Helga König im Gespräch mit Dr. Jurik Müller, Meteorologe, Buchautor und Verfasser zahlreicher Presseartikel, Bauernregelfan und Liebhaber nostalgischer Rosen.

Dr. Jurik Müller ist Meteorologe, Buchautor und Verfasser zahlreicher Presseartikel, Bauernregelfan und Liebhaber nostalgischer Rosen. Auf Twitter teilt er sein Wissen über Wetterregeln  mit und beschenkt zudem alle mit zauberhaften Blumenfotos. 

Lieber Dr. Jurik Müller, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Projekt "Interviews- Begegnungen mit Menschen" teilnehmen möchten. Dazu nun einige Fragen an Sie. 

Helga König: Was bedeutet Ihnen Mitmenschlichkeit und wie versuchen Sie diese zu leben? 

 Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Die Erziehung zu Mitmenschlichkeit, Liebe, Empathie und Anstand bedeuten mir sehr viel. Die Fähigkeit und die Bereitschaft, Emotionen, Gedanken, Empfindungen, zum Beispiel Trauer, Mitleid und Schmerz, sowie Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen verstehen zu können, sehe ich als wichtige Aufgabe in einer Gesellschaft an, in der leider sehr oft der "Ellenbogen" regiert. 

Der französische Philosoph und Schriftsteller Denis Diderot (1713-1784) brachte es aus meiner Sicht zumindest teilweise auf den Punkt, als er in Bezug auf Menschlichkeit schrieb: "Das ist ein Gefühl des Wohlwollens für alle Menschen, das nur in einer großen und empfindsamen Seele aufflammt. Diese edle und erhabene Begeisterung kümmert sich um die Leiden der anderen und um das Bedürfnis diese zu lindern; ...". Hinter diesen Worten verbirgt sich wohl auch Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl gegenüber anderen Menschen. 

Zur Menschlichkeit gehört aber auch die Achtung vor dem Leben jedes einzelnen Individuums, aber auch vor Tieren, die oft schlimmsten Qualen ausgesetzt sind, und unserer Pflanzenwelt. Die Freiheit des Andersdenkenden im Sinne von Rosa Luxemburg und der Brückenbau zwischen Menschen anderer Weltanschauung oder Religion erachte ich als eine meiner Lebensmaximen als Atheist. Das bedeutet auch, dass ich mich politisch engagiere, im Ortschaftsrat meines Heimatdorfes, im Stadtrat und im Kreistag, in dem ich auch als Vorsitzender des Ausschusses für Soziales und Gesundheit wirke.

Mit großer Sorge und Beschämen sehe ich, das betrifft sowohl Deutschland als auch Europa, die Diskussionen, die es auf höchster politischer Ebene um das Bleiberecht von Flüchtlingen gibt. Sie sind eines Landes, dass sich Humanität auf die Fahnen geschrieben hat, unwürdig.  

 Helga König
Helga König: Welchen Stellenwert hat Fairness für Sie? 

Dr. Jurik Müller: Anstelle des Wortes Gerechtigkeit wird heute mehr und mehr das aus dem Englischen stammende Wort Fairness genutzt, unter dem ein anständiges Verhalten im beruflichen und privaten Umgang mit anderen Menschen, aber auch im Spiel und im Sport zu verstehen ist. Als ehemaliger Direktor eines Forschungsinstitutes für Agrarmeteorologie und später als Leiter einer Agrarmeteorologischen Forschungs- und Beratungsstelle habe ich versucht, auf beruflicher Ebene stets Fairness walten zu lassen. Dazu gehört natürlich auch der Mut zur Ehrlichkeit. 

Sicher ist es mir, das möchte ich selbstkritisch als Rentner mit einem gewissen Abstand zur Zeit meiner Leitertätigkeit anmerken, diesbezüglich nicht immer gelungen, ein ausgewogenes und stets gerechtes Handeln an den Tag zu legen. Fairness bedeutet auch, und das ist meine felsenfeste Überzeugung, rücksichtsvoll gegenüber anderen, Berufskollegen oder einem Partner bzw. einer Partnerin, zu sein und diese so wie sie sind, zu akzeptieren. 

