Helga König im Gespräch mit der Diplompsychologin Dr. Gabi Pörner

Die Diplompsychologin Dr. Gabi Pörner ist Expertin für Persönlichkeitsentwicklung, Business Coaching und Achtsamkeitstraining, zudem ist sie Autorin sehr bemerkenswerter Bücher (siehe "Buch, Kultur und Lifestyle/Psychologie).

Liebe Gabi Pörner, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen.

Dazu nun folgende Fragen an Sie:

Helga König: Wie definieren Sie Mitmenschlichkeit?

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi Pörner: 
Mitmenschlichkeit ist die Basis für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Wir Menschen sind Gruppenwesen. Obwohl jeder Mensch anders – eben einmalig – ist, haben wir alle die gleichen Bedürfnisse – wir wollen als Mensch gesehen, ernst genommen und wertschätzend behandelt werden. Das bedeutet für mich, andere Menschen, aber auch mich selbst mit Stärken und Schwächen zu akzeptieren, Fehler zu verzeihen und daraus zu lernen, uns offen auszutauschen und mitfühlend zu handeln.

 Helga König
Helga König: Was bedeutet Ihnen Fairness?

Dr. Gabi Pörner: Für mich ist Fairness ein Teil der Menschlichkeit und bedeutet, auf einer win-win-Basis mit anderen Menschen umzugehen und zusammen zu arbeiten – uns gegenseitig zu unterstützen und zu ermutigen., so dass Geben und Nehmen letztendlich ausgeglichen sind. Das Gegenteil ist – jemand anderen auszunutzen, ihn für die eigenen Zwecke auf Kosten des anderen einzuspannen, um sich selbst zu erhöhen.

Helga König: Wann ist in Ihren Augen ein Mensch ein Menschenfreund (m/w)?

Dr. Gabi Pörner: Wenn ein Mensch den anderen in seiner Einzigartigkeit - mit dessen Bedürfnissen, Werten, Wünschen, Erwartungen, Zielen anerkennt und sich ernsthaft mit ihm beschäftigt. Auf dieser Basis können wir über alle Themen ehrlich miteinander reden, achtsam miteinander umgehen, sind für Feedback dankbar und können voneinander lernen. Sich selbst nicht mit seinen Gedanken und Gefühlen zu identifizieren, sich nicht für den Nabel der Welt halten, klar sein und Humor helfen dabei ungemein!

Helga König: Ist es für einen Psychologen (m/w) Grundbedingung ein Menschenfreund (m/w) zu sein?

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi  Pörner: Es ist wünschenswert. Mich interessiert es in meinem Beruf, mit welchen Anliegen Menschen kommen, welche unbewussten hinderlichen Einstellungen und Schutzprogramme hinter dem offensichtlichen Verhalten stecken, wie derjenige erweiternde Alternativen findet, seine Kraftquellen aktivieren und seine Potenziale entfalten kann. Dabei ist für mich wichtig, mich einzufühlen und dennoch bei mir zu bleiben, nicht zu werten und gegebenenfalls Grenzen zu setzen, das eigene Handeln zu reflektieren und immer wieder zu merken, dass wir alle Menschen sind, verletzlich und stark, mit Höhen und Tiefen und täglichen Lernchancen.

 Helga König
Helga König: Wann wird es Zeit- bei aller Zugewandtheit und Geduld- zu seinen Mitmenschen NEIN zu sagen?

Dr. Gabi Pörner: Wenn das Gefühl aufkommt, manipuliert, ausgenutzt und übervorteilt zu werden. Wenn jemand sich übergriffig verhält, ausschließlich über sich selbst redet, dabei den Gesprächspartner nicht wirklich wahrnimmt und dessen Grenzen verletzt. Das ist leichter gesagt als getan, denn viele Menschen haben unbewusst gelernt, es anderen Recht machen zu müssen. Sie sind geschult darauf, was diese brauchen, so dass sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht wahrnehmen oder dass sie ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie sich abgrenzen.

