Helga König im Gespräch mit der Diplompsychologin Dr. Gabi Pörner

Die Diplompsychologin Dr. Gabi Pörner ist Expertin für Persönlichkeitsentwicklung, Business Coaching und Achtsamkeitstraining, zudem ist sie Autorin sehr bemerkenswerter Bücher (siehe "Buch, Kultur und Lifestyle/Psychologie).

Liebe Gabi Pörner, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen.

Dazu nun folgende Fragen an Sie:

Helga König: Wie definieren Sie Mitmenschlichkeit?

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi Pörner: 
Mitmenschlichkeit ist die Basis für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Wir Menschen sind Gruppenwesen. Obwohl jeder Mensch anders – eben einmalig – ist, haben wir alle die gleichen Bedürfnisse – wir wollen als Mensch gesehen, ernst genommen und wertschätzend behandelt werden. Das bedeutet für mich, andere Menschen, aber auch mich selbst mit Stärken und Schwächen zu akzeptieren, Fehler zu verzeihen und daraus zu lernen, uns offen auszutauschen und mitfühlend zu handeln.

 Helga König
Helga König: Was bedeutet Ihnen Fairness?

Dr. Gabi Pörner: Für mich ist Fairness ein Teil der Menschlichkeit und bedeutet, auf einer win-win-Basis mit anderen Menschen umzugehen und zusammen zu arbeiten – uns gegenseitig zu unterstützen und zu ermutigen., so dass Geben und Nehmen letztendlich ausgeglichen sind. Das Gegenteil ist – jemand anderen auszunutzen, ihn für die eigenen Zwecke auf Kosten des anderen einzuspannen, um sich selbst zu erhöhen.

Helga König: Wann ist in Ihren Augen ein Mensch ein Menschenfreund (m/w)?

Dr. Gabi Pörner: Wenn ein Mensch den anderen in seiner Einzigartigkeit - mit dessen Bedürfnissen, Werten, Wünschen, Erwartungen, Zielen anerkennt und sich ernsthaft mit ihm beschäftigt. Auf dieser Basis können wir über alle Themen ehrlich miteinander reden, achtsam miteinander umgehen, sind für Feedback dankbar und können voneinander lernen. Sich selbst nicht mit seinen Gedanken und Gefühlen zu identifizieren, sich nicht für den Nabel der Welt halten, klar sein und Humor helfen dabei ungemein!

Helga König: Ist es für einen Psychologen (m/w) Grundbedingung ein Menschenfreund (m/w) zu sein?

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi  Pörner: Es ist wünschenswert. Mich interessiert es in meinem Beruf, mit welchen Anliegen Menschen kommen, welche unbewussten hinderlichen Einstellungen und Schutzprogramme hinter dem offensichtlichen Verhalten stecken, wie derjenige erweiternde Alternativen findet, seine Kraftquellen aktivieren und seine Potenziale entfalten kann. Dabei ist für mich wichtig, mich einzufühlen und dennoch bei mir zu bleiben, nicht zu werten und gegebenenfalls Grenzen zu setzen, das eigene Handeln zu reflektieren und immer wieder zu merken, dass wir alle Menschen sind, verletzlich und stark, mit Höhen und Tiefen und täglichen Lernchancen.

 Helga König
Helga König: Wann wird es Zeit- bei aller Zugewandtheit und Geduld- zu seinen Mitmenschen NEIN zu sagen?

Dr. Gabi Pörner: Wenn das Gefühl aufkommt, manipuliert, ausgenutzt und übervorteilt zu werden. Wenn jemand sich übergriffig verhält, ausschließlich über sich selbst redet, dabei den Gesprächspartner nicht wirklich wahrnimmt und dessen Grenzen verletzt. Das ist leichter gesagt als getan, denn viele Menschen haben unbewusst gelernt, es anderen Recht machen zu müssen. Sie sind geschult darauf, was diese brauchen, so dass sie ihre eigenen Bedürfnisse nicht wahrnehmen oder dass sie ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie sich abgrenzen.

Helga König: Wir erleben im Netz nicht nur Mobber und Stalker, über die bereits genügend geredet worden ist, sondern auch Menschen, die sich in die Herzen ihrer potentiellen Opfer hineinbohren, um auf diese Weise mit ihnen ein übles Machtspiel zu spielen. Mit dieser Thematik befassen Sie sich gerade wie Sie mir erzählt haben. Wie ticken diese HerzenbrecherInnen im Netz, woran erkennt man Sie frühzeitig ?

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi Pörner: Ich spreche jetzt von #Romance_Scamming – über Liebesbetrug im Internet. Damit habe als Coach Erfahrungen gemacht. Romance Scamming ist ein Millionengeschäft. Den Scammern (Betrügern) geht es dabei nur um eines: um Geld. Dabei nutzen sie gezielt die Bedürfnisse und Sehnsüchte der Menschen nach Liebe, Verbundenheit und Nähe aus und gehen sie wie folgt vor:

• Sie legen sich Fake-Profile zu und klauen von anderen Menschen Fotos – sehen darauf gut aus, scheinen erfolgreich und arriviert, haben oft ein Kind.
• Sie haben ein schweres Schicksal hinter sich, gaukeln über Wochen hehre Werte wie "Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Nächstenliebe" vor, sprechen sehr bald von “Liebe“ und gemeinsamem Leben.
• Sie wollen von ihren Opfern alles wissen, scheinen liebevoll, verständnisvoll und bieten eine breite Schulter zum Anlehnen. Sie schicken täglich mehrmals Nachrichten – immer ohne persönliche Ansprache und machen sich unentbehrlich.
• Hat das Opfer sich verliebt, kündigen sie einen Besuch an, doch vorher müssen sie beruflich ins Ausland – meist nach Afrika. Dort erleiden sie einen Unfall, müssen ins Krankenhaus oder gar ins Gefängnis. Die Kreditkarten werden gestohlen, sie haben kein Geld und brauchen Geld, immer mehr Geld. 
• Schickt ein Opfer kein Geld mehr, wird es übel beschimpft und die Beziehung abgebrochen.

Helga König: Wie geht es den Opfern? 

Dr. Gabi Pörner: Sie wurden abhängig von der ständigen Zuwendung, wähnten sich kurz vor dem Ziel ihrer Träume und wurden dann zweifach betrogen – finanziell und emotional. Zudem müssen sie die Trennung von einem vermeintlich geliebten Menschen verarbeiten. Alles zusammen kann traumatisierend wirken und ist eine herausfordernde Aufgabe, diese verletzenden Erfahrungen zu verarbeiten und mit der massiven Selbstkritik, der Scham, aber auch der Wut auf sich selbst und die Betrüger umzugehen. Sie haben dann auch die Chance, aus der Vergangenheit zu lernen, können sich stabilisieren, sich besser verstehen, sich mitfühlend und fürsorglich zur Seite stehen, Selbstvertrauen, aber auch neue Perspektiven gewinnen und ihr Leben achtsam gestalten. 