Solidarität ist für mich ebenfalls mit fairem Auftreten, dem Einhalten von Normen und Regeln im menschlichen Zusammenleben, mit Transparenz und mit Gleichberechtigung in zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Frau und Mann sowie zwischen Jung und Alt verschmolzen. Schwachen zu helfen, sie zu unterstützen, gehört mit zur Fairnesserziehung. Dem Gegenüber auf gleicher Augenhöhe begegnen, das muss das Ziel auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens sein. 

Anderen zuzuhören, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, sie ausreden zu lassen, ohne sie grundlos zu unterbrechen, das ist in meinen Augen Fairness. Insofern hat dieses Wort, das auch mit Chancengleichheit untrennbar verbunden ist, einen hohen Stellenwert für mich. So versuche ich als Mensch, dessen Herz weit links in der Brust schlägt, stets den Kriterien fairen Verhaltens gerecht zu werden. 

Helga König: Sie befassen sich in Ihren täglichen Posts stets auch mit Schutzpatronen. Was können wir Menschen von diesen zumeist vor langer Zeit verstorbenen Persönlichkeiten lernen? 

 Dr. Jurik Müller
Dr. Jurik Müller: Zunächst möchte ich feststellen, dass ich nicht religiös bin und keiner Konfession angehöre, obwohl ich nachvollziehen kann, dass dieser Eindruck durch meine Posts bei Twitter entstehen mag. Dessen ungeachtet beschäftige ich mich intensiv mit der Vita von Heiligen. Die mit ihnen verbundenen Geschichten, Überlieferungen und Anekdoten gehören zum Kulturgut. Seit dem ich im Jahre 1991 angefangen habe, selbst Bauernregeln zu verfassen, denen Gedenktage von Heiligen zugrunde liegen, fasziniert mich deren Leben und Verhalten, aus dem man auch für die heutige Zeit viel lernen kann. Nehmen wir als Beispiel Hildegard von Bingen, die um 1098 in Bermersheim geboren wurde, im Jahre 1179 auf dem Rupertsberg bei Bingen starb und als Klostergründerin, Äbtissin und Mystikerin wirkte. In Bezug auf sie reimte ich: "Brauchst du um Hildegard (17.09.) noch einen Sonnenhut, tut der Herbst bis Burkhard (14.10.) den Trauben gut." 

Obwohl von zartem und gebrechlichem Wesen und in einer von Männern dominierten Welt lebend, war Hildegard, der Name bedeutet "rettende, beschirmende Heldenjungfrau", politisch engagiert und machte auch als Künstlerin, Dichterin und Ärztin von sich reden. Die von ihr festgehaltenen, eine gesunde Lebensführung betreffenden Regeln befassten sich auch mit sexuellen Fragen. Als mutig und richtungsweisend müssen die von ihr entwickelten Gedanken zur Rolle der Frau angesehen werden.

Ihre Vorstellungen von Naturheilkunde und Ernährung fanden in jüngerer Zeit wieder große Beachtung. Die besondere Leistung Hildegards besteht darin, das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus griechisch-lateinischer Tradition mit der Volksmedizin zu verbinden. Sie hatte unter anderem so großen Erfolg, da sie bestrebt war, die volkstümlichen Pflanzennamen zu verwenden. 

Andere Heilige setzten sich zu Lebzeiten für Schwache und Kranke oder Arme und Bedürftige ein. In diesem Zusammenhang sei an den von 1578 bis 1622 lebenden Fidelis von Sigmaringen, den "Advokat der Armen", erinnert, der sich menschlich und sozial sehr engagierte. Eine solche Haltung wünschte man sich von manchem unserer Zeitgenossen. 

  Helga König
Helga König: Zudem erfreuen Sie Ihre Leser mit Wetterregeln. Wie reagieren Ihre Leser auf diese oft hilfreichen Posts? 