Helga König: Wir erleben im Netz nicht nur Mobber und Stalker, über die bereits genügend geredet worden ist, sondern auch Menschen, die sich in die Herzen ihrer potentiellen Opfer hineinbohren, um auf diese Weise mit ihnen ein übles Machtspiel zu spielen. Mit dieser Thematik befassen Sie sich gerade wie Sie mir erzählt haben. Wie ticken diese HerzenbrecherInnen im Netz, woran erkennt man Sie frühzeitig ?

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi Pörner: Ich spreche jetzt von #Romance_Scamming – über Liebesbetrug im Internet. Damit habe als Coach Erfahrungen gemacht. Romance Scamming ist ein Millionengeschäft. Den Scammern (Betrügern) geht es dabei nur um eines: um Geld. Dabei nutzen sie gezielt die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen nach Liebe, Verbundenheit und Nähe aus und gehen sie wie folgt vor:

• Sie legen sich Fake-Profile zu und klauen von anderen Menschen Fotos – sehen darauf gut aus, scheinen erfolgreich und arriviert, haben oft ein Kind.
• Sie haben ein schweres Schicksal hinter sich, gaukeln über Wochen hehre Werte wie "Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Nächstenliebe" vor, sprechen sehr bald von “Liebe“ und gemeinsamem Leben.
• Sie wollen von ihren Opfern alles wissen, scheinen liebevoll, verständnisvoll und bieten eine breite Schulter zum Anlehnen. Sie schicken täglich mehrmals Nachrichten – immer ohne persönliche Ansprache und machen sich unentbehrlich.
• Hat das Opfer sich verliebt, kündigen sie einen Besuch an, doch vorher müssen sie beruflich ins Ausland – meist nach Afrika. Dort erleiden sie einen Unfall, müssen ins Krankenhaus oder gar ins Gefängnis. Die Kreditkarten werden gestohlen, sie haben kein Geld und brauchen Geld, immer mehr Geld. 
• Schickt ein Opfer kein Geld mehr, wird es übel beschimpft und die Beziehung abgebrochen.

Helga König: Wie geht es den Opfern? 

Dr. Gabi Pörner: Sie wurden abhängig von der ständigen Zuwendung, wähnten sich kurz vor dem Ziel ihrer Träume und wurden dann zweifach betrogen – finanziell und emotional. Zudem müssen sie die Trennung von einem vermeintlich geliebten Menschen verarbeiten. Alles zusammen kann traumatisierend wirken und ist eine herausfordernde Aufgabe, diese verletzenden Erfahrungen zu verarbeiten und mit der massiven Selbstkritik, der Scham, aber auch der Wut auf sich selbst und die Betrüger umzugehen. Sie haben dann auch die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen, können sich stabilisieren, sich besser verstehen, sich mitfühlend und fürsorglich zur Seite stehen, Selbstvertrauen, aber auch neue Perspektiven gewinnen und ihr Leben achtsam gestalten. 

 Helga König
Helga König: Welche Erfahrung haben Sie selbst auf Facebook mit #Romance_Scammern gemacht? 

Dr. Gabi Pörner: Ich habe einmal über ein paar Wochen mit einem korrespondiert. Mich hat gewundert, wieso er nach mir ständig Komplimente machte und mich schon nach drei Mails anscheinend vermisste. Er sprach mich nie mit meinem Namen an, sondern immer mit "honey". Mir fielen dann kleine Widersprüche auf, schließlich kam mir alles sehr merkwürdig vor, so dass ich den Kontakt abbrach.

Helga König: Achtsamkeit im Umgang mit neuen Followern bzw. Facebookfreunden, wie könnte die aussehen? 

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi Pörner:
• Schauen Sie sich das Foto genau an. 
• Achten Sie darauf, ob derjenige Freunde hat und wie lange er schon auf Facebook ist. 
• Ist er mit einigen von Ihren Freunden verbunden? 
• Fragen Sie, wie er auf Sie gekommen ist?
• Bitten Sie um immer neue Fotos (da es Fake-Profile sind, sind auch nur eine beschränkte Anzahl von Fotos vorhanden. Sie passen dann oft nicht zu den von ihm genannten Örtlichkeiten) 
• Wenn verschiedene Punkte, die unter 6. zusammenkommen – brechen Sie sofort den Kontakt ab.