 Helga König
Helga König: Welche Erfahrung haben Sie selbst auf Facebook mit #Romance_Scammern gemacht? 

Dr. Gabi Pörner: Ich habe einmal über ein paar Wochen mit einem korrespondiert. Mich hat gewundert, wieso er nach mir ständig Komplimente machte und mich schon nach drei Mails anscheinend vermisste. Er sprach mich nie mit meinem Namen an, sondern immer mit "honey". Mir fielen dann kleine Widersprüche auf, schließlich kam mir alles sehr merkwürdig vor, so dass ich den Kontakt abbrach.

Helga König: Achtsamkeit im Umgang mit neuen Followern bzw. Facebookfreunden, wie könnte die aussehen? 

 Dr. Gabi Pörner
Dr. Gabi Pörner:
• Schauen Sie sich das Foto genau an. 
• Achten Sie darauf, ob derjenige Freunde hat und wie lange er schon auf Facebook ist. 
• Ist er mit einigen von Ihren Freunden verbunden? 
• Fragen Sie, wie er auf Sie gekommen ist?
• Bitten Sie um immer neue Fotos (da es Fake-Profile sind, sind auch nur eine beschränkte Anzahl von Fotos vorhanden. Sie passen dann oft nicht zu den von ihm genannten Örtlichkeiten) 
• Wenn verschiedene Punkte, die unter 6. zusammenkommen – brechen Sie sofort den Kontakt ab.

Helga König: Der Aphoristiker #Karl_Feldkamp postete dieser Tage: "Von manchem Facebook-Foto lächelt eine mühsam erhoffte Dauer(-selbst-)verliebtheit." Wie viel persönliches Bildmaterial ist nach Ihrer Meinung Facebookfreunden zumutbar? 

Dr. Gabi Pörner: Facebook und Co. bieten natürlich die Möglichkeit, sich wundervoll mit seinen eigenen Größen- und Idealvorstellungen zu inszenieren und sich selbst mit einer App zu perfektionieren - sich faltenfrei, mit großen Augen, dicken Lippen und superschlank zu präsentieren. Jeder hat auf der Basis von Selbstverantwortung und Wahlfreiheit und die Chance, das zu zeigen, was er für richtig hält – und hat dann mit den jeweiligen Konsequenzen zu leben.

Helga König: Halten Sie Vertrauen im Netz für naiv, würden Sie generell davor warnen? 

Dr. Gabi Pörner:  Vertrauen entsteht nicht von einem Post zum nächsten, sondern kann im Lauf von Monaten durch das Lesen der Nachrichten, den Austausch und Live-Treffen wachsen. 100%ige Garantien gibt es nicht. Aber bei uns hat es doch auch geklappt oder nicht?

Ja, das hat es, liebe Gabi und das beweist, es kann klappen, wenn man offen aufeinander zugeht.

Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview und die vielen hilfreichen Tipps für die LeserInnen  von "Buch, Kultur und Lifestyle".

Helga König

Anbei die Website von Dr. Gabi Pörner:http://www.tim-training.de/profil_poerner.html

Helga König im Gespräch mit dem Theologen Michael Becker

Michael Becker ist Theologe. Er war 25 Jahre lang Gemeindepfarrer zuerst in Marburg, später an der Bischofskirche St. Martin in Kassel. Die folgenden 15 Jahre bis zum Ruhestand 2013 war er Rundfunkpfarrer beim Hessischen Rundfunk.

Lieber Michael Becker, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie:

Helga König: Wann verhält sich nach Ihrer Ansicht ein Mensch mitmenschlich?

 Michael Becker
Foto: Anja Köhne
Michael Becker:  Menschlichkeit äußert sich im Mitfühlen wollen. Mitfühlen ist nicht Billigen. Es ist das Wissen darum, dass andere Menschen sind wie ich. Sie sind nicht schlechter, sondern anders. Nur auf diesem Grund darf ich ein Urteil über Handlungen wagen.

Helga König: Welchen Stellenwert hat für Sie Ethik im Hier und Heute?

Michael Becker: Ethik ist zu allen Zeiten der Versuch, das gemeinsame Leben von Menschen in Liebe und Rücksicht aufeinander zu gestalten

Helga König
Helga König: "Hinter mancher Heiterkeit wohnt viel Verzweiflung", haben Sie am 29. März getwittert. Woran kann man diese als Beobachter erkennen und was empfehlen Sie uns zu tun, ohne aufdringlich zu wirken, wenn wir besagte Verzweiflung bei einem Gegenüber wahrnehmen? 

Michael Becker:  Ich meine, Verzweiflung an einer übertriebenen Heiterkeit zu erkennen. Ich kann wenig dagegen tun; nur zuhören. Mitunter spürt der angebliche Heitere bei Rückfragen, dass er viel Traurigkeit überdeckt. 

Helga König: "Ich kenne Menschen, die brauchen andere aus nur einem Grund: Damit diese sie bewundern. Andere sind immer nur Publikum, das diesen Menschen auf der Bühne zu applaudieren hat." Diesen Tweet haben Sie am 27.3. gepostet. Wie gehen Sie mit solchen Narzissten um, ohne Sie zu verletzten? 

  Michael Becker
Foto: Anja Köhne
Michael Becker:  Manchmal mit einer gewissen Ironie. Manchmal gehe ich ihnen aus dem Weg. Gelegentlich weise ich sie vorsichtig darauf hin, dass sie ihre Geltung übertreiben. 

Helga König: "Man sollte nie unterschätzen, wie viel persönlicher Neid sich in sachlicher Kritik verbergen kann", schreiben Sie am 25.3. Wie geht ein Menschenfreund mit versteckten Neidattacken um? 

Michael Becker:  Die kann man nur zu erkennen versuchen durch Gespräche mit anderen – und dann auszuhalten versuchen. Nach einer gewissen Zeit laufen sie dann womöglich ins Leere, mit Hilfe von anderen.

Helga König: "Liebenswert sind Menschen, die, innerlich wie äußerlich, niemals nur so tun, als ob", ist ein weiterer Ihrer Gedanken. Was steckt in der Regel hinter Verschleierungstaktiken tatsächlicher Motive? 

Michael Becker:  Meistens Unsicherheit. Oft eine gewisse Unkenntnis, wer man wirklich ist. Manchmal ein Hang, mehr sein zu wollen, als man ist. 