Dr. Jurik Müller: Ich muss gestehen, dass es sich bei den meisten meiner Posts um Wetterregeln aus der eigenen Feder handelt. Innerhalb der letzten 27 Jahre sind 4000 solcher Reime entstanden, von denen ich etwa 1000 in dem im Jahre 2008 beim BS Verlag Rostock erschienenen Buch "Bauernregeln, Wettersprüche und Lostagreime aus der Feder von Dr. Jurik Müller" vorgestellt habe. Was aber bewegt nun einen Meteorologen, eigene Bauernregeln zu dichten und niederzuschreiben? Auf diese Frage angesprochen, lautet die Antwort, den Schatz bäuerlicher Erfahrungen für die Nachwelt zu erhalten, die aufgezeigten mehr oder weniger guten Zusammenhänge in neue "Wortgewänder" zu kleiden und mit den Reimen aus eigener Feder das Interesse an den Bauernregeln neu zu beleben. 

Meine Absicht besteht aber auch darin, manchen Kritiker der vom Volksmund überlieferten Spruchweisheiten nachdenklich zu stimmen und ihn offener für das Denken des Landmanns in früherer Zeit zu machen. Darüber hinaus bereitet es immer wieder Spaß, so mit den Worten zu jonglieren, dass keine Sinnentstellung oder gar Negierung des vom Volksmund in Sprüche gefassten Wissensstandes der Bauern in früheren Jahrhunderten entsteht. 

Ich spüre, dass die mir folgende "Twittergemeinde" meine "Bauernregelposts" mit großem Interesse zur Kenntnis nimmt. Das belegen auch viele Reaktionen, die sich nebenbei gesagt, aber auch auf meine Natur- und Liebeslyrik beziehen. Natürlich freue ich mich darüber. Auch die Tatsache, dass unzählige Zeitungsartikel von mir zum Thema Bauernregeln, insbesondere in der Mitteldeutschen Zeitung, in der Südthüringer Zeitung und in der Bauernzeitung erschienen sind, belegen die wachsende Bereitschaft der Bevölkerung, sich mit dem Thema Bauernregeln zu befassen. In den Jahren 2011, 2014 und 2016 erschienen weitere Bücher, die sich mit den Hintergründen der alten Spuchweisheiten und der von mir verfassten neuen Sprüche auseinandersetzen, beim BLV Buchverlag München. 

Ein Ziel meiner Aktivitäten bei Twitter, die offenbar von den Followern begrüßt werden, besteht auch darin, das Bauernwissen, auch wenn die Sprüche die Leistungen der modernen Meteorologie nicht ersetzen können, in das Bewusstsein vor allem auch jüngerer Menschen zu heben, gingen doch in der Hektik unserer schnelllebigen Zeit das Gespür für die Vorgänge in der Natur und die Fähigkeit der Beobachtung solcher Vorgänge verloren. 

Helga König: Ihre Fotos verdeutlichen, dass Sie ein Blumenfreund sind.  Möchten Sie Ihre Mitmenschen mit den Blumenbildern eine besondere Freude machen und ein wenig mit der Natur versöhnen oder worum geht es ansonsten bei den von Ihnen geposteten schönen Fotos? 

  Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Die von 1785 bis 1859 lebende Schriftstellerin Bettina von Arnim schrieb einmal: "Blumen sind die Liebesgedanken der Natur". Dieses Zitat lässt mich seit der Zeit, in der ich in Weimar die Erweiterte Oberschule "Friedrich Schiller" besucht habe, die ich 1967 mit dem Abitur abschloss, nicht mehr los. Auch meine ungarische Ehefrau hat einen großen Anteil daran, dass ich mich leidenschaftlich gern mit Blumen befasse. Sie tut das nämlich seit ihrer Kindheit. Vor einigen Jahren schenkte sie mir zu Weihnachten eine Spiegelreflexkamera. Und seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht im Garten oder bei einem Spaziergang etwas Neues entdecke, dass mich reizt, diese Digitalkamera einzusetzen. An den so entstandenen Blumen- und Gartenfotos habe ich selbst große Freude und sehe es natürlich gern, wenn ich auch anderen damit Freude machen kann. 