Helga König: Der Aphoristiker #Karl_Feldkamp postete dieser Tage: "Von manchem Facebook-Foto lächelt eine mühsam erhoffte Dauer(-selbst-)verliebtheit." Wie viel persönliches Bildmaterial ist nach Ihrer Meinung Facebookfreunden zumutbar? 

Dr. Gabi Pörner: Facebook und Co. bieten natürlich die Möglichkeit, sich wundervoll mit seinen eigenen Größen- und Idealvorstellungen zu inszenieren und sich selbst mit einer App zu perfektionieren - sich faltenfrei, mit großen Augen, dicken Lippen und superschlank zu präsentieren. Jeder hat auf der Basis von Selbstverantwortung und Wahlfreiheit und die Chance, das zu zeigen, was er für richtig hält – und hat dann mit den jeweiligen Konsequenzen zu leben.

Helga König: Halten Sie Vertrauen im Netz für naiv, würden Sie generell davor warnen? 

Dr. Gabi Pörner:  Vertrauen entsteht nicht von einem Post zum nächsten, sondern kann im Lauf von Monaten durch das Lesen der Nachrichten, den Austausch und Live-Treffen wachsen. 100%ige Garantien gibt es nicht. Aber bei uns hat es doch auch geklappt oder nicht?

Ja, das hat es, liebe Gabi und das beweist, es kann klappen, wenn man offen aufeinander zugeht.

Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview und die vielen hilfreichen Tipps für die LeserInnen  von "Buch, Kultur und Lifestyle".

Helga König

Anbei die Website von Dr. Gabi Pörner:http://www.tim-training.de/profil_poerner.html

Helga König im Gespräch mit dem Theologen Michael Becker

Michael Becker ist Theologe. Er war 25 Jahre lang Gemeindepfarrer zuerst in Marburg, später an der Bischofskirche St. Martin in Kassel. Die folgenden 15 Jahre bis zum Ruhestand 2013 war er Rundfunkpfarrer beim Hessischen Rundfunk.

Lieber Michael Becker, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie:

Helga König: Wann verhält sich nach Ihrer Ansicht ein Mensch mitmenschlich?

 Michael Becker
Foto: Anja Köhne
Michael Becker:  Menschlichkeit äußert sich im Mitfühlen wollen. Mitfühlen ist nicht Billigen. Es ist das Wissen darum, dass andere Menschen sind wie ich. Sie sind nicht schlechter, sondern anders. Nur auf diesem Grund darf ich ein Urteil über Handlungen wagen.

Helga König: Welchen Stellenwert hat für Sie Ethik im Hier und Heute?

Michael Becker: Ethik ist zu allen Zeiten der Versuch, das gemeinsame Leben von Menschen in Liebe und Rücksicht aufeinander zu gestalten

Helga König
Helga König: "Hinter mancher Heiterkeit wohnt viel Verzweiflung", haben Sie am 29. März getwittert. Woran kann man diese als Beobachter erkennen und was empfehlen Sie uns zu tun, ohne aufdringlich zu wirken, wenn wir besagte Verzweiflung bei einem Gegenüber wahrnehmen? 

Michael Becker:  Ich meine, Verzweiflung an einer übertriebenen Heiterkeit zu erkennen. Ich kann wenig dagegen tun; nur zuhören. Mitunter spürt der angebliche Heitere bei Rückfragen, dass er viel Traurigkeit überdeckt. 

Helga König: "Ich kenne Menschen, die brauchen andere aus nur einem Grund: Damit diese sie bewundern. Andere sind immer nur Publikum, das diesen Menschen auf der Bühne zu applaudieren hat." Diesen Tweet haben Sie am 27.3. gepostet. Wie gehen Sie mit solchen Narzissten um, ohne Sie zu verletzten? 

  Michael Becker
Foto: Anja Köhne
Michael Becker:  Manchmal mit einer gewissen Ironie. Manchmal gehe ich ihnen aus dem Weg. Gelegentlich weise ich sie vorsichtig darauf hin, dass sie ihre Geltung übertreiben. 