 Helga König
Helga König: Sie schreiben: "Der Mensch, der zu Dir hält, nicht zu Deinen Taten, sondern zu Dir, weil jeder ja mehr ist als seine Taten, dieser Mensch ist kostbar; und selten." Weshalb sind solche Menschen so selten zu finden, weshalb ist allerorten Persönlichkeitsmangel fast der Normalzustand?

Michael Becker:  Menschen haben oft viel Sorge davor, sich zu erkennen – und erkannt zu werden. Viele wissen nicht, was da wohl herauskommt. Außerdem hält man gerne zu den Stärkeren. Es braucht besondere Kräfte und Selbstwert, zu Menschen zu stehen, die einen Fehler gemacht haben oder gar schwere Schuld auf sich geladen haben.

Helga König: "Aus Gründen der Menschlichkeit ist es nicht erlaubt, den Schmerz eines anderen kleinzureden, nur weil man selber den Schmerz nicht hat.". Können Sie diesen, Ihren Gedanken näher ausführen?

  Michael Becker
Foto: Anja Köhne
Michael Becker:  Im Kleinreden liegt oft ein gewisser Hochmut, der sich in Gedanken äußert wie: ‚Das könnte mir nicht passieren!‘ Doch, kann es. Vielleicht nicht deckungsgleich, aber ähnlich. Der Schmerz eines anderen ist immer wirklich. Ihm begegne ich nicht hochmütig, sondern in Demut und Dankbarkeit, verschont zu sein.

Helga König "Wer Leid aus dem Weg geht, weil er Angst hat, wird nicht ruhiger, sondern vermehrt seine Angst." Was können Menschen tun, um Ihren Ängsten ins Gesicht zu schauen? 
  
Michael Becker: Die größte Hilfe ist wohl das kritische Gespräch mit einem Menschen, der mir auch liebevoll meine Ausflüchte nimmt. Und von dem ich weiß, dass er mich nicht verurteilt. 

 Helga König
Helga König: "Ich wünschte, ich könnte jedem, der mir begegnet, ein wenig Hoffnung geben", haben Sie Ihren Lesern auf Twitter kürzlich mitgeteilt. Was bedeutet Ihnen Hoffnung und weshalb möchten Sie diese gerne an alle, die Ihnen begegnen verschenken?

Michael Becker: Ich habe neulich gedacht, ich wäre gerne von Beruf Hoffnungsentdecker. Ich könnte in einer Hütte auf einem belebten Platz sitzen und Menschen einladen: "Kommt, wir entdecken zusammen die Hoffnung!" Ich möchte Hoffnung entdecken, weil sie Sinn verspricht – auch in dem, was gegen meinen Willen geschieht und mir Schmerzen macht. Persönlich glaube ich, dass jeder Menschen fähig ist, in seinem Leben Sinn zu erkennen; auch wenn man sich das Leben einmal ganz anders vorgestellt hatte.

Lieber Michael Becker, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Helga König im Gespräch mit Uwe Prink, Rock- und Bluessänger, Autor, Diplomsozialökonom und Sozialwirt

Der Diplomsozialökonom und Sozialwirt Uwe Prink arbeitet als freiberuflicher Coach und Dozent. Seine musischen Begabungen lebt er seit 40 Jahren als Rock- und Bluessänger auf den Bühnen Nordeutschlands aus. Er veröffentlichte zwei Romane und schreibt an seinem dritten Werk.

Lieber Uwe Prink, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. 

Dazu nun folgende Fragen an Sie:

Helga König: Wie definieren Sie Mitmenschlichkeit?

 Uwe Prink
Foto: Melanie Jost
Uwe Prink: Natürlich fällt mir bei dem Thema schnell der kategorische Imperativ von Kant ein. In der Kurzform "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde." Das wäre eine gute Richtschnur für ein produktives Zusammenleben von Menschengruppen. Aber Mitmenschlichkeit berührt noch tiefere Schichten, die in emphatische Räume führen. Kann ich meinen Nächsten mit seinen Fehlern akzeptieren? Kann ich mir vorstellen, warum er diese Fehler macht, auch wenn es schwere Fehler sind? Wenn man das ins soziale Verhalten gegenüber anderen mit einbezieht und Verständnis dafür haben kann, weil man die Lage oder die psychische Verfasstheit anderer nachvollziehen kann, kommt man der Mitmenschlichkeit näher. Mitmenschlichkeit hat etwas mit der eigenen inneren Verfassung und der jeweiligen Situation zu tun. Wenn man die anderen Menschen als Mitgeschöpfe auf diesem Planeten wahrnimmt, die alle die gleiche Wertigkeit als Mensch haben, fällt mitmenschliches Handeln leichter. Wenn man allerdings selbst gerade in einer Stresssituation steckt und sich dann in Zuschreibungen der jeweiligen Gruppe, aus der andere Menschen stammen, verstrickt, kann man auch mit guter innerer Haltung unmenschlich handeln. Ur-teile trennen. Der Begriff "Definition" klingt für mich bei diesem Thema ein bisschen technisch. Mitmenschliches Handeln beinhaltet die Liebe zum Menschen, Empathie und Verständnis. Ein hehres Ziel, dem ich nicht immer gerecht werde.

 Helga König
Helga König: Was bedeutet Ihnen Fairness?

Uwe Prink: Fairness hängt mit der oben behandelten Mitmenschlichkeit zusammen. Was denke ich über die prinzipielle Gleichberechtigung meiner Mitmenschen? Mit innerlicher Menschenzugewandheit erwerbe ich einen Sinn für Gerechtigkeit, der nirgends verfasst sein muss als im eigenen Inneren. Wenn mir jemand kontrovers gegenüber tritt, sei es persönlich als Mensch oder in sozialen Netzwerken, ist es fair, wenn ich ihn respektvoll behandele, auch wenn er eine andere Meinung hat. Im persönlichen Gespräch ist das einfacher, weil die Körpersprache und der Situationszusammenhang präsent sind. Ich verhalte mich kultiviert und mit mehr Respekt gegenüber anderen, weil ich in der Situation ganz anwesend bin. Es ist mir schon passiert, dass ich in sozialen Netzwerken nahe an der Beleidigung argumentierte, aber nie ausfallend wurde. Als Legitimation nannte ich es die elegante Beleidigung ohne Fäkalsprache, die aber damit noch treffender sein kann, wenn sie kultiviert und gezielt ausgedrückt wird. Es ist für mich auch besser, nicht mit schlechter Laune z. B. zu twittern, weil dann die Emotion die Wortwahl beeinflusst. Ich versuche mich zu bessern, was mir aber angesichts der absurden Entscheidungen unserer Spitzenmanager und der Spitzenpolitiker manchmal schwer fällt, denn in mir schlummert eine streitbare Natur, die sich allerdings durch meine Hinwendung zu spirituellen Themen zunehmend abschwächt. 