Natürlich liegt mir auch daran, das Verhältnis der Menschen zur Pflanzen- und Tierwelt zu verbessern, die oft achtungslos an den Schönheiten, welche die Natur für uns bereit hält, vorübergehen. Auch Wildpflanzen haben es mir angetan. Sie werden eigentlich zu Unrecht als Unkraut bezeichnet, haben sie doch wichtige Aufgaben im "Haushalt" der Natur zu erfüllen. Viele der Blumenfotos, die ich angefertigt habe, sollen auch die Stimmung, die in meinen Natur- und Liebesgedichten zum Ausdruck kommt, unterstreichen. 

  Helga König
Helga König: Was sagen Sie als Meteorologe zum Klimawandel, speziell im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber den Folgegenerationen? 

Dr. Jurik Müller: Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, wird es bemerkt haben, die Wetterextreme nehmen zu. So gestaltet sich die räumliche und zeitliche Verteilung der Niederschläge immer ungünstiger. Dürren plagen die Landwirtschaft. Sturmereignisse und Tornados, wer sprach schon vor 30 bis 40 Jahren hierzulande von den oft kleinräumigen, aber sehr verheerenden, rotierenden Luftsäulen mit Bodenkontakt, treten immer häufiger auf. Die Atmosphäre gerät aus ihrem goldenen Gleichgewicht, schafft sich Ventile in Gestalt von katastrophalen Unwettern. 

Wenn die Menschen so weitermachen wie bisher, Urwälder roden, Raubbau an natürlichen Ressourcen betreiben, sich nicht alternativer Energieformen bedienen, steuern wir auf einen Punkt zu, an dem irreversible Vorgänge in der Atmosphäre in Gang gesetzt werden, die das Leben auf unserem Planeten gefährden können. So lange die Gier nach Profit im Vordergrund steht, lässt sich dem Fortschreiten des Klimawandels, der vielleicht vorübergehend in Südschweden auch den Anbau von Riesling ermöglichen würde, bis hin zur Klimakatastrophe nicht Einhalt gebieten. 

Eiskeller oder Treibhaus? Bei dieser Frage streiten sich hier und da noch die Geister. Auf jeden Fall lässt sich die voranschreitende Klimaerwärmung meines Erachtens nicht mehr leugnen. Wenn sich nicht alle etwas einschränken, besteht die Gefahr, dass wir künftigen Generationen gemäß dem Motto "Nach uns die Sintflut" eine nicht mehr intakte, nicht mehr lebenswerte Umwelt hinterlassen. 

Helga König: Dort, wo Sie zuhause sind, hat die Heilige Elisabeth einst gewirkt. Welche Bedeutung hat für Sie Barmherzigkeit? 

  Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Auf der Wartburg bei Eisenach existieren Wandgemälde von Moritz von Schwind, die als die sieben Werke der Barmherzigkeit der heiligen Elisabeth von Thüringen bzw. von Ungarn bekannt geworden sind: Die Hungrigen speisen, Die Durstigen tränken, Die Nackten kleiden, Die Müden beherbergen, Die Gefangenen trösten, Die Kranken pflegen, Die Toten begraben. In diesen sieben Werken tritt die Heilige Elisabeth als Trostspenderin und Helferin auf. 

Barmherzigkeit heißt für mich, mein Herz fremder Not zu öffnen und sich ihrer mildtätig anzunehmen, also Menschen in schweren Lebenssituationen zu helfen. In Verbindung damit stehen Gerechtigkeit und Zuwendung. Barmherzigkeit bedeutet aus meiner Sicht aber auch, Fremde aufzunehmen. Leider wird in der heutigen Zeit der Begriff Barmherzigkeit auf die Verteilung von Almosen reduziert. Für mich stellt die heilige Elisabeth ein Vorbild barmherzigen Handelns dar. 

Als Elisabeth im Hungerjahr 1226 alles verfügbare Korn an Arme und Bedürftige austeilen ließ und heftige Vorwürfe gegen sie laut wurden, sollen sich einer Legende zufolge alle Säle und Kammern mit Korn gefüllt haben. Die Schutzpatronin der Witwer, Waisen, Bäcker und Obdachlosen wird in der Kunst nicht umsonst mit einem Korb voll Rosen, einem Korb mit Broten, einer Schüssel mit Fischen und einem Bettler dargestellt. Brot und Rosen als ein Symbol der Barmherzigkeit. 