Helga König: "Man sollte nie unterschätzen, wie viel persönlicher Neid sich in sachlicher Kritik verbergen kann", schreiben Sie am 25.3. Wie geht ein Menschenfreund mit versteckten Neidattacken um? 

Michael Becker:  Die kann man nur zu erkennen versuchen durch Gespräche mit anderen – und dann auszuhalten versuchen. Nach einer gewissen Zeit laufen sie dann womöglich ins Leere, mit Hilfe von anderen.

Helga König: "Liebenswert sind Menschen, die, innerlich wie äußerlich, niemals nur so tun, als ob", ist ein weiterer Ihrer Gedanken. Was steckt in der Regel hinter Verschleierungstaktiken tatsächlicher Motive? 

Michael Becker:  Meistens Unsicherheit. Oft eine gewisse Unkenntnis, wer man wirklich ist. Manchmal ein Hang, mehr sein zu wollen, als man ist. 

 Helga König
Helga König: Sie schreiben: "Der Mensch, der zu Dir hält, nicht zu Deinen Taten, sondern zu Dir, weil jeder ja mehr ist als seine Taten, dieser Mensch ist kostbar; und selten." Weshalb sind solche Menschen so selten zu finden, weshalb ist allerorten Persönlichkeitsmangel fast der Normalzustand?

Michael Becker:  Menschen haben oft viel Sorge davor, sich zu erkennen – und erkannt zu werden. Viele wissen nicht, was da wohl herauskommt. Außerdem hält man gerne zu den Stärkeren. Es braucht besondere Kräfte und Selbstwert, zu Menschen zu stehen, die einen Fehler gemacht haben oder gar schwere Schuld auf sich geladen haben.

Helga König: "Aus Gründen der Menschlichkeit ist es nicht erlaubt, den Schmerz eines anderen kleinzureden, nur weil man selber den Schmerz nicht hat.". Können Sie diesen, Ihren Gedanken näher ausführen?

  Michael Becker
Foto: Anja Köhne
Michael Becker:  Im Kleinreden liegt oft ein gewisser Hochmut, der sich in Gedanken äußert wie: ‚Das könnte mir nicht passieren!‘ Doch, kann es. Vielleicht nicht deckungsgleich, aber ähnlich. Der Schmerz eines anderen ist immer wirklich. Ihm begegne ich nicht hochmütig, sondern in Demut und Dankbarkeit, verschont zu sein.

Helga König "Wer Leid aus dem Weg geht, weil er Angst hat, wird nicht ruhiger, sondern vermehrt seine Angst." Was können Menschen tun, um Ihren Ängsten ins Gesicht zu schauen? 
  
Michael Becker: Die größte Hilfe ist wohl das kritische Gespräch mit einem Menschen, der mir auch liebevoll meine Ausflüchte nimmt. Und von dem ich weiß, dass er mich nicht verurteilt. 

 Helga König
Helga König: "Ich wünschte, ich könnte jedem, der mir begegnet, ein wenig Hoffnung geben", haben Sie Ihren Lesern auf Twitter kürzlich mitgeteilt. Was bedeutet Ihnen Hoffnung und weshalb möchten Sie diese gerne an alle, die Ihnen begegnen verschenken?

Michael Becker: Ich habe neulich gedacht, ich wäre gerne von Beruf Hoffnungsentdecker. Ich könnte in einer Hütte auf einem belebten Platz sitzen und Menschen einladen: "Kommt, wir entdecken zusammen die Hoffnung!" Ich möchte Hoffnung entdecken, weil sie Sinn verspricht – auch in dem, was gegen meinen Willen geschieht und mir Schmerzen macht. Persönlich glaube ich, dass jeder Menschen fähig ist, in seinem Leben Sinn zu erkennen; auch wenn man sich das Leben einmal ganz anders vorgestellt hatte.

Lieber Michael Becker, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Helga König im Gespräch mit Prof. Rahman Jamal, Business and Technology Fellow

Lieber Prof. Rahman Jamal, Sie sind in Burma geboren, in Paderborn aufgewachsen, haben dort auch Elektrotechnik studiert und leben nun in M...