Rodekohr, Sie sind Diplomdesigner und waren u.a. als Dozent an der Design Akademie Berlin tätig, bevor Sie 1999 eine Werbeagentur gegründet haben, die heute "ZEICHEN & TATEN" heißt. Dort arbeiten Sie als Gestalter, Texter und Konzeptioner für Kunden aus der Bio-Branche, für Stiftung Warentest und für Verlage. Wie sehr Sie engagiert sind in punkto Ökologie und sozialer Gerechtigkeit, kann man Ihren Tweets täglich entnehmen. 

Helga König: Was bedeutet für Sie Mitmenschlichkeit?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Die Frage ist ebenso schwer wie einfach zu beantworten. Ohne Mitmenschlichkeit wäre alles nichts. Allein die Mit-Menschlichkeit ist es, die uns mit unseren Mitmenschen verbindet. Sie ist die Grundlage für menschliches Mitgefühl, sie ist die Basis unseres sozialen Miteinanders. Darüber definiert sich der Mensch, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Ohne seine Sprache, ohne seine Kultur, ohne die Liebe, ohne die Achtung seiner Mitmenschen – was wäre der Mensch? Er wäre so stumm und hoffnungslos wie ein verlorener Stern in den Weiten des Alls. Wir brauchen die Mitmenschlichkeit, um uns überhaupt als (singuläre) Menschen verstehen zu können.

 Bernd Rodekohr
Helga König: Und was verstehen Sie unter Fairness?

Bernd Rodekohr: Fairness könnte man auch »angewandte Mitmenschlichkeit« nennen. Sie ist der Maßstab für einen ausgewogenen Interessenausgleich. Ihre Aufgabe ist es, Reiche und Mächtige auf die natürlichen Rechte der Schwächeren und der Armen hinzuweisen. Fairness ist sozusagen das »Recht des Schwächeren« auf Gerechtigkeit gegenüber dem »Recht des Stärkeren« auf Ungerechtigkeit. Dies bedeutet für den Stärkeren, das es seine Aufgabe ist, dem Schwächeren ein Stück weit mehr entgegenzukommen, als er eigentlich müsste, wenn sein Handeln fair sein soll handeln. Insofern bedeutet Fairness auch, auf das zu verzichten, was man sich nehmen könnte, einfach »weil man es kann«. Dieser freiwillige Verzicht ist nicht »kapitalismuskompatibel«. Und daher wird der Begriff der »Fairness« in Zeiten des Kapitalismus leider gern missbraucht. Trump etwa redet gern von »fairen Deals«. Dabei kann es im Kapitalismus keine Fairness geben. Die Idee, »aus Fairness« auf etwas zu verzichten, was man sich eigentlich nehmen könnte, widerspricht den Prinzipien des Kapitalismus diametral. Der Kapitalismus geht vom Prinzip der Gewinnmaximierung, letztlich der Bereicherung, aus. Darum tut sich der Kapitalismus auch so schwer mit der Fairness. Fairness setzt die Bereitschaft voraus, dem Schwächeren so weit wie nur irgend möglich entgegenzukommen, so lange es für alle anderen gerade noch verträglich ist. Diese Bereitschaft fehlt bei Teilen der Gesellschaft, die das kapitalistische Prinzip der Bereicherung so weit verinnerlicht haben, das sie sogar Flüchtlinge »Bereicherer« nennen. Sie können sich nicht mehr vorstellen, dass es ein Recht des Schwächeren auf Gerechtigkeit gibt: Fairness.

Helga König: Ihre Kunden kommen aus der Bio-Branche. Der Gedanke der "Nachhaltigkeit" ist dieser Branche ja nicht fremd. Wie lange wird es noch dauern, bis man diesen wichtigen Gedanken nachhaltig in das Bewusstsein aller Konsumenten übermittelt hat und welche Konsequenzen könnte dies haben?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Eigentlich ist der Gedanke der Nachhaltigkeit ja schon bei den allermeisten Konsumenten angekommen. Wer will nicht, dass es unseren Enkeln besser geht als uns selbst. Und nichts anderes bedeutet Nachhaltigkeit ja: Nur so viele Ressourcen zu verbrauchen, dass diese sich regenerieren können, damit noch genug da ist für unsere Kinder und Kindeskinder. Und ebenso wissen die allermeisten Konsumenten, dass sie eben nicht nach dieser Maxime handeln. Insgesamt verbrauchen wir in Deutschland dreieinhalb mal so viele Erden, wie wie dürften, wenn unsere Nachkommen noch eine lebenswerte Umwelt vorfinden sollen.

Bio ist ein kleiner aber wichtiger Schritt, um diesen Irrsinn langfristig zu beenden. Wer Bio kauft, tut mit seinem Kauf auch etwas für den Umweltschutz und gegen das Insektensterben, indem er hilft, die Pestizidbelastung auf den Feldern zu verringern. Eigentlich müsste »Bio« Standard in der Lebensmittelbranche sein, da der ökologische Landbau ressourcenschonend und nachhaltig wirtschaftet. Leider wird aber die deutlich geringere Umweltbelastung bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln von der Gesellschaft nicht finanziell honoriert. Müssten die Umweltkosten konventioneller Produkte von den Konsumenten getragen werden, wäre Bio nicht teurer, als konventionell. Es geht also darum, dass die Politik hier umsteuern muss. Die Folgekosten der industriellen Landwirtschaft müssen in die Produkte eingerechnet werden. Die Umweltbelastung durch Massentierhaltung beispielsweise.

Die EU-Agrarförderpolitik hingegen belohnt »Umweltsauereien«, indem sie große unökologische Betriebseinheiten subventioniert und anstatt Qualität und Umwelt zu fördern. Natürlich, in einem Land, in dem die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, ist es für Ärmere ein echtes Problem, sich Bio zu leisten. Und niemand kann wollen, dass Arme sich schlechter ernähren müssen. Also müssten die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Bio für jederman/frau bezahlbar machen. Dafür müsste Bio auf kleineren Höfen stärker gefördert werden. Hoffentlich kriegen wir diese Agrarwende hin, bevor unsere Insektenpopulation irreparabel geschädigt ist.

 Helga König
Helga König: Neulich ging durch die Presse, dass Queen Elisabeth keine Strohhalme und Plastikflaschen mehr im Buckingham-Palast akzeptiert. Sie möchte, dass die königliche Familie weniger Plastikmüll produziert. Könnte die Queen beispielbildend für das Verhalten vieler Menschen werden, wenn man ihr Tun vielerorts kommuniziert und welche Folgen könnte dies für die Bio-Branche haben?

Bernd Rodenkohr:  Die Aktion der Queen ist eine tolle Sache! Zumal sie ja nicht nur auf Plastikflaschen und Strohhalme verzichten will, sondern „über die gesamte Organisation hinweg« generell auf Plastik in all ihren Schlössern. Es ist immer gut, wenn Promis mit Vorbildfunktion sich für eine gute Sache engagieren. Auch wenn die Queen bei uns natürlich nicht annähernd den Stellenwert hat, wie in Großbritannien. Daher dürfte die Aktion auf unsere Biobranche auch kaum einen Einfluss haben. Grundsätzlich sehe ich Aktionen wie diese nicht ganz unproblematisch. 

Da sie hauptsächlich Symbolcharakter haben, werden sie von vielen Menschen als bloße PR-Aktion wahrgenommen. Viele werden sagen »Die Queen hat gut reden. Die kann sich vielleicht teure Strohhalme von Manufaktum leisten und Plastikschüsseln gegen Porzellanschüsseln austauschen. Ich kann das nicht!«. Reiche haben es leichter beim Umweltschutz als Arme. Und es gibt noch einen Punkt, der kritisch gesehen werden sollte. Wenn ich zum Beispiel lese, dass das Landwirtschaftsministerium eine Aktion »bienenfreundlicher Balkon« initiiert, zugleich aber Pestizide wie Glyphosat und Insektizide wie Neonicotinoide erlaubt, die maßgeblich das Insektensterben mitverursachen, erscheinen solche an sich begrüßenswerten Aktionen als billige Nebelkerzen, die gezündet werden, um nicht die wahren Probleme angehen zu müssen. Kurzum: Solche Aktionen sind nur so gut, wie der Akteur, der sie veranstaltet, auch glaubwürdig ist.

Helga König: Sie haben neulich nachstehenden Tweet gepostet: "Laut der europäischen Umweltagentur sterben in Deutschland jährlich etwa 72.000 Menschen an den Folgen von #Luftverschmutzung. Angesichts dieser Zahlen ist es verblüffend, dass erst jetzt ernsthaft über so sinnvolle Maßnahmen wir kostenloser #Nahverkehr nachgedacht wird." Wie ließe sich das Ihrer Meinung nach finanzieren?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodenkohr: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Warum sollten deutsche Städte nicht schaffen, was das viel ärmere Tallinn bereits seit 2013 schafft? Gerade weil sich das Konzept bewährt hat, soll ab dem Sommer kostenloser Nahverkehr in weiten Teilen Estlands eingeführt werden. Zweitens entstehen durch kostenpflichtigen ÖPNV auch hohe Kosten, die man gegenrechnen muss. Etwa Kontrolleure oder Schwarzfahrer. 

Fast jeder dritte Häftling in der Berliner Haftanstalt Plötzensee sitzt wegen Schwarzfahrens ein. Jeder Insasse kostet den Staat täglich rund 100 Euro. Ganz zu schweigen von den nicht immateriellen Folgekosten des gegenwärtigen Zustandes wie schlechte Luft, Lärm, Zeitverlust durch Staus, Unfälle, Stress … unterm Strich würde der Nutzen einer Entlastung der Innenstädte vom Individualverkehr die Kosten für den kostenlosen ÖPNV aufwiegen. Klar, billig wird das nicht. 

Aber wir zahlen ja auch alle solidarisch für das Straßen- und Schienennetz. Da wäre auch eine Umlage für den öffentlichen Personennahverkehr, eine Erhöhung der Parkgebühren und Ähnliches, denkbar. Zur Finanzierung eines kostenfreien ÖPNV gäbe es viele Wege, wenn man sie beschreiten will. Letztlich müssen wir Prioritäten setzen. Und natürlich bräuchten wir trotzdem die blaue Plakette und die Verpflichtung zur Nachrüstung manipulierter Fahrzeugen auf Kosten der Hersteller. Sofern wir ernsthaft etwas gegen dreckige Luft und den vorzeitigen Tod von 72.000 Menschen tun wollen. 

 Helga König
Helga König: Gepostet haben Sie auch "Über 250.000 Kinder weltweit werden gezwungen, zu töten. Waffen gehören nicht in Kinderhände. Auch nicht als »Gag« am »Tag der Bundeswehr«. Nie! #RedHandDay. Wie ließe sich weltweit ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Waffen nicht in Kinderhände gehören?

Bernd Rodekohr: Eigentlich bin ich optimistisch, dass das Bewusstsein, dass Waffen nicht in Kinderhände gehören, schon jetzt vorherrschende Meinung ist. Die allermeisten Menschen wollen einfach Frieden und keinen Krieg für sich und ihre Kinder. Weltweit. Kindersoldaten sind eine krankhafte Erscheinung und Kinder mit der Waffe in der Hand werden zum Glück fast überall als unmoralisches Übel gesehen, das man nicht hinnehmen kann. Was in vielen Regionen der Welt oft noch fehlt, ist eine aktive Erziehung zum Frieden. 

Und ja, leider gibt es Kriegspropaganda für Kinder, nicht nur in Nordkorea und in den waffenvernarrten USA. Erst vor ein paar Tagen ließ eine DITIB-Moschee in Deutschland Kinder für den türkischen Sieg beten. Zum Glück war aber auch die Empörung auf diese Kriegspropaganda hierzulande riesig. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Selbst hier in Deutschland gab es noch vor kurzem Wehrkundeunterricht an den Schulen der DDR. Und noch zu meiner Schulzeit wurden Zivildienstleistende von Lehrern als Drückeberger bezeichnet. Es braucht alles seine Zeit. Aber das Bewusstsein, dass Kinder nichts an Waffen verloren haben, wird sich letztlich durchsetzen. Und dafür braucht es vor allem Bildung, freie Presse und die Erziehung zum mündigen Bürger, der Kriegspropaganda als solche entlarven kann.

Helga König: Welche Erfahrungen machen Sie auf Twitter, wenn Sie Tweets wie diesen setzen "Deutsche Panzer morden in einem völkerrechtswidrigen Krieg, den die türkische Regierung mit dem Hashtag »#Syrien soll brennen, #Afrin soll vernichtet werden« anfacht und #Rheinmetall geht davon aus, das die Panzer nachgerüstet werden dürfen. " Ungeheuerlich!“?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Wenn man Kritisches über Erdogans Politik postet und insbesondere, wenn man seine Kurdenpolitik angreift, muss man damit rechnen, hasserfüllte und wütende Kommentare türkischer Nationalisten und Trollen zu ernten, oft auch mit Drohungen. Auch hier ließen die Wutkommentare nicht lange auf sich warten. Türkische AKP-Nationalisten sind sehr präsent in den sozialen Netzwerken, auch in Deutschland. 

Wie intolerant das AKP-Regime ist, konnte man auf der Münchner Sicherheitskonferenz beobachten, wo Cem Özdemir unter Polizeischutz gestellt werden musste. Es liegt aber in unserem Interesse hier in Deutschland, Erdogan in Afrin Einhalt zu gebieten. Wenn dieser Krieg weiter eskaliert, wird die hasserfüllte, repressive Atmosphäre, die auf der Türkei wie Blei lastet, zunehmend auch die Atmosphäre bei uns in Deutschland vergiften, den Konflikt zwischen Kurden und Türken hier weiter verschärfen und letztlich auch uns immer tiefer in diesen Konflikt hineinziehen. 

 Helga König
Helga König: Sie schreiben: Wer von #Meinungsfreiheit und #Pressefreiheit redet, kann zur Algorithmendiktatur nicht schweigen. Können Sie dies näher erläutern?

Bernd Rodekohr: Wenn wir im Internet unterwegs sind, machen wir uns meist gar nicht klar, wie das, was wir sehen, zustande kommt. Wer entscheidet eigentlich, was wir zu sehen bekommen? Es sind Computerprogramme, Algorithmen. Algorithmen wählen aus, welche Follower wir in der Timeline sehen, welche Videos wir auf YouTube schauen und welche Artikel und Meldungen uns empfohlen werden. Sie suchen aus, welche Produkte uns gefallen könnten. Die von Webkonzernen eingesetzten Programme haben vielleicht mehr Macht über unsere Wahrnehmung als die Kirche über einen Menschen des Mittelalters. Das ist uns aber überhaupt nicht bewusst. Es ist verblüffend, wie wenig wir diese diktatorische Fremdbestimmung als Diktatur empfinden. Diese subtile Vorauswahl manipuliert dabei unsere Möglichkeiten, uns unsere Meinung selbständig zu bilden. 

Der Algorithmus lernt unsere Vorlieben allmählich immer besser kennen und wählt danach für uns diejenigen Filme und Texte aus, von denen es meint, das wir damit am meisten Zeit auf der jeweiligen Plattform verbringen. Dieser Mechanismus funktioniert nach einem Suchtschema. Die Dosis derjenigen Meinung, die wir leicht präferieren, wird in kleinen Dosierungen sukzessive immer weiter verstärkt. Ein Programm, das unser Verhalten simuliert und darauf angesetzt wurde, sich möglichst viele YouTube-Videos hintereinander anzusehen, landete somit verlässlich immer bei Horror und Verschwörungstheorien. 

Algorithmen verstärken unterschwellig vorhandene Vorurteile. Ganz automatisch - und heimtückisch. Das Problem bei dieser sich selbst verstärkenden Algorithmendiktatur ist, dass sie uns in »Echoräume« und in Filterblasen führt, die wir kognitionspsychologisch nicht bemerken. Die Kenntnis und die Beherrschung der Funktionsweise von Algorithmen eröffnet diktatorischen Regimen großartige, geradezu orwellsche Manipulationsmöglichkeiten. Facebook experimentiert inzwischen sogar damit, per Webcam und via Gesichtserkennung zu analysieren, wie sich Jugendliche gerade fühlen, um dann beispielsweise Kids mit Selbstzweifeln gezielt die passende Werbeantwort in Form eines »coolen« Produkts liefern zu können. Die Möglichkeiten der Algorithmen sind schier uferlos. Wir täten gut daran, sie einer öffentlichen Kontrolle zu unterwerfen, bevor wir uns den Algorithmen unterwerfen. 

Helga König: Welche aufklärerischen Hoffnungen haben Sie im Hinblick auf Ihr Netzwerk in den sozialen Medien?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Ich habe durch mein - sehr heterogenes - Followernetzwerk enorm viel gelernt. Es sind viele hochinteressante Menschen darunter, von Links bis Rechts, von Muslimen über Christen, Juden und Buddhisten bis hin zu Atheisten, Junge und Alte mit den unterschiedlichsten Interessen von Philosophie über Natur und Politik bis hin zu Design und Astrophysik. 

Es gab bisher viele inspirierende Diskussionen, von denen ich profitiert habe. Ein Twitteruser schrieb einmal sinngemäß: »Wer seine Meinung beim Recherchieren nicht mindestens einmal ändert, hat etwas falsch gemacht.«. Umgekehrt hoffe ich natürlich auch, für andere ein Mosaikstein zu sein, mit dem sie ihren Horizont erweitern können. In Bewegung zu bleiben, sich - auch streitbar - mit anderen auszutauschen, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, Empathie zu entwickeln für das Denken und Fühlen meiner Mitmenschen: Dies ist meine »aufklärerische« Hoffnung und eine Chance für uns alle, wenn wir die sozialen Netzwerke richtig zu nutzen verstehen. 

 Helga König
Helga König:  Sie habe vor Kurzem ein Porträt des von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer gepostet. Zählt er zu Ihren Vorbildern und wenn ja, weshalb?

Bernd Rodekohr: Was ich an Dietrich Bonhoeffer bewundere, ist seine unbedingte Menschlichkeit und Gradlinigkeit. Dies hat für mich nicht unbedingt etwas mit Glauben zu tun, nicht zwingend etwas mit Gott, aber durchaus schon etwas mit einem Gefühl für Spiritualität. 

Bonhoeffer war ein Vertreter des sogenannten »religionslosen Christentums«. Er fragte sich, ob »überhaupt etwas von Gott gesagt werden könne«. Das Offenhalten des philosophischen Denkens und zugleich ein ganz praktisches, konsequentes persönliches Einstehen für humanistische Ideale, die Geradlinigkeit beim Kampf gegen die Judenverfolgung und den Nationalsozialismus: Dietrich Bonhoeffer war tatsächlich eine Persönlichkeit, die mich fasziniert. Ob Bonhoeffer ein Vorbild für mich ist, hatte ich mich ehrlich gesagt noch nie gefragt. Ich denke aber ja, Menschen wie er sind durchaus Vorbilder für mich.

Lieber Bernd Rodekohr, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Anbei die Website von Bernd Rodekohr: http://www.bernd-rodekohr.de/


Helga König im Gespräch mit der diplomierten Sozialarbeiterin Andrea Bredenbröker

Liebe Andrea Bredenbröker, Sie sind diplomierte Sozialarbeiterin sowie Autorin und lassen Ihre Leser wissen, dass Sie ein Jahr in Kenia lebten, bevor Sie Ihr sozialwissenschaftliches Studium abgeschlossen haben. Auf Ihrem Twitterprofil weisen Sie darauf hin, dass Ihre Schwerpunkte: Sensibilität, Kreativität und Sozialphilosophie sind. Folgt man dem in Ihrem Profil eingefügten Link, so gelangt man auf Ihre Website, wo man sich über Sie, Ihr Denken und Tun ein wenig kundig machen kann.

Helga König: Können Sie unseren Lesern kurz erläutern, was man unter dem Begriff Sozialphilosophie zu verstehen hat und worauf es Ihnen hierbei speziell ankommt?

 Andrea Bredenbröker
Andrea Bredenbröker: Die Sozialphilosophie, auch Gesellschaftsphilosophie genannt, beschäftigt sich mit Fragen zu einer Gesellschaft, ihrem Aufbau, ihren Strukturen sowie dem Verhältnis des Einzelnen zu ihr. In konkreter Hinsicht bedeutet dies, dass sie sich beispielsweise mit der Frage beschäftigt, wie sich Arbeitslosigkeit auf die Selbstachtung auswirkt, wie in  intimen Beziehungen Konflikte behandelt werden oder was Menschen spontan unter den Begriffen Ehre, Gerechtigkeit oder fairer Entlohnung verstehen (Spiegel, Ausgabe 36/2007). Die Ergebnisse werden in Beziehung zu dem gesetzt, was nicht nur der Horizont der berühmten Frankfurter Schule ist, sondern jeder Sozialphilosophie: Auch ohne Heidegger kann man es "das Eigentliche" nennen. 

Mir kommt es beim Thema Sozialphilosophie speziell darauf an, wie eine Gesellschaft auf den Einzelnen einwirkt, wie sich Normen- und Wertesysteme daraus ergeben können und gleichwohl, wie eine Gesellschaft am Beispiel des Holocausts entgleiten kann. Als junge Studentin wollte ich eine Magisterarbeit zum Thema Holocaust fertigen. Sie trug den Titel "Zur Bedeutung des Holocausts auf die jüdische Philosophie unter besonderer Berücksichtigung sogenannter Holocaust-Philosophen". Am Ende musste ich feststellen, diesem Thema nicht in der von mir selbst erwarteten Weise gerecht werden zu können. Ich fühlte mich damals wie eine "solide Halbphilosophin" und gab mein Vorhaben auf. 

Heute sieht das anders aus: Ich hatte nachfolgend das Glück, letzte Zeitzeugen kennenzulernen. Vor diesem Hintergrund betrachte ich die derzeitige Entwicklung unserer Gesellschaft mit großer Besorgnis, da rechte Strömungen zunehmen. Es ist mir diesbezüglich ein großes Bedürfnis, mich einzumischen. Dies halte ich für "praktische Sozialphilosophie" im übertragenden Sinne.

 Helga König
Helga König: Wie definieren Sie Mitmenschlichkeit?

Andrea Bredenbröker: Diese Frage würde ich gerne mit einem Zitat des Dalai Lamas beantworten. "(...) für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar. Man braucht dafür keine Tempel und keine Kirche, ja nicht einmal unbedingt einen Glauben, wenn man einfach nur versucht, ein menschliches Wesen zu sein mit einem warmen Herzen und einem Lächeln, das genügt." (Tenzin Gyatso, Dalai Lama XIV*1936) 

Helga König: Und was bedeutet für Sie Fairness? 

  Andrea Bredenbröker
Andrea Bredenbröker: In der Übersetzung bedeutet Fairness für mich, dass ich ein anständiges, ausgewogenes und moralisch gerechtes Verhalten ausübe. Selbstverständlich gelingt mir das nicht immer, aber in dieser Hinsicht perfekt sein zu wollen, käme wohl einem Größenwahn gleich. Ich bin eben nur ein Mensch. Wenn ich im Alltag beobachte, dass an sich sozial geschwächte Personen nach Unten treten, dann macht mich das sehr wütend. Neulich wurde ich z. B. Zeugin eines Vorfalls in einer Arztpraxis. Da verweigerte ein ungepflegter, nach kaltem Nikotin müffelnder Mann einer alten und gebrechlichen, türkischen alten Dame den Sitzplatz mit den Worten:"Nö, ich bremse lieber für Tiere!" Mein Puls schnellte hoch. Ich stellte der Dame meinen Sitzplatz zur Verfügung und schüttelte nur noch den Kopf über soviel Dummheit und Brutalität.

 Helga König
Helga König: Wenn man Ihre Retweets ein wenig studiert, erkennt man sehr rasch, dass Ihnen auch hier soziale Themen am Herzen liegen. Wir haben heute beide einen Tweet des Accounts "Kinderrechte" retweetet. Der Tweet lautet:"Etwa jedes sechste Kind in Deutschland wächst in einer suchtbelasteten Familie auf." Was dachten Sie spontan als Sie diesen Tweet gelesen haben und weshalb wollten Sie ihn ihren Followers zugänglich machen?

Andrea Bredenbröker: Auch ich bin in einer suchtbelasteten Familie aufgewachsen, gleichsam wie ein weißes Schäfchen unter reißenden Wölfen. Suchtthematik und borderlineartige Verhaltensstrukturen machten ein familientypisches Miteinander unmöglich. Es ist nur meiner kindlichen Resilienz sowie erkennenden Pädagogen zu verdanken, dass ich eine höhere Schulbildung einschlagen konnte/durfte. Wenn jedes 6. Kind in Deutschland in einer suchtbelasteten Familie aufwächst, dann ist das eine hohe Zahl, die bedenklich ist. Es wäre mittelfristig an der Zeit, suchtauslösende Faktoren wie z. B. Ausgrenzung und Chancenungleichheit zu eliminieren. Wenn Sie sich heute in Gymnasien umschauen, dann werden Sie kaum Schüler finden, die durch ihre Eltern suchtvorbelastet sind. Natürlich aber gibt es auch hier diverse Ausnahmen. Nur eine Verdeutlichung dieser Problematik kann aus meiner Sicht verhindern, dass diese betroffenen Kinder rasch marginalisieren und selbst Suchterkrankungen entwickeln. Das ist nun der Grund für meinen Retweet. Meine Follower sind in der Regel Multiplikatoren, die unterschiedlichen sozialen Schichten und Berufen angehören. Sie tragen in die Welt, was sie von ihren Sympathisanten zu hören oder zu lesen bekommen. Und außerdem: Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich! Damit kann ich leben:-).

Helga König: Haben Sie den Eindruck, dass sich Menschen im virtuellen Raum anders verhalten als im nicht virtuellen Leben und falls ja, welche Probleme sehen Sie als Diplom-Sozialarbeiterin für uns alle diesbezüglich?

  Andrea Bredenbröker
Andrea Bredenbroeker: Der virtuelle Raum stellt für mich durchaus auch eine Art von "Parallelwelt" dar, in der man sich ungehindert ausleben kann. Es gibt Menschen, die dort öffentlich ein bestimmtes Verhalten erproben, dieses jedoch nicht automatisch im Alltag umsetzen können. Daraus kann sich dann schlimmstenfalls eine Inkongruenz entwickeln, weil der Mensch in der Realität nicht macht, wovon er eigentlich überzeugt ist. Das merken dann andere Personen, die denjenigen dann falsch wahrnehmen und nicht mehr respektieren. Als Dipl.-Soz.arb. kann ich nur dafür werben, dass man den virtuellen Raum nicht überbewertet, sondern ihn als Plattform versteht, für neue Gedankenströme und neuzeitliche Entwicklungen. Denn wer nur ausschließlich in dieser "Parallelwelt" lebt, der scheitert im wahren Leben an eigenen Illusionen und verliert den Sinn für das Tatsächliche, Nächstliegende und Machbare.

 Helga König
Helga König: Ich teile mit Ihnen die Ansicht, dass es keine "Gutmenschen", sondern nur MENSCHEN gibt. Der Begriff "Gutmensch" ist meiner Einsicht nach eine Wortschöpfung von Zynikern. Wie reagieren Sie, wenn jemand seitens eines Zynikers als "Gutmensch" in Ihrer Anwesenheit abgewertet wird?

Andrea Bredenbröker: Wenn das passiert, reagiere ich entschieden, u. U. auch etwas ungehalten. Zyniker verstehen das für sich auszunutzen, weshalb ich mich darin trainiere, stringent bei meiner Linie zu bleiben. Wer ein MENSCH ist, erlebt in seinem Leben Höhepunkte und Tiefschläge. Ebensolchen nicht auszuweichen, sondern ihnen auch zu begegnen, erfordert Mut, manchmal sogar Demut. Wer auf diese Erfahrungen zurückgreifen kann, der unterscheidet sich signifikant von einem Zyniker! Dieser hat es nötig, seine Persönlichkeitsdefizite an Menschen auszulassen, die ihm den Spiegel vorhalten. So entsteht der Begriff "Gutmensch". Wer in meiner Gegenwart Opfer eines Zynikers werden soll, der darf auf meine unbedingte Unterstützung zählen!

Helga König: Was sollten User in den sozialen Netzwerken nach Ihrer Ansicht als studierte Sozialarbeiterin unternehmen, wenn Sie sehen, dass jemand dort extrem gemobbt wird?

  Andrea Bredenbröker
Andrea Bredenbröker: Im Sinne einer Verantwortungsethik ist man als autonomes Subjekt nicht nur für seine Handlungen verantwortlich, sondern auch für deren Unterlassung. Unterlassung ist m. E. n. ein spezieller Fall unmoralischen Handelns. Zunächst einmal halte ich es für außerordentlich wichtig, den Betroffenen darauf hinzuweisen, dass es ein Bündnis gegen Cybermobbing gibt. Geht man auf diese Website, so erfährt man, was konkret dagegen unternommen werden kann. Hier ein paar Auszüge davon:

 -Cool bleiben. Nichts an Dich heranlassen und keine Selbstzweifel haben, denn: Du bist o.k., so wie Du bist!
-Sperre den Cyber-Bully! Die meisten Anbieter geben Dir die Möglichkeit, jemanden, der Dich verleumdet oder kränkt, zu sperren oder zu melden. Beweise sichern. Durch Screenshots Kopien von Fake-News oder Online-Gespräche machen. Und nicht zuletzt: Die Polizei informieren! Es gibt viele Straftatbestände, die ein Teil von Cybermobbing sind. Cybermobbing selbst ist kein fester Strafbestand. Beispiele dafür sind nach dem Jugendgerichtsgesetz folgende Paragraphen: §185 Beleidigung, §186 Üble Nachrede, §187 Verleumdung sowie weitere. Im Erwachsenenstrafrecht verhält es sich ähnlich, wobei dort mit härteren Sanktionen zu rechnen ist. Einzusehen bei www.polizei-beratung.de 

Das aktive Eingreifen gegen Cybermobber verstehe ich als NETZCOURAGE. Dies sollte das Anliegen aller friedliebender User sein!

Helga König: Gestern las ich in Facebook seitens eines Trolls nachstehende Androhung: "Fordere die Internettrolle nicht heraus. Die Macht ist mit uns." Woher kommt diese Dreistigkeit der Trolle und wie könnte man ihr sinnstiftend Einhalt gebieten? 

 Helga König
Andrea Bredenbröker: Die Dreistigkeit der Trolle rührt m. E. n. daher, dass es sich um Menschen mit sozialen Phobien handelt. Dies bedeutet, dass sie sich im realen Leben nicht zurecht finden und zumeist aus Angst vor dem Versagen ihren Mitmenschen aus dem Weg gehen. Ihre Persönlichkeitsdefizite sind dabei so ausgeprägt, dass sie Internetforen oder andere soziale Netzwerke dringend benötigen, um sich selbst über die Beleidung anderer Menschen spüren zu können. Ihre Geltungssucht kennt dabei keine Grenzen. "Don´t feed the trolls", lautet ein unter Netznutzern weit verbreitetes Motto (zu Deutsch: "Füttere die Trolle nicht!"). In der Übersetzung ist hier gemeint, die verbalen Angriffe von Trollen schlicht zu ignorieren, was wohl zuweilen leichter gesagt als getan ist. 

Ziel aller Trolle ist die Provokation. Verteidigungsversuche oder jedwede Form von Kontra-Geben oder Thematisierung bleiben ohne Ergebnis, im Gegenteil: Sie stellen das Futter für alle Trolls dar! Nun kennen wir verschiedene Arten von Trollen, wie z. B. Spam-Trolls, Cranks oder sogenannte Hater. Allen ist gemeinsam, dass sie innerhalb einer Community agieren. Das gibt ihnen ein gutes Gefühl und vermittelt ihnen eine zweifelhafte Solidarität untereinander. Meine Empfehlung ist es, sie möglichst kurzfristig über den Anbieter sperren zu lassen, um ihnen die Angriffsfläche zu entziehen. 

Helga König:Welche Empfehlung können Sie Hochsensiblen an die Hand geben, um mit den mannigfaltigen Eindrücken im Netz relativ entspannt umgehen zu können? 

  Andrea Bredenbröker
Andrea Bredenbröker: Da ich mich selbst für eine HSP (High-Sensivity-Person) halte, erlaube ich mir, Ihnen aus meiner persönlichen Erfahrung heraus zu antworten. Mit Beginn des Internetypes vor mehr als 20 Jahren musste ich es erst langsam erlernen, mich sehr dosiert in diesem Medium zu bewegen. Tat ich das nicht, war ich total reizüberflutet. Es folgten Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Ich rate anderen Hochsensiblen, stets genügend Abstand zu wahren. Dazu gehört die Einsicht, dass das Internet nur einen kleinen Auszug unserer Gesellschaft darstellt. Wer sehr mitfühlend ist, sollte sich zudem vor Gewaltvideos schützen wie sie im Internet kursieren. 

 Helga König
Helga König: Sind die sozialen Netzwerke Ihrer Ansicht nach ein Medium, wo man seine Kreativität in gewisser Weise ausleben kann? 

Andrea Bredenbröker: Der Nutzer sozialer Netzwerke ist ein Mensch, der sich durch ein Profil selbst darstellt, Beziehungen zu anderen aufbaut und dies öffentlich zeigt. Er positioniert sich in Netzwerken wie z. B. Facebook oder Twitter, um in Kontakt mit Gleichgesinnten zu kommen, die seine Interessen, Ansichten oder Überzeugungen vertreten oder negieren. Manchmal kommt es zu einer Vernetzung von Personen, die ein gleiches Ziel verfolgen. Durch dieses soziale Miteinander kann man sich gegenseitig "befruchten" und neue Ideen entwickeln. Dies ist ein Ausleben verschiedenster kreativer Strömungen, die hier sehr speziell durch interaktive Impulse zustande kommen können. 

Helga König: Sie haben u. a. in diesem Jahr folgenden Tweet retweetet: "In all den Jahren Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen sämtlicher Couleur ist mir übrigens nie jemand begegnet, der von seinen Eltern "zu sehr verwöhnt" wurde." Weshalb wollten Sie diese Worte Ihren Followers zugänglich machen? 

  Andrea Bredenbröker
Andrea Bredenbröker: Ich halte es für ein Klischee, wenn z. B. gut situierten Personen mit psychischen Schwierigkeiten vorgeworfen wird, dass sie von ihren Eltern offensichtlich zu sehr verwöhnt wurden und sie aus diesem Grunde "lebensuntüchtig" seien oder mit ihrer "Langeweile" nicht umzugehen wüssten. Dieses Klischee trifft oft auch Kinder sogenannter "Helicopter-Eltern". Sie kontrollieren ihre Kinder auf Schritt und Tritt, ermöglichen ihnen einerseits alles materiell erdenkliche, aber sprechen ihnen andererseits jede Eigenverantwortung ab. Eine Individualisierung wird so verhindert statt gefördert. Dies kann zu Zwangsverhaltensweisen, Magersucht oder anderen Persönlichkeitsstörungen führen. Durch Artikulierung des benannten Klischees sind Betroffene doppelt bestraft. Meine Follower werden dafür sorgen:), dass es "abgeschafft" gehört und weitere Menschen für das Thema sensibilisiert werden. 

Helga König: Und schlussendlich: Was können Menschen in den sozialen Netzwerken voneinander lernen? 

Andrea Bredenbröker: Wer sich nach seinen eigenen Möglichkeiten gesellschaftlich einbringt, erfährt eine Zunahme von sozialen Kontakten. Gleichwohl bieten soziale Netzwerke auch die Möglichkeit, Menschen verschiedenster Herkunftsländer und kulturelle Unterschiede kennenzulernen. Dies fördert im Besten Sinne Toleranz und Völkerverständigung. Wo Menschen miteinander kommunizieren, entstehen Kräfte und Lernprozesse, die sowohl im Einzelnen wie auch im Vielen Veränderungen zu schaffen imstande ist.

Liebe Andrea Bredenbröker,  herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch

Ihre Helga König

Anbei der Link zur Website von Andrea  Bredenbröker:http://www.sozialphil.de/

Helga König im Gespräch mit der Historikerin Dr. des Agnès Wiederkehr

Liebe Frau Dr. des. Agnès Wiederkehr, Sie sind eine in der Schweiz lebende Historikerin und twittern fast täglich historisch bemerkenswerte Fotos, um auf diese Weise etwas gegen das Vergessen zu unternehmen. 

Helga König: Können Sie zunächst etwas über die Herkunft der Fotos berichten? 

 Dr. des. Agnès Wiederkehr
Dr. des Agnès Wiederkehr: Die Fotos sind von mir angekauft, oder aus Foren. 

Helga König: Verändert es Ihrer Erfahrung als Schweizerin nach das Bewusstsein eines Volkes, wenn die Männer eines Landes seit vielen Jahren nicht mehr in den Krieg gezogen sind und falls ja, wie zeigt sich das in punkto Friedensliebe? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich sage es kurz, fast alle Menschen möchten Frieden, manchmal ist es unerlässlich, ein Regime mit militärischen Mitteln zu entfernen. 

 Helga König
Helga König: Dieser Tage haben Sie u.a. ein Bild getwittert, das 1941 in Prag entstanden ist. Hier motivieren die Nazis mittels eines Plakats die Menschen dazu, warme Kleidung für die deutschen Soldaten in Russland zu sammeln. Wie allseits bekannt ist, haben die Deutschen Russland ohne Kriegserklärung überfallen. War es mitmenschlich, den deutschen Soldaten warme Kleidung zu schicken, während im von ihnen belagerten St. Petersburg über 1 Million Menschen damals verhungerten und erfroren sind und die warme Kleidung der deutschen Soldaten das Elend der Eingeschlossenen gewiss nicht verringert hat? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich finde dieses Plakat irgendwie frech, wenn ich das sagen darf, ich denke, dass die meisten Tschechen sicher keine Deutsche Wehrmacht, SS, SD, oder Gestapo im Land wollten. Die warmen Wintersachen kamen meines Wissens erst im März 1942 an die Front. 

Helga König: Sie zeigen auch eine restlos zerstörte Stadt in der Normandie. Ein amerikanischer Militärkrankenwagen fährt die Straße entlang. Wie würden Sie dieses Foto im Hinblick auf Mitmenschlichkeit interpretieren?

 Dr. des. Agnès Wiederkehr
Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich denke, dass es auch ein Zeichen war, dass die Humanität wieder eingezogen ist. 

Helga König: Dann zeigen Sie ein Foto, das in Berlin im Mai 1945 entstanden ist. Hier sieht man unzählige deutsche Soldaten und Zivilisten auf dem Weg nach Russland. Konnte durch die Kriegsgefangenschaft das unsägliche Leid, dass die Deutschen den Russen antaten, gesühnt werden oder wären weitere Maßnahmen notwendig gewesen und wenn ja, welche, nach Ihrer Meinung? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Die Taten, z.B. durch die Einsatzgruppen der SS oder auch der Wehrmacht sicher nicht, die Leute wurden wegen Mangels an eigenen Menschen geholt.

 Helga König
Helga König: Bilder beeinflussen bekanntermaßen das Bewusstsein des Menschen. Hoffen Sie durch den Mix von Mode- und historischen Fotos, die Krieg und Elend zeigen, besonders jüngere Menschen wachrütteln zu können? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Das ist ein Ziel für mich, der Mensch kann nur die Gegenwart oder die Zukunft deuten, wenn er die Vergangenheit kennt, frei nach Dr. Helmut Kohl. 

Helga König: Was bezwecken Sie mit den historischen Farbbildern aus Kriegszeiten, die zwischendurch immer mal wieder zu sehen sind? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Ich möchte, oder ich versuche so, die damalige Zeit den jungen Menschen näher zu bringen, denn schwarz/weiß sieht nach Vergangenem aus. 

Helga König: Sie zeigen auch eine Aufnahme der zerstörten Stadt Dresden unmittelbar nach dem Feuersturm 1945. Auf dem Foto ist kein einziger Mensch zu sehen. Was fällt Ihnen spontan zu diesem Foto ein? 

 Helga König
Dr. des. Agnès Wiederkehr: Dantes Inferno. 

Helga König: Auf einem kolorierten Foto, das ich heute Morgen sah, sind amerikanische Soldaten und von den Nazis befreite, sehr glückliche Französinnen zu sehen. Welche Botschaft möchten Sie mit diesem Foto übermitteln? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Man kann wieder glücklich sein und Freude am Leben haben. 

Helga König: Was bedeutet für Sie Völkerfrieden, mehr als nur die Abwesenheit Krieg? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Glück, Freude und Zufriedenheit. 

Helga König: Was können die sozialen Netzwerke im Hinblick auf ein friedliches Miteinander leisten? 

Dr. des. Agnès Wiederkehr: Schauen, dass die User einander mit Anstand und Respekt begegnen.


Liebe Dr. des. Agnès Wiederkehr,  ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König:

Helga König im Gespräch mit Daniel Landau, Betreiber der Website "Daniel Landau bloggt - tachles reden, und dabei keine Ruhe geben, bis jedes Kind Zugang zu besserer Bildung hat".

Lieber Daniel Landau, Sie sind ausgebildeter Dirigent, Magister der Betriebswirtschaftslehre, Diplompädagoge für Musik und Mathematik, Gastronom sowie Bildungsmensch und leben in Wien. Als sozial sehr engagierter Mensch haben Sie mehrere Bildungsinitiativen gegründet und betreiben u.a. die Webseite "Daniel Landau bloggt - tachles reden, und dabei keine Ruhe geben, bis jedes Kind Zugang zu besserer Bildung hat".

Helga König: Was bedeutet für Sie Mitmenschlichkeit?

 Daniel Landau
Daniel Landau: Mitmenschlichkeit - das heißt für mich zu aller erst, sorgsam aufeinander zu achten, mit den nächsten so umzugehen, dass deren Würde zu keiner Zeit angetastet wird, diese jedenfalls intakt bleibt. Sie beginnt ja in Wahrheit damit, andere überhaupt einmal wahrzunehmen, auch genauer hinzusehen. Und Mitmenschlichkeit hat bei mir auch sehr stark damit zu tun, bei vorhandenem Unrecht auch nicht wegzusehen, sondern klar und bestimmt darauf hinzuweisen, alles zu unternehmen, damit dieses Unrecht nicht länger anhält. ich weiß, das klingt alles nach sehr viel, fast unmenschlich viel vielleicht. Aber ich denke tatsächlich, jede und jeder kann im Umfeld etwas bewegen, egal wo man herkommt, egal wo immer man sozusagen gerade steht. Zu Hause assoziierten mein Bruder und ich als Kinder das auch damit, mit sich auch selbst im reinen zu bleiben, wenn Sie so wollen, sich abends auch selbst in den Spiegel schauen zu können. Niemals selbstgefällig und laut, sondern still, und auch im Bewusstsein, Mitmenschlichkeit, oder auch Hilfe, das war vielleicht nicht immer erfolgreich, aber man hat es zumindest versucht, man hat sich ehrlich bemüht, sich auch dabei durchaus angestrengt. So in etwa ;) 


 Helga König
Helga König: .… und was verstehen Sie unter einem sinnstiftenden Miteinander?

Daniel Landau: Das sinnstiftende Miteinander, hm, das hängt natürlich auch sehr stark mit dem oben zusammen - aber ich möchte es gerne noch um eine Dimension erweitern. Vom ich ins Du kommen, das heißt ja auch, einander gut, aufmerksam, also aktiv, zuhören zu wollen und zu können. Und gute Bildung, besser erfolgreich für jedes Kind, scheint mir hier ein geeignetes Beispiel. Sinnstiftung beginnt hier damit, dass wir Pädagog_innen zuerst zuhören und beobachten sollen. Das Kind sozusagen möglichst intensiv erfahren. Dabei finde ich es besonders wichtig, das Kind im Erfolg, im Talent zu bestärken, darauf zu achten, dass das Kind sich selbst vertrauen kann, erlebt, wo die Stärken sind. Dies hängt (wiederum pädagogisch) auch damit zusammen, ein Umfeld bereitzustellen, dass möglichst breite Erfahrungen, sozusagen bunteste Erfolge auch ermöglicht. Erst dann kann und soll es darum gehen, das Kind dabei zu bestärken, immer wieder leicht unterschiedliche Wege zu bestreiten. Sich auch auf unbekanntes Eis zu begeben. Auch dort, wo man Defizite hat, aufzuholen. Weil Kinder auch lernen, dass Anstrengung zumeist lohnt. Dabei beteiligt zu sein, wenn sich Menschen (groß oder klein) neue Horizonte und Möglichkeiten erarbeiten, das beschreibt für mich persönlich den Wert sinnstiftendes Miteinander vielleicht hierbei am besten. 

Helga König: Des Weiteren: Was können wir tun, damit alle Menschen eine faire Startchance ins Leben erhalten?

  Daniel Landau
Daniel Landau: Manche Kinder starten ihr Leben sozusagen ein paar Meter hinter der Startlinie. Und aus den verschiedensten Gründen haben einige mehr bis zum Eintritt in die erste Bildungsinstitution, dem Kindergarten, noch ein paar Meter Rückstand dazu erworben. Ich erwarte sowohl von einer Gesellschaft im allgemeinen, als auch von Kindergarten und Schule im besonderen, hier einen gewissen Ausgleich zu schaffen. Dazu vorweg, ganz klar, "alle gleich" ist an dieser Stelle ein völliger Unwert. Und ich denke, wer hier manchen Gruppen dies in der Jetztzeit noch als vermeintliches "Ziel" unterstellt, der tut dies auch schlicht aus böser Absicht. Alle gleich, ich denke, das will niemand. Der zweite wichtige Punkt vorab, es wird auch keinem noch so guten Bildungssystem alleine gelingen können, diese oben beschriebenen paar Meter Rückstand, bereits an der Startlinie, völlig aufholen zu können. Was ich aber erwarte, ist - und andere Länder sind hier durchaus wesentlich erfolgreicher - dass das Bildungssystem diese vorhandenen Lücken zumindest kleiner macht. 

In Österreich aber, da wächst dieser Rückstand eher. Was hier primär zu tun wäre, ist den meisten relativ klar. Das meint unter anderem zB die Finanzierung von Bildung. In einigen Ländern bzw Regionen wird Bildung zusätzlich über einen sogenannten Sozialindex (bzw Chancenindex) finanziert. Dies meint kurz gefasst ein Umdenken, weg von der Gießkanne. KG und Schulen in Regionen, wo eher Kinder aus finanzschwachen Haushalten (einer der Indikatoren) leben, bekommen hier etwa deutlich zusätzliches Geld für Personal oder auch zB für Sachmittel. Ganz allgemein vielleicht noch ergänzt, Bildung gilt in Österreich als besonder stark vererbt. Was in einem Fall positiv ist (einige Eltern können ihren Kindern besonders viel weitergeben, was ihnen auch niemand nehmen will!), das führt im negativen Fall dazu, dass Kinder armer Eltern selbst höchst armutsgefährdet sind, Aufstieg via Bildung wesentlich schwerer schaffen als in anderen Ländern.

Zwei Punkte, die gegen diese Vererbung wirken, werden hier in der Wissenschaft genannt. Erstens, Kinder sollen besser durchmischt und wesentlich länger gemeinsam unterrichtet werden. Zweitens, Schulen, die als gut durchmischter Ganztag (also bis in den mittleren Nachmittag) geführt sind. Diese "Schule ohne Schultasche" übernimmt damit auch mehr Verantwortlichkeit fürs Lernen. Jetzt hängt es oft an den Eltern, können sie selbst helfen, oder können sie Nachhilfe zukaufen. Die Hauptursache für die Vererbung. 

  Helga König
Helga König: Auf Ihrem Blog schreiben Sie, “Gelingende Bildung für jedes Kind ist wichtiger Grundbaustein für funktionierendes Zusammenleben, für eine gemeinsame, bessere Gesellschaft.“ Können Sie an dieser Stelle näher erklären, was Sie unter einer gelingenden Bildung verstehen?

Daniel Landau: Nun, gelingende Bildung meint für mich zu aller erst die angeborene Neugier und Lernlust als höchstes Gut und längstens möglich zu erhalten, im Idealfall sogar auszubauen. Was auch immer die Lehr- und Lerninhalte sind, darüber lässt sich ewig und trefflich diskutieren (sollte man übrigens auch mehr), aber eines ist klar: Kinder und ältere Menschen werden ihr ganzes Leben hindurch lernen, neue Erfahrungen machen. Das sollen sie auch. Und dafür wünsche ich mir neugierige und leistungswillige Menschen, die auch etwas erreichen wollen - und dabei die notwendige Selbstsicherheit, Selbstreflexion und auch Selbstsicherheit haben. Menschen mit großer Lust auf Bildung. Wie wir das bei den Allerkleinsten nahezu grenzenlos erleben. All dies ständig und zuvorderst bereits im Kindergarten und der Schule im Auge zu haben, dies zu aller erst bedeutet (dann besser) gelingende Bildung. Zugleich muss endlich und schleunigst ein Prozess in Gang gesetzt werden, wo sich politik- und interessenübergreifend Menschen darüber klar werden, was unsere Kinder an bestimmten Punkten (jetzt wäre das wohl etwa im Alter von 6, 10, 14/15, 18) auf alle Fälle gelernt und erfahren haben, was sie wissen und können sollen. Diese Ziele von Bildung gehören neu überdacht und festgelegt. Und zwar im denkbar breitesten Diskurs!

Helga König: Sollte an Schulen endlich auch Herzensbildung gelehrt werden und wenn ja, welche Unterrichtsinhalte müsste ein solches Fach beinhalten?

  Daniel Landau
Daniel Landau: Herzensbildung, wie Glück, ist, denke ich, nicht als eigenes Fach zu leben. Aber es sollte als Kulturprinzip in unsere Gesellschaft natürlich auch in allen Kindergärten und Schulen besser und fester verankert sein. Konkret geht es hier um Inhalte, die ich versucht habe bei den Punkten 1) bzw 2) anzuschneiden. Zuhören können z.B,, dies lässt sich natürlich in den Schulen auch aktiv üben, lässt sich als Haltung von den Pädagog_innen und auch untereinander einfordern. Dies, wie auch z.B. Empathie, also die Fähigkeit sich auch in andere hineinfühlen zu können, lässt sich zum Beispiel wunderbar an Hand von politischer Bildung erörtern, kann gut in Deutsch oder Religion thematisiert und gelebt werden. Aber selbst bei mir, also in meinen Fächern Musik und selbst in Mathematik - ich erinnere mich gut an manche Fragen über Gerechtigkeit an Hand von Benotungen bzw dem wertschätzenden Feedback an meine Schüler_innen. Eine Art des sorgsamen Umganges miteinander, den ich von ihnen einmahnte, den man aber zu aller erst dann auch selbst vorleben muss.
  Helga König

Helga König: Können Sie uns ein wenig über die von Ihnen ins Leben gerufenen Bildungsinitiativen berichten?

Daniel Landau: Bildungsinitiativen, ein schwieriges Feld. Nun, einige der Bildungsinitiativen, die ich mitgründen durfte, die ich auch teilweise leitete, die gibt es heute nicht mehr, oder sie gingen einen anderen Weg, wurden ruhiger. Das wäre auch okay, wenn es ihrer sozusagen nicht mehr bedürfte, aber das Gegenteil scheint der Fall. Die wunderbare Initiative "Bildung Grenzenlos" etwa, geleitet von Heidi Schrodt und Erwin Greiner, die ist so ein Fall. Immer wieder betonen sie, sie gründeten diese Initiative eigentlich auch mit der Perspektive, sie hoffentlich nach ein paar Jahren wieder auflösen zu können, weil das Ziel erreicht wäre. Nun, das aber war vor bald 15 Jahren. Mit den diversen Initiativen, offen gesagt, ist das so eine Sache. So wichtig jede davon war und ist, so sehr merkt man auch ein österreichisches Spezifikum, nämlich dass ein relativ kleiner Kreis von enorm engagierten Menschen immer wieder nur in unterschiedlichen Initiativen zusammenkommen, in manchmal nur wenig geänderter Zusammensetzung.

Was mir an der Stelle fehlt, ist auch hier das bereits oben angesprochene breitere Miteinander. Teilweise scheint auch hier eine Art von Konkurrenz vorzuliegen, die breitere Allianzen und ein gemeinsames Vorgehen eher behindert als unterstützt. Zugleich ist das öffentliche Bildungssystem dermaßen stabil und starr, seit 100 Jahren in dominierender Interessenshand weniger Player (politischer Parteien und Gewerkschaften, teillweise Verbände), dass es kaum wirklich starke Bewegungen gab oder gibt. Als klare (mir bekannte einzige) Ausnahme seien hier ausdrücklich die siebziger Jahre unter Bruno Kreisky genannt. Aus meiner Sicht bildungspolitische Meilensteine.

Helga König: Wie lassen sich Ihrer Meinung nach schichtenspezifische Sprachbarrieren am raschesten beheben?

  Daniel Landau
Daniel Landau: Die beste Möglichkeit, die verschiedene Sprache (und auch soziale Unterschiede) zu "überwinden", besteht darin, Kinder und Jugendliche vermehrt, und wie gesagt, auch wesentlich länger als nur bis zum 10.Lj, miteinander zu unterrichten. Kinder speziell lernen jede fremde Sprache zumeist enorm schnell. Angemerkt, man darf dabei auch nicht übersehen, dass Deutschkenntnis und Herkunft keineswegs immer korrelieren. Es gibt Kinder, die erst ein paar Jahre im Land sind, und herausragendes, akzentfreies Deutsch sprechen. Zugleich jene, die obwohl quasi seit zwölfzig Generationen in Österreich sind (also ewig, teils seit hundert oder mehr Jahren), aber heutzutage enorme Sprachmängel haben. Ansonsten ist hier die Wissenschaft relativ klar. In Kindergartengruppen wie Klassen wo kaum Deutsch beherrscht wird, brauchen wir wesentlich mehr und qualifizierte Menschen zur Unterstützung. Da braucht es eindeutig viel mehr Sprachinputs, also weit mehr zusätzliche - und zugleich höchst professionelle - Vermittlung der Sprache.
  Helga König

Helga König:  Wodurch wird Kindern Ihrer Meinung nach die natürliche Lernbereitschaft und Neugierde genommen?

Daniel Landau: Neugier und Lernlust wird vor allem geraubt, wenn Kinder zurückgewiesen werden, wenn sie entmutigt und enttäuscht, womöglich gar beschämt, werden, wenn sie das Vertrauen verlieren - und zwar zu aller erst in sich selbst. Davon gut zu unterscheiden, und ja nicht zu verwechseln, ist, dass Schule natürlich auch Scheitern bearbeiten kann und soll. Irrtümer und Scheitern sind (wie auch Widerspruch für uns Pädagog_innen!) hervorragende Lehrmeister - aber gerade bei den Kleinsten gehören sie sehr sorgfältig begleitet. Geschieht das nicht, lässt man Kinder an dieser Stelle alleine, dann verlieren sie bald ihre Lernlust. Dies steht sogar noch vor der "Sinnfrage", also in wie weit gelingt es, Bildung auch in einen möglichst nahen Realitätsbezug zu bringen, mit "Sinn" zu belegen) (ich bin eh schon so lange :) - aber an der Stelle wäre es noch wichtig, nicht alles kann und soll unmittelbar "Sinn" machen - Schule soll auch viel mit Schönheit oder Muße zu tun haben, also nichts, was wir sofort mit "Sinn" assoziieren würden, mir aber dennoch auch sehr wichtig scheint!) Genauso können Kinder sehr rasch Regeln begreifen und auch akzeptieren lernen. Was jedoch hilft ist, sie beim Gestalten und Implementieren dieser Regeln auch mit einzubeziehen, ihre Meinung genauso und auf Augenhöhe zuzulassen und zur Kenntnis zu nehmen. Kinder sind m. E.  als jene bereits völlig vollwertigen Menschen zu behandeln, die sie ja auch sind. Wenn sie auch im Kindergarten und der Schule andere Rollen, andere Aufgaben zu übernehmen haben, sie sind jedenfalls um nichts weniger wert. Hier verweise ich sehr gerne an den großen Pädagogen Janusz Korczak, der mir hier in vielem ein großes Vorbild ist.

Helga König: Sie schreiben, Sie möchten allen Menschen die Möglichkeit geben, sich selbst und einander mit Hilfe von Kunst ein wenig näher kommen zu können. Insofern sollte demnach Theater zu spielen, zu musizieren, sich gestalterisch auszudrücken ein Ziel sein, das es zu erreichen gilt. Wie möchten Sie das praktisch umsetzen?

  Daniel Landau
Daniel Landau: Ich fordere seit langem, in allen Schulen auch Theater als Freifach zu ermöglichen. Beginnen würde ich auch hierbei vor allem bei jenen Schulen, wo dies Eltern unmöglich selbst ermöglichen können. Theater, Applaus, das macht etwas mit Menschen. Genauso auch, wie es einen Unterschied macht, ob ich gelernt habe, vor vielen Menschen laut und klar zu sprechen, oder dass ich warten muss, bis andere ausgesprochen haben, auch angehalten bin, Gefühle auszudrücken, meine eigenen damit auch reflektieren muss... Theater - und ich erlebte es schon in einigen Schulen und Gruppen - kann wunderbares bewirken. Das meint noch nicht einmal große Stücke der Weltliteratur, das beginnt schon bei kleinen Übungen, der Improvisation, der Ausbildung von gesunden Stimmen oder (auch hier) der Sprachentwicklung (!) sowie dem Umgang mit dem eigenen Körper - und eben auch mit den Gefühlen, der Umgang mit anderem, mit dem "Du"! Hier breit und wesentlich mehr gut ausgebildete (Theater)Pädagog_innen und viel mehr Mittel zur Verfügung zu stellen - ich denke, das würde in einigen Fällen wesentlich mehr bewirken, als viele andere Maßnahmen der Vergangenheit oder der jüngsten Gegenwart.

Helga König: Welche Möglichkeiten sehen Sie in den sozialen Medien, Ihre Follower für Ihre Projekte zu begeistern?

Daniel Landau: Das geht wirklich kurz ;) Soziale Medien sind für mich ein (!) Kanal, andere zu erreichen. Sie können und sollen aber nie das sogenannte "Real Life", das gute Gespräch mit anderen im gleichen Raum, ersetzen. Niemals! :) 

Lieber Daniel Landau, ich danke Ihnen vielmals für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Anbei der Link zur Website von Daniel Landau: "Daniel Landau bloggt - tachles reden, und dabei keine Ruhe geben, bis jedes Kind Zugang zu besserer Bildung hat".

Helga König im Gespräch mit Claudia Czingon und Michael Wolff vom „Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik“

Liebe  Frau  Claudia Czingon, lieber  Herr Michael Wolff, auf Twitter findet man unter dem Account "Wirtschaftsethik" bemerkenswerte Tweets, die neugierig machen. Folgt man auf Ihrer Profilseite dem Link Ihrer Homepage, so entdeckt man sehr rasch, wer sich hinter dem Twitter-Account verbirgt: "Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik"  Damit die Leser von "Buch, Kultur und Lifestyle" ein wenig mehr über das Institut und die Aufgaben, die es sich stellt, erfährt, möchte ich an Sie nun einige Fragen richten.

Notizen zur Interviewpartnerin: Dr. des. Claudia Czingon,  Soziologin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main. 

Notizen zum Interviewpartner: Michael Wolff, Diplom-Soziologe und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main.

Helga König: Können Sie uns zunächst etwas über den Namensgeber des Instituts mitteilen und aus welchen Motiven das Institut 1990 gegründet wurde?

 Michael Wolff
Michael Wolff: Oswald von Nell-Breuning (1890-1991) war einer der führenden kritischen Kommentatoren und Impulsgeber für die Wirtschafts- und Sozialpolitik der frühen Bundesrepublik, ein Brückenbauer zwischen Katholizismus und DGB sowie Sozialdemokratie und als langjähriger "Nestor" der katholischen Soziallehre auch eine kritische Stimme in den innerkirchlichen Debatten zum Beispiel über das kirchliche Arbeitsrecht. Pater Nell-Breuning war Mitglied des Jesuitenordens, studierter Theologe und Philosoph und promovierte 1928 mit einer Arbeit über "Grundzüge der Börsenmoral!. Danach wurde er Professor für Moraltheologie, Kirchenrecht und Gesellschaftswissenschaft an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, an der auch heute unser Institut angesiedelt ist. Sein Nachfolger Pater Friedhelm Hengsbach, Professor für Christliche Gesellschaftsethik, gründete 1990 das Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik. Der Auftrag des Instituts ist die normative Reflexion gesellschaftlicher und internationaler Institutionen und die kritische Sichtung konkreter Vorschläge ihrer Veränderung aus Gerechtigkeitsperspektive. In der Tradition der sozialethischen Reflexionen und politischen Interventionen geht es im Nell-Breuning Institut um Forschung und Politikberatung aus der Perspektive der Christlichen Sozialethik, insbesondere der Wirtschaftsethik.

 Helga König
Helga König: Wie man Ihrer Homepage entnehmen kann, haben sie drei Schwerpunkte bei ihrer Arbeit. Einer davon ist die Ethik der Finanzmärkte. Was gibt es dazu generell zu sagen?

Claudia Czingon: "Ethik der Finanzmärkte" klingt für viele Menschen wie ein Widerspruch in sich. Das verweist schon auf das Problem: Zwischen den Geschäftsstrategien der "Banker" und dem "Gemeinwohl" sehen viele einen unüberbrückbaren Gegensatz. Allerdings geht es uns in diesem Forschungsschwerpunkt nicht um die Frage, wie "die Banker" weniger gierig werden könnten. Vielmehr fragen wir danach, wie die Politik – auch die international koordinierte Politik – dafür sorgen kann und was sie dafür tun soll, dass die einzelwirtschaftlichen Strategien im Bereich "finance" eine gute – im Sinne aller Menschen gute – Entwicklung der Wirtschaft fördern. Da geht es uns darum, dass Gewinne in diesem Bereich wirklich nur mit Aktivitäten verdient werden können, die für andere Akteure nützlich sind, weil z.B. Finanzierung ermöglicht oder Risikomanagement erleichtert wird. Es geht um Finanzmärkte, die nicht zu Krisen neigen, deren Management dann den Staat finanziell "aussaugt", und es geht schließlich darum zu verhindern, dass die Anleger die Vorstände der Aktiengesellschaften zu Strategien der kurzfristigen Gewinnsteigerung drängen.

Helga König: Im Rahmen dieses Schwerpunkts befassen sie sich seit einigen Jahren mit dem Projekt "Von Rationalität und Legitimität im Bankensystem". Was möchten Sie diesbezüglich unseren Lesern mitteilen? 

  Claudia Czingon
Claudia Czingon: In diesem interdisziplinären Verbundprojekt erforschen wir gemeinsam mit Wissenschaftlern des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) Göttingen und der Hochschule Darmstadt den Wandel der öffentlichen Erwartungen an Banken. Wir untersuchen, wie die allgemeine und politische Öffentlichkeit auf Bankenpleiten und Finanzkrisen reagiert bzw. diese wahrnimmt. Dabei vergleichen wir die mediale Debatte nach dem Zusammenbruch des Bankhauses I. D. Herstatt im Jahr 1974 mit den Debatten, die im Anschluss an die letzte Finanzkrise seit 2008 geführt wurden. In der Herstatt-Krise konnten wir z.B. zwei dominante gesellschaftliche Vorstellungen dessen rekonstruieren, was eine Bank sein sollte. Zum einen wird erwartet, dass Banken und damit auch Bankeinlagen "sicher" sein sollen. Es wird als Aufgabe der Professionellen in den Banken und der Bankenaufsicht gesehen, diese Sicherheit zu gewährleisten. Der anderen Vorstellung nach ist eine Bank schlicht ein marktwirtschaftliches Unternehmen, das wie jedes andere pleitegehen kann. Der Verlust von Bankeinlagen ist zwar bedauerlich, aber ein den Spielregeln des Marktes entsprechend normaler Vorgang. Zur Verbesserung der Situation wird nicht an den Regulierer appelliert, sondern mehr Transparenz gefordert, um besser informierte "rationale Entscheidungen" zu ermöglichen und damit Krisen vorzubeugen bzw. die Krisenresistenz zu erhöhen. Wir sind nun sehr gespannt, in den nächsten Monaten herauszuarbeiten, wie sich die krisenpolitischen Reaktionen 1974 und 2008 ähneln und worin sie sich unterscheiden. 

Helga König: Die am Nell-Breuning-Institut betriebene Gesellschaftsethik steht in der Tradition der Katholischen Soziallehre liest man auf Ihrer Homepage. Möchten Sie unseren Lesern bitte kurz zur Kenntnis bringen, was man unter der "Katholischen Soziallehre" zu verstehen hat? 

  Michael Wolff
Michael Wolff: Die Katholische Soziallehre entstand mit der "Sozialen Frage" des Massenelends der Arbeiterschaft im Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Aufgrund der Klassenauseinandersetzungen zwischen Kapital und Arbeit versuchte das kirchliche Lehramt, den politischen und sozialen Kräften im Katholizismus Orientierungshilfen zu geben. In Kirche und Katholizismus entstand also eine Art eigenständige politische Philosophie. Als Startpunkt dafür gilt die 1891 erschienene Enzyklika Rerum novarum von Papst Leo XIII. Zum sozialethischen Vokabular können heute die fünf Prinzipien Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohlgerechtigkeit und Nachhaltigkeit gezählt werden. Die Soziallehre und -ethik sind immer Theorie einer Praxis von Verbänden und (neuen) sozialen Bewegungen, die politisch engagierte ChristInnen und Amtsträger mitgestalten. Zudem dient das Fach dazu, SeelsorgerInnen zu vermitteln, wie moderne Gesellschaften funktionieren und was zu bedenken ist, um in ihnen "auf Sendung" zu gehen. 

 Helga König
Helga König: Im Zuge des Schwerpunkts "Die Zukunft der Erwerbsarbeit" läuft bei Ihnen bis 2019 ein Projekt mit dem Titel "Pflegearbeit in Privathaushalten. Eine Frage der Anerkennung. Sozialethische Analysen." Worum geht es dabei? 

Claudia Czingon: Im Pflegeprojekt untersuchen wir die Auswirkungen der Pflegearbeit auf die Lebensperspektiven der Pflegenden in Privathaushalten. In der häuslichen Pflege in Deutschland sind drei Gruppen zu unterscheiden: die Angehörigen, die bis heute den größten Teil der Pflegearbeit leisten, die Angestellten ambulanter Pflegedienste und migrantische Pflegekräfte, die in den Haushalten leben und rund um die Uhr bereitstehen, um die anfallende Arbeit zu verrichten. Pflegearbeit als personenbezogene Dienstleistung boomt; dieser junge Dienstleistungssektor wächst in einem rasanten Tempo und weitgehend unreguliert. Wie kann in Zukunft die Deckung der Pflegebedarfe organisiert werden, wenn geburtenstarke Jahrgänge mit vielen Personen ohne Kinder pflegebedürftig werden? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Angehörige gute Pflegearbeit leisten können und damit sie mit ihrer Pflegeverantwortung nicht völlig überfordert werden? Wie kommt man zu fairen Beschäftigungsverhältnissen in Privathaushalten? All diese Fragen wollen wir in dem Forschungsprojekt, auch im Rückgriff auf die Erfahrungen anderer Länder, beantworten. 

Helga König: Die wissenschaftlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind u.a. an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in St. Georgen in Frankfurt tätig. Worin besteht dort ihre primäre Tätigkeit?

  Claudia Czingon
Claudia Czingon: Wir sind sowohl in der Lehre als auch in der Forschung tätig. Die Hochschule Sankt Georgen bietet die Studiengänge Theologie und Philosophie an, in denen wir auch unterrichten. Darüber hinaus schreiben wir Forschungsanträge, halten Vorträge, kümmern uns um die Öffentlichkeitsarbeit, nehmen an Institutskolloquien und Lesekreisen teil oder arbeiten, so wie ich, in der Wissenschaftskommunikation. Hier geht es darum, NachwuchswissenschaftlerInnen zu vernetzen und den Wissenstransfer sowohl zwischen den WissenschaftlerInnen als auch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu fördern. 

Helga König: Ihr Institut empfiehlt eine gewisse Anzahl von Büchern u.a. "Was ist los mit dir, Europa?" - Für mehr Gerechtigkeit, Solidarität und Frieden! (2017). Worum geht es in diesem Buch?

  Michael Wolff
Michael Wolff: "Was ist los mit dir Europa“ ist das neue Buch des Institutsgründers Friedhelm Hengsbach, der als einer der wichtigsten zeitgenössischen Vertreter der Katholischen Soziallehre gilt. Es ist eine sozialethische Reflexion über mehrere Themenfelder: die sozialen Ungleichheiten, die sich innerhalb und zwischen den Mitgliedsländern der EU aufgetan haben; die Frage, ob die EU eine Sozialunion ist; die europäische Asylpolitik; die institutionelle Architektur der EU und schließlich die Frage, wie nach dem Brexit ein Neustart der EU gelingen könnte. Ein großes Problem der EU sieht Friedhelm Hengsbach in ihren unübersichtlichen Strukturen und Zuständigkeiten, dem Kompetenzgerangel zwischen den Institutionen und den bestehenden Machtverhältnissen. Darin sieht er auch eine Ursache für die ablehnende Haltung eines Großteils der Bevölkerung. 

Helga König: Sie sind beide Diplom- Soziologen. Offenbar ist ein theologisches Studium nicht notwendig, um an Ihrem Institut mitzuarbeiten?

Claudia Czingon: Nein, das ist nicht notwendig. Unser Institut ist stark interdisziplinär ausgerichtet. Die MitarbeiterInnen haben nicht nur einen theologischen, sondern auch einen soziologischen, ökonomischen oder politikwissenschaftlichen Hintergrund. Auch in dem Forschungsverbund „Finanzsystem und Gesellschaft“, für den ich am Institut arbeite, ist eine große Bandbreite an Sozialwissenschaften vertreten: Soziologie, Politikwissenschaften, Ökonomie, Wirtschaftsgeschichte und Sozialethik. 


 Helga König
Helga König: Schlussendlich die Frage: Was bedeutet für Sie ein faires Miteinander und inwieweit kann das ethische Engagement ihres Instituts einen sinnstiftenden Beitrag leisten?

Michael Wolff: Heutzutage wollen die meisten Menschen unabhängig und selbstbestimmt leben. Umso unabhängiger man sein will, desto abhängiger macht man sich aber von anderen. Will man zum Beispiel berufliche Karriere und Familie miteinander vereinen, braucht man ein gutes Betreuungssystem mit ErzieherInnen. Wie deren Arbeitsbedingungen sind, ist bedeutsam – für die ErzieherInnen, aber auch für ein gutes Betreuungssystem. Ein faires Miteinander ist also davon geprägt, seine eigenen Interessen im Lichte des Gemeinwohls zu reflektieren. Im Institut verstehen wir unsere Aufgabe darin, nicht nur zu forschen, sondern die Ergebnisse unserer Forschung auch einem möglichst breiten Publikum in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zugänglich zu machen und in die öffentliche und politische Debatte einzuwirken.

Liebe  Frau  Claudia Czingon und  Herr Michael Wolff, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Anbei der Link zur Website des Oswald von Nell- Breuning Institut –Für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik

Helga König im Gespräch mit Bhajan Noam, Buchautor, Dozent, Atempädagoge und Prana-Yogalehrer

Bh ajan Noam ist als Dozent, Atemtherapeut und Atempädagoge (BEAM-Mitglied), Prana-Yogalehrer, Spiritueller Heiler (DGH-Mitglied), Buchau...