Helga König: Sie haben getwittert: "Seit geraumer Zeit sind kulturelle Nivellierer dabei, alles in einer gleichmachenden Gülle zu versenken. Jetzt hat sich eine kleine Gruppe, eine Art Sprachpolizei, daran gemacht, auch noch die Sprache zu nivellieren. Sprache verändert sich durch Entwicklung, nicht durch Diktat." Welche Probleme ergeben sich für Sie dadurch als Sänger und Autor und sehen Sie in besagtem Sprachdiktat einen Akt mangelnder Menschenfreundlichkeit?

 Uwe Prink
Foto: Melanie Jost
Uwe Prink: Sie berühren eines meiner Lieblingsthemen und ich kann nur versuchen, mich so kurz wie möglich zu fassen. Wenn sie heute den Fernseher einschalten sehen sie Brot und Spiele wie immer. Fußball, anderer Sport, Olympia und Quiz-, Rate- und Spielshows. Und, ich nenne es die Krimiseuche. Sie hat immer mehr die Programme befallen. Die Veränderung beim Sport ist eine damit einhergehende überdrehte Gelddruckmaschine, der der sportliche Aspekt abgeht. Die Quiz- und Rateshows beschäftigen sich mit Trivial Pursuit-Wissen, das mit Allgemeinwissen der humanistisch geprägten Art nicht mehr viel gemein hat. Unnützer Ballast fürs Hirn. Die Nachrichtensendungen, auch die öffentlich-rechtlichen, nivellieren durch Framing. Früher gabs dafür einmal den Begriff "Tatort Wort". Wenn ein Staat in das westlich geprägte Raster passt, wird er von einem Präsidenten oder von einem Staatschef geführt. Passt das Regime nicht in das Raster, ist von einem Machthaber die Rede. Es handelt sich um Schubladennachrichten, gleichgeschaltet, die immer mehr den Public-Relations-Charakter annehmen. Zum Thema Polittalkshows kann ich nur ein Zitat von Noam Chomsky erwähnen, das alles erklärt: "Der schlaueste Weg, Menschen passiv und folgsam zu halten, ist, das Spektrum akzeptierter Meinungen strikt zu limitieren, aber innerhalb dieses Spektrums sehr lebhafte Debatten zu erlauben." Und last but not least die Krimis. Z. B. die Tatorte zur besten Sendezeit. Die Handlung wird immer unwichtiger und es herrscht ein Übermaß an Gewaltdarstellungen vor. Und das zieht sich durch die ganze Spielfilmlandschaft. Wie kann man eine Verherrlichung von Gewalt "Unterhaltung" nennen? Ich nenne das Irrsinn. Nun zur Sprachpolizei. Der Dichter Reiner Kunze schreibt: "Sprachgenderismus ist eine aggressive Ideologie." (Passauer Neue Presse, 09.06.2018) Ich würde ihn nicht als aggressiv einstufen, aber ideologischen Charakter hat er schon. Recht hat er, wenn er schreibt "Die Sexualisierung der Sprache durch die Diskreditierung geschlechtsübergreifender Wortbedeutungen hat eine eklatante Verarmung und Bürokratisierung der Sprache, die Denunzierung aller Sprechenden, die sich dagegen verwahren, und eine Einschränkung der Freiheit des Denkens zur Folge." (ebnd.) Im selben Artikel zitiert er: "Man schreibe nie, was man nicht sprechen kann, oder was zu einer Verkrüppelung der gesprochenen Sprache führt (Professx, Stud_entin, Trans*autoren, Akteu-re/innen [gendergerechte Schreibweisen nach Prof. Dr. phil Lann Hornscheidt, geb. Antje Hornscheidt, Humboldt-Universität Berlin]).“ Als Sänger habe ich heute keine Probleme damit, weil ich meist Blues und Balladen in englischer Sprache singe. Als Autor würde ich mich diesem Sprachdiktat nicht beugen, weil durch die Verarmung und Bürokratisierung der Sprache die Poesie zerstört wird. Ich sehe es nicht als einen Akt mangelnder Menschenfreundlichkeit an, sondern als einen Akt undurchdachter, ideologischer Ni-vellierung.

 Helga König
Helga König: Sie haben retweetet: "Es gibt rund 6500 Sprachen auf der Welt. Wissenschaftler befürchten, dass bis zum Jahr 2200 die Sprachvielfalt auf 100 Sprachen geschrumpft sein wird." Worin könnte der Vorteil der babylonischen Sprachentwirrung durch Schrumpfung liegen oder gibt es am Ende gar keinen Vorteil?

Uwe Prink: In einigen Fällen ist es vonnöten, global zu denken und wenn möglich auch zu handeln. Das beste Beispiel dafür ist der Klimawandel. Das ist, und anderes mehr, nur global zu lösen und wichtig für das Überleben der Menschheit. Eine Schrumpfung der Sprachen hat allerdings kulturell gesehen keinen Vorteil. Für die Wissenschaft, die Wirtschaft und die Politik kann es ein Vorteil sein, wenn z. B. in der englischen Sprache kommuniziert wird. Aber kulturell betrachtet stellt die Schrumpfung eine Verarmung dar. Wenn eine Sprache ausstirbt, dann verschwindet damit für diejenigen, die sie sprachen, ein Stück ihrer Kultur. Die feinen Nuancen verschwinden manchmal bei Übersetzungen und damit auch das spezifische Element des Denkens und Fühlens der Menschen, die sie sprachen. Obwohl nach neueren Erkenntnissen die Schotten mehr Wörter für Schnee haben als die Inuit, nehme ich sie lieber als Beispiel, weil eher diese Sprache als das schottische Englisch verschwindet. Ich möchte wissen, wie ca. 400 Wörter für Schnee ins Arabische übersetzt werden. Auch das Verständnis der Wissenschaft, die alte Kulturen untersuchen soll, um das Wissen über sie für die Nachwelt zu erhalten, würde darunter zu leiden haben. Fazit für mich: Kein Vorteil. 

Helga König: Sie schreiben auf Twitter: "Jeder Mensch trägt das kollektive Gedächtnis der Gewalt in sich, die sich die Menschen gegenseitig in den letzten Jhrtsd. angetan haben. E. Tolle nennt das d. Schmerzkörper. Dieser wird tägl. vermehrt, wie man in den Medien sehen kann. Man muss dem d. Resonanzfläche entziehen.“ Was empfiehlt der Menschenfreund als Alternative?“ 

 Uwe Prink
Foto: Melanie Jost
Uwe Prink: Danke für das Kompliment. Es ist zu hoch gegriffen. Wenn schon bemühe ich mich dahin auf dem Wege zu sein. Seit ich mich mit spirituellen Themen näher beschäftige, hat mich diese Erkenntnis von E. Tolle besonders beeindruckt. Ist es doch eine Erklärung dafür, was dort draußen in der Welt des Irrsinns vor sich geht. Die Gewalt scheint wieder einen Kulminationspunkt zu erreichen. Wie oben schon erwähnt, nimmt die Gewalt wieder zu. Sei es in der realen Welt der Kriege und Konflikte oder ebenso in den Medien als Darstellung. Was ich empfehle, habe ich im tweet schon benannt. "Die Resonanzfläche entziehen" bedeutet, dem eigenen Inneren, dem Denken und der Seele keinen Raum für diese Gewalt geben. Früher habe ich das gemacht, mich aufgeregt und die Gewalt angeprangert, wo ich nur konnte. Aber das vergrößert den eigenen Schmerzkörper und damit das eigene Leid, das man dann wieder in die Welt projiziert. So schaukelt sich das ganze hoch. Da ich ein politischer Mensch bin, habe ich mir angewöhnt die Realität zwar anzuschauen, um zu wissen was in der Welt vor sich geht, aber es nicht mehr zu verinnerlichen. Das fällt mir leichter, seitdem ich mich mit Spiritualität befasse, weil es dadurch klarer wird, woher diese Gewalt kommt. Wichtig ist es auch, Ereignisse nicht zu vorschnell einzuschätzen, zu urteilen. Die Urteilung führt zur Spaltung und damit zu mehr Gewalt. 

 Helga König
Helga König: Auch dies ist ein Tweet von Ihnen: "Jeder Mensch glaubt - an das Absolute. Der Monotheist glaubt an den einzigen, absoluten Gott. Der Atheist/Materialist glaubt an die absolute Materie. Der Theist glaubt an das absolute Bewusstsein (Gott). Wichtig ist, dass man an das glaubt, was einem gut tut.“ Toleranz in Glaubensangelegenheiten: Wie könnte man diese weltweit auf den Weg bringen? 

Uwe Prink: Das ist wohl die schwierigste Frage überhaupt. Das Glaubensspektrum auf diesem Planeten ist so breit gefächert und die Gesellschaften sind soziologisch auf verschiedenen Zivilisationsstufen. Ein Anhänger einer Naturreligion kann einen Monotheisten ebenso wenig verstehen wie ein Polytheist. Da der Kern aller Religionen, nämlich der Friede auf Erden, von den Regierenden für Herrschaftszwecke ausgelegt, also instrumentalisiert wird, und dadurch die Menschen mithilfe der Religionen aufeinander gehetzt werden, kann man die Toleranz nicht weltweit auf den Weg bringen. Das einzige was ich als Einzelner machen kann ist, zu versuchen ein gottzugewandtes Leben zu führen und das auf meine Umwelt auszustrahlen. Man soll das allerdings nicht mit Mission verwechseln. Ich glaube an den Urgrund des Bewusstseins, des Allgeistes, man kann auch Gott sagen, der individuell, also unteilbar, absolut, im Sinne von unabhängig und zielgerichtet ist. Ohne Bewusstsein gibt es nichts. Es formiert und informiert die Energie zu den materiellen Formen, vom Kosmos bis ins kleinste Teilchen. Gottzugewandt bedeutet für mich, der natürlichen kosmischen Ordnung gemäß zu leben und in der Polarität hin- und herzuschwingen, ohne sie zu verlassen. Alle anderen sollen glauben und denken, was sie wollen und was ihnen gut tut. Denn wenn es ihnen wahrhaftig innerlich gut tut, werden sie auch nicht aggressiv gegenüber anderen sein.

Helga König: Retweetet haben Sie: "Wenn Menschen, die zum bloßen Vergnügen in weit entfernte Länder fliegen, von anderen, die sich das nicht leisten können, verlangen, nicht mehr mit ihrem "alten Diesel" zur Arbeit zu fahren, haben wir v.a. eines: ein soziales Problem. Und das birgt gesellschaftl. "Sprengstoff". Der Klimawandel macht erforderlich, dass alle an einem Strang in die gleiche Rich-tung ziehen. Wie ist dies nach Ihrer Meinung zu bewerkstelligen, ohne Maßnahmen zur Veränderung politisch diktiert zu bekommen? 

 Uwe Prink
Foto: Melanie Jost
Uwe Prink: Bewusstsein hat mit Bildung zu tun. Und wenn man nicht politisch diktieren möchte, müssen die Menschen für praktische Veränderungen ein Bewusstsein für die Umwelt entwickeln. Ein Bewusstsein zu entwickeln hat aber etwas damit zu tun, ob man sich dieses Bewusstsein auch leisten kann. Und da sind wir bei der sozialen Frage. Und die hat etwas mit Bildung zu tun. Ohne Politik in Richtung zu mehr Chancengleichheit, sozialem Ausgleich, sozialer Teilhabe und damit zu mehr Bildung, erreichen wir nicht viel in Richtung Klimawandel. Die Volksparteien sind im Ideal dazu da, der Gesellschaft aller ihrer Mitglieder zu dienen. Zumindest geben sie das vollmundig vor. Aber das ist heute nicht der Fall. Die neoliberale Wirtschaftspolitik hält sich immer noch im Märchenland des ewigen Wachstums auf und schafft damit das Gegenteil vom Klimawandel. Wie soll man den Menschen klar machen, das sie ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern sollen, wenn die Wirtschaft statt auf Nachhaltigkeit zu setzen, alles, gedeckt von der Regierung, tun darf, was diese perverse Wachstumslogik fördert. Und damit habe ich nur von Deutschland gesprochen. Man kann den Indern und den Chinesen nicht verbieten, genau so einen Lebensstandard wie wir ihn haben, anzustreben. Und wir alle haben Afrika seit Jahrzehnten vergessen. Erst durch die Flüchtlingswellen wurden wir daran erinnert, das es dort unten noch einen riesigen, bevölkerungsreichen Erdteil gibt. In meinen Augen sind solche Veranstaltungen wie der UN-Klimagipfel Placebos. Allein das die größte Volkswirtschaft der Welt salopp ausgedrückt sagt: "Is’ uns doch egal!" Die Jugend dieser Welt ist nicht umsonst auf den Straßen. Sie fürchtet um ihre Zukunft und hat noch die Ideale, die die Gierhälse in den Vorstandsetagen, die Lobbyisten und die Spitzenpolitiker längst hinter sich gelassen haben. Sie handeln nach dem Motto: Nach uns die Sintflut. Für diese Frage habe ich keine Vorschläge, geschweige denn Antworten. 

 Helga König
Helga König: Sie haben getwittert:"Wir sind ewig, wir sind bewusst und wir haben einen freien Willen." Wie kann ein bewusster Mensch, feindlich und niederträchtig gegenüber seinen Mitmenschen handeln, wo er doch weiß, dass wir alle aufeinander angewiesen sind? 

Uwe Prink: Das Urbewusstsein, das Allganze oder eben Gott, aus dem alles, was existiert, emanierte, ist ewig, ist bewusst und hat einen freien Willen. Wir sind Teile dessen mit den gleichen Eigenschaften. Wie die Strahlen mit der Sonne verbunden sind, so sind wir aus dem Vordergrund der relativen, abhängigen Welt mit dem Hintergrund der absoluten, unabhängigen Welt verbunden. Menschen die niederträchtig und feindlich handeln, haben sich von dem natürlichen Bewusstsein abgewandt. Religiös ausgedrückt könnte man sagen: "Sie sind gottlos." Sie verstecken ihr negatives Handeln hinter falschen Ideologien, um es zu legitimieren. Begriffe fallen wie: "gut und böse" sind relative Kategorien, eben menschengemacht. Diese Erfahrungen gehören zum menschlichen Dasein. Wir müssen vernünftig handeln. Und wenn ein Krieg einen größeren Krieg verhindern kann, ist er alternativlos.“ In der Wirtschaftskrise heißt es "too big to fail" und legitimiert durch die neoliberale Wirtschaftsideologie, werden die Verluste nach finanziellen Desastern (2008) sozialisiert. Der Steuerzahler muss dafür aufkommen, weil wir alle sonst untergehen. Aber Gewinne werden andererseits privatisiert. Leute, die so handeln haben alles andere im Sinn, aber nicht das wir alle aufeinander angewiesen sind. Elitäre Erziehung setzt nicht auf Zusammenhalt, sondern auf Abgrenzung. Der Charme am Glauben an den freien Willen liegt darin, dass jeder sich in jeder Situation dafür entscheiden muss, ob er gottzugewandt oder gottabgewandt verhält. Damit haben wir alle Verantwortung, die wir nicht, wie in anderen Glaubenskonstrukten oder Ideologien, an andere delegieren, abgeben können. Nein, WIR sind verantwortlich für unser Denken und vor allem dem daraus resultierenden Handeln. 

Helga König: Eckart Tolle schreibt: "Die Verschmutzung des Planeten ist nur die Spiegelung im Außen von einer psychischen Verschmutzung im Inneren, ein Spiegel für die Millionen von unbewussten Menschen, die keine Verantwortung für ihren inneren Raum übernehmen." Wie sehen Sie dies? 

 Uwe Prink
Foto: Melanie Jost
Uwe Prink: Mit der Beantwortung dieser Frage verweise ich auf die Antwort zu Frage Nr. 8. Auch Frage Nr. 7 beantwortet in Teilen dieses Thema. Die Schlüsselbegriffe dazu sind Macht, Chancengleichheit und Bildung. Millionen von Menschen wird die Verantwortung für ihren inneren Raum aus Machtinteressen durch falsche Religionsauslegungen und Ideologien abgenommen. Und Millionen von Menschen wissen nicht einmal, dass es in ihnen einen inneren Raum gibt. Der Planet ist ebenso ein Organismus der vernetzten Welt wie auch die Lebewesen, die ihn bevölkern. Und wenn der Schmutz überhand nimmt, dann lässt er sich das nicht länger bieten. Das mögen auch diejenigen, die über Bildung verfügen und denen es gut geht, nicht gern wissen, weil es unbequem ist. 

 Helga König
Helga König: Friedrich Nietzsche soll gesagt haben: "Wer sich tief weiß, bemüht sich um Klarheit; wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich um Dunkelheit." Was meinen Sie dazu? 

Uwe Prink:  Ich erweitere das Zitat um diesen Satz: . . . "Denn die Menge hält Alles für tief, dessen Grund sie nicht sehen kann: sie ist so furchtsam und geht so ungern in's Wasser." Ich würde es folgendermaßen auslegen: Wer redlich bemüht in sein Inneres schaut und dort eine Erklärung für sein Dasein findet, unabhängig von jeglichen falschen Lehren, der hat es nicht nötig, der Menge tief zu scheinen. Er ist nicht auf diesen Zuspruch angewiesen, weil ihm klar ist, dass das nur eitel ist. Derjenige, der die Menge verführen möchte, der sie in irgendetwas, was ihm von Nutzen ist, hineinmanipulieren möchte, bemüht sich um Dunkelheit, damit die Lüge nicht sichtbar wird. Nietzsche sprach vom Übermenschen, den ich als Bindeglied zum göttlichen Bewusstsein sehe und nicht, wie in der falschen Auslegung als Herrscher über andere, weil er "über" ihnen steht. Der Übermensch möchte weder über andere herrschen noch beherrscht werden. Er braucht diese Bestätigung nicht mehr, weil er schon einen Schritt weiter ist, nämlich einen Bewusstseinsschritt. Die Furchtsamkeit der Menge hat mit Angst zu tun. Angst gehört zum menschlichen Dasein. Die Meisten fürchten den Blick ins Innere, weil sie Angst davor haben, was da zum Vorschein kommt. Es ist die Angst vor dem Unbekannten, vor möglichen "Leichen im Keller". Die lassen sie lieber schlummern. Diese Leute sind dann leichte Opfer für Bauernfänger mit falschen Lehren.

Lieber Uwe Prink, ich  danke Ihnen ganz herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Anbei der Link zur Homepage von Uwe Prink:http://www.uwe-prink.de/

Helga König im Gespräch mit dem Diplom-Psychologen Franz Schwald

Der fast 90 jährige Diplom-Psychologe Franz Schwald ist in den sozialen Netzwerken sehr aktiv und beeindruckt durch seine zahlreichen dem Christentum verpflichteten Posts, die für mehr Mitmenschlichkeit werben. Franz Schwald ist Autor mehrerer Bücher und schreibt Essays, Gedichte, Kurzgeschichten, sowie Sentenzen auf seinem Blog. 

Lieber Franz Schwald, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie: 

Helga König: Was sind in Ihren Augen die Hauptmerkmale von Mitmenschlichkeit? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Mitmenschlichkeit äußert sich für mich in der Bereitschaft, einander das geschenkte Leben mit seinen Chancen und Grenzen, in allen Belangen des Lebens, Handelns, Glaubens, Hoffens und Liebens zu gönnen und zu schützen. Sie ist eine erworbene Haltung, Freud und Leid miteinander zu teilen, und die dem individuellen und gesellschaftlichen Leben dienenden Werte zu pflegen. 

 Helga König
Helga König: Welche Bedeutung hat Fairness in Ihrem Leben? 

Franz Schwald: In der Fairness erwarten wir, dass beim Geben und Nehmen in den menschlichen Beziehungen, die goldene Regel der Achtung und Wertschätzung unterschiedlicher Meinungen und Beiträge beachtet werden. Sie dient dem notwendigen Interessenausgleich in den menschlichen Interaktionen, und schützt das Selbstbewusstsein und die Identität vor Übergriffen. 

Helga König: Sie haben am 4.3. 2019 nachstehenden Tweet gepostet, den ich retweetet habe: "#Staunen wir nicht nur über die #Technik und das mediale #Netzwerk sondern in einer ruhigen Minute auch über unser #Gedächtnis das uns Informationen über #Erfahrungen aus unserem ganzen #Leben zur Verfügung stellt. Deo gratias." 

Was können wir Menschen tun, damit unsere negativen Erfahrungen uns nicht zu Eigenbrötlern werden lassen? 

  Franz Schwald
Franz Schwald: Im Staunen zeigt sich die menschliche Fähigkeit, die vielfältigen Leistungen in Wissenschaft und Technik zu würdigen, und dankbar zu sein, für die kulturellen Leistungen in Kunst, Musik, Literatur, und die Gaben der Natur im Mikro-und Makrokosmus unseres Universums. Nicht weniger staunenswert sind die kognitiven Fähigkeiten unseres Gedächtnisses, mit deren Hilfe wir unsere Lebenserfahrungen und die Ereignisse in unserer komplexen Umwelt analysieren, um mit Anpassung oder Veränderungen zu reagieren. Mit Humor, Lebenslust und Neugier lassen sich altersbedingte Grenzen als Herausforderung zur Problemlösung verstehen, um eigenbrötlerischen Rückzug zu meiden. 

 Helga König
Helga König: In den sozialen Netzwerken lernen Menschen sich auf vielfältige Art allem Fremden gegenüber zu öffnen. Ist das ein Weg, der zu mehr Toleranz führen könnte? 

Franz Schwald: Die heutigen medialen Techniken und das soziale Netzwerk, lassen sich als ein weltweites Medium zur Kommunikation und Information über Interessen nutzen. Sie sind geeignet, Isolation zu überwinden und den gesellschaftlichen Kontakt und Gedankenaustausch zu pflegen. Seit Jahren bemühe ich mich als älterer Brückenbauer in den Medien(linkedin, pinterest, twitter, youtube, facebook) auch um den Kontakt mit jüngeren Menschen. Bei aller Offenheit für neue Erkenntnisse und das Fremde, ist mir aber wichtig, auch die eigenen Lebens- und Glaubenserfahrungen zu bezeugen. 

Helga König: Was vor allem ist notwendig, um Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen? 

  Franz Schwald
Franz Schwald: Um Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen, ist nicht nur das Trennende, sondern auch das Gemeinsame in unserem Dasein zu beachten. Wahrhaftigkeit, die personale Würde, der Respekt vor anderen Meinungen, und das Schicksal von Geburt bis zum Tod in einer Welt zu wohnen, die uns als Aufgabe anvertraut ist, sind die tragenden Pfeiler. 

 Helga König
Helga König: Sie schreiben "Treue, Liebe, Freude und Wahrheit mögen sich." Hat Freudlosigkeit Ihrer Meinung Ihren Ursprung in einem Mangel all des anderen, was Sie hier genannt haben? 

Franz Schwald: Ich glaube, dass wir Menschen ein Gespür dafür haben, in unserem Verhalten Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Seit ich das ökonomische Interesse an Veröffentlichungen und Befürchtungen wegen des Urheberschutzes abbauen konnte, schreibe ich nur noch über das, was nach meiner Überzeugung den Menschen heute und unseren Nachkommen dient. Die damit verbundene Freude hat etwas mit gelebter Wahrheit, Treue zu den Grundwerten des Daseins, und der Liebe zu allen Lebewesen zu tun. Möge es daran nie mangeln. 

Helga König: Was kann der Einzelne Ihrer Meinung nach tun, damit unsere Welt friedlicher wird? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Natürlich wünsche ich mit sehr, dass die Welt, in der wir leben friedlicher wird. Ich kann heute altersbedingt nicht mehr so gut gehen, um mich an Protestmärschen oder in der Politik aktiv zu beteiligen. Mit Gottes Hilfe habe ich aber einen Weg gefunden, den Hass und das Böse in allen Formen zu meiden, und mit meinem Leben, dem sicheren Tod, in der Hoffnung auf ewiges Leben zufrieden zu sein. Wo und wie immer ich kann, trete ich aber mit meinen Fähigkeiten für Frieden, Gerechtigkeit, Wahrheit, und Mitmenschlichkeit ein. 

Helga König
Helga König: Sie posten immer auch Links zu Ihren Gedichten. Was erhoffen Sie durch Ihre Gedichte bewirken zu können? 

Franz Schwald: In meinen Gedichten gebe ich der Intuition und Lust am kreativen Gestalten Raum. Ich feiere darin das Leben so wie es sich uns in seiner Schönheit zeigt. Es sind alles Texte, in denen sich das Staunen über die geheimnisvolle, nicht minder so reale Seite des menschlichen Daseins, in der Frage, warum gibt es das alles und nicht nichts, andächtig und dankbar ausdrückt. 

Helga König: Sie haben in einem Ihrer Tweets das Buch "Zeit der Zauberer" erwähnt. Was beeindruckt sie an den von Ihnen in Ihrem Post genannten Philosophen? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Ich schließe mich nach der Lektüre des Buches "Zeit der Zauberer" der Auffassung von Rüdiger Safranski an, dass es sich bei Heidegger, Wittgenstein, Benjamin und Cassirer um vier Lebensentwürfe mit Antworten auf die Frage handelt: Was ist der Mensch? Ich habe mich in meinen Studien mit Heidegger und Wittgenstein beschäftigt, und die anderen "Zauberer", neugierig geworden, durch dieses Buch näher kennen gelernt. Bei der Empfehlung zur Lektüre dieser Arbeit habe ich an philosophisch interessierte Leser gedacht. 

Helga König: Worauf kommt es Ihrer Meinung nach im täglichen Miteinander an? 

Franz Schwald: Der Volksmund sagt: Lügen haben kurze Beine. Wenn wir uns der Tatsache bewusst sind, als Menschen im gleichen Boot zu sitzen, und genötigt sind, das uns geschenkte Leben zu verwalten, dann sollten wir es in Freud und Leid teilen und, Gott dankend, einander in Glaube Hoffnung und Liebe treu begleiten.

Lieber Franz Schwald, ich danke Ihnen herzlichst für das  aufschlussreiche Gespräch.

Herzlichst Helga König

Anbei der Link zur Website  von Franz Schwald:  http://www.franz-schwald.de/

Helga König im Gespräch mit Dirk Römer. Gründer des Netzwerks #BOND_OF_RESPONSIBILITY®

#Dirk_Römer, der Inhaber der #Lederwarenmanufaktur #HANFORD_&_RÖMER®, hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit seiner Frau Silke das Netzwerk #BOND_OF_RESPONSIBILITY® ins Leben gerufen. Über ihre Plattform finden Menschen und Unternehmen zueinander, die neben dem Netzwerkgedanken dieselben Wertvorstellungen teilen und sich gesellschaftlich engagieren. 

Lieber Dirk Römer, es freut mich dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie: 

Helga König: Was bedeutet für Sie Mitmenschlichkeit? 

 Dirk Römer
Dirk Römer: Mitmenschlichkeit ist wohl einer der wichtigsten Elemente im Zusammenleben von Menschen. Der Mensch ist für das Leben in der Gruppe geboren. Wir brauchen gegenseitigen Austausch und Unterstützung.

Helga König: Was genau ist BOND OF RESPONSIBILITY® und was ist der Netzwerkgedanken, der dahinter steht? 

Dirk Römer: Bond of Responsibility ist ein Netzwerk von Menschen und Unternehmen, die sich gesellschaftlich engagieren. Es gibt diverse Themen, die uns als Gesellschaft fordern, wie z. B. Kinder- und Altersarmut, Bildung und Integration. Diesen Themen widmen wir uns als Gemeinschaft, denn in einem Netzwerk mit unterschiedlichsten Menschen, können wir mehr bewegen. 

 Helga König
Helga König: Können Sie unseren Lesern näher erläutern, welche Wertevorstellungen es sind, die Sie mit den Menschen auf Ihrer Plattform teilen?

Dirk Römer: Uns allen ist es wichtig, sich zu engagieren und nicht darauf zu warten, dass sich etwas von alleine verändert. Werte, wie Mitmenschlichkeit, Empathie, Verantwortung für unser Handeln in der Gesellschaft, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Menschen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht und Ihnen eine Chance zu geben, sind unser Antrieb. Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit ist besonders sinnstiftend. 

Helga König: Was gibt es Näheres zum "PETIT HOPE Symbol Anhänger" zu berichten, der offenbar das Erkennungszeichen der Mitglieder von BOND OF RESPONSIBILITY® darstellt?

Dirk Römer: Es ist die Verbindung von nachhaltigem Wirtschaften mit unserer Manufaktur HANFORD & RÖMER® und der Übernahme sozialer Verantwortung als Grundbedürfnis, die unser "Petit Hope" symbolisiert. Von #Silke_Hanford entwickelt, aus deutschem Bullenleder in unserer Manufaktur von Hand in Deutschland gefertigt, steht er als Symbol unserer Wertegemeinschaft und selbstverständlich gehen von ihm 20% an persönlich ausgesuchte soziale Projekte. 

Helga König: Ist Ihr gesellschaftliches Engagement Ausdruck einer entsprechenden Erziehung in Ihrem Elternhaus oder wodurch sonst wurde es angeregt? 

 Dirk Römer
Dirk Römer: Als Unternehmer in 4. Generation ist mein Thema Verantwortung sicherlich schon in die Wiege gelegt worden. Hinzu kommt, dass ich als Wassermann sehr für das Thema Gerechtigkeit brenne. Des Weiteren bin ich der Meinung, dass wir als Gesellschaft in der Hand haben etwas zu bewirken und ich habe mir mit BOND OF RESPONSIBILITY meinen Herzenswunsch erfüllt, gesellschaftliches Engagement in einer Wertegemeinschaft anzuschieben. 

Helga König: Könnten Sie sich vorstellen, dass BOND OF RESPONSIBILITY® zukünftig im Netz über Kinderarmut ganz konkret informiert? 

Dirk Römer: Wir werden alle gesellschaftlich relevanten Themen ansprechen. Hierzu gehört natürlich auch Kinderarmut, welche unbedingt mit dem Thema Bildung zusammenhängt. Mit dem "Kinder – Collage" in Karlsruhe, welches sich um Hochbegabung auch an Kinder aus sozial Schwachen Verhältnissen richtet, unterstützen wir z.B. das Thema Bildung. Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Projekten. 

 Helga König
Helga König: Sie haben mehr als 1000 Freunde auf Facebook und Ihrer Community BOND OF RESPONSIBILITY® gehören auch schon 547 Personen an. Wie gleichen sie die Wertevorstellungen neu auf sie zukommender Mitglieder mit Ihren eigenen ab? 

Dirk Römer: Ich führe grundsätzlich mit jedem Interessenten ein persönliches Gespräch und lote damit unsere Gemeinsamkeiten und Werte aus. Sollte dies nicht zusammen passen, kann man auch nicht Mitglied im BoR werden. Wir benötigen Mitstreiter, die sich engagieren wollen und nicht ihren persönlichen Profit an erster Stelle sehen. Gesellschaft benötigt Gemeinschaft und keinen Egoismus.

Helga König: Welches soziale Projekt von BOND OF RESPONSIBILITY® liegt Ihnen besonders am Herzen und weshalb?

Dirk Römer: Mir liegen alle unsere Projekte am Herzen, da diese alle eine gesellschaftliche Relevanz haben. Daher kann und möchte ich kein Projekt besonders hervorheben. Mir geht es um das Große-Ganze und ich möchte mit BoR die Menschen motivieren sich zu engagieren.  

Helga König: Ihr Interesse liegt auch darin, gesellschaftlichen Wandel zu unterschützen. Was ist hier Ihr Hauptanliegen? 

Dirk Römer: Wir sind alle für unser Handeln verantwortlich. Der Egoismus und Turbokapitalismus hat erhebliche Verwerfungen und Ungleichheit geschaffen. Empathie scheint abhanden gekommen zu sein. Der Druck von außen ist extrem hoch, es wird immer mehr versucht zu spalten. Wir müssen dafür sorgen, die Schwächeren nicht zurück zu lassen. Dies erhält den sozialen Frieden. In einer Gemeinschaft, wie BOND OF RESPONSIBILITY® ist es allen möglich, Ihr Engagement zu zeigen und durch Mitwirken etwas zu bewirken, was sich als