  Helga König
Helga König: Welche Tugenden benötigt ein Mensch, um ein Menschenfreund zu sein und kann man diese Tugenden kultivieren? 

Dr. Jurik Müller: Zu den Tugenden eines Menschenfreundes würde ich die Fähigkeiten zählen, anderen zuzuhören, sich in einen Menschen hineinzuversetzen, Verständnis auch für bestimmte Laster aufzubringen, nachsichtig zu handeln und Beleidigungen sowie Kränkungen zu vermeiden. Als weitere Tugenden erachte ich, das Vorgehen gegen Unrecht, sich gegen dieses zu empören und zu wehren, Erniedrigungen anderer zu verurteilen, vor Gefahren zu warnen und auch vor sittlichem Verfall. Dass solche Tugenden in einer Gesellschaft, in welcher der Tanz um das Goldene Kalb im Vordergrund steht, zu verkümmern drohen, versteht sich von selbst. 

Daher ist es dringend vonnöten, im gesamten Schul- und Erziehungswesen, dieser Tatsache in angemessener Form Rechnung zu tragen. Mit der Erziehung zu humanistischem Handeln, die Gesellschaft dahingehend zu reformieren, dass sich wieder mehr Menschen solche Tugenden zu eigen machen, und der Wert eines Menschen nicht durch seinen Geldbeutel definiert wird. 

Helga König: Wie wichtig ist Ihrer Ansicht nach ein intensiveres Ethik-Verständnis im Hinblick auf unsere neoliberalen Zeiten? 

  Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Betrachtet man Ethik als einen Teilbereich der Philosophie, der sich mit der Bewertung und den Voraussetzungen menschlichen, moralischen Handelns befasst und Hilfe für sittliche Entscheidungen liefern soll, so besitzt diese im Hinblick auf unsere neoliberalen Zeiten eine große Bedeutung, da in diesen eine Rückbesinnung auf den "Raubtierkapitalismus" erfolgt. Dabei steht für neoliberal eine Abwendung von sozialer Marktwirtschaft. Indem der Staat dem Kapital die Zügel in die Hand gibt, vergrößert sich die Gefahr von Lohn- und Sozialabbau. Wesentlich für eine ethische Bewertung der Handlungen der Menschen sind daher die mit ihnen verbundenen Folgen. 

  Helga König
Helga König: Glauben Sie, dass der bewusste Umgang mit Bäumen, Pflanzen und Blumen Menschen positiv verändern kann und wenn ja wie? 

Dr. Jurik Müller: Der bewusste Umgang mit Bäumen, Pflanzen und Blumen kann durchaus Menschen positiv verändern, wenn sie begreifen lernen, dass wir die Natur zum Leben brauchen. Diesem Grundsatz sollte bereits im Kindergarten und später in der Schule Rechnung getragen werden. Eine Zerstörung der Natur durch falsches Verhalten der Menschen, ich denke hier nur an das Bienen- und Insektensterben, kann uns unserer Lebensgrundlagen berauben. 

Übertriebene Flächenversiegelungen verändern nicht nur nachteilig den Wasserhaushalt in betroffenen Arealen, sondern schädigen auch die Pflanzenwelt der Umgebung. Mein Vater sagte einmal zu mir: "Wo Bäume sterben, stirbt auch der Mensch". Das hat mich zu nachstehendem Gedicht verleitet: 

Ein lautloser Schrei 
Am Dorfrand 
hatte er gestanden, 
Schattenspender und Regenschutz 
zugleich. 
In seiner Rinde schlugen 
die Herzen Jungverliebter. 
Als die Säge 
sich ins Stammholz fraß, 
weinten die Vögel. 
Der Abschied, 
ein lautloser Schrei. 
In seinen Jahresringen 
lebten Märchen 
aus Großmutters Tagen.

Lieber Dr. Jurik Müller, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Anbei der Link zum Twitteraccount von Dr. Jurik Müller: https://twitter.com/DrJurikMueller

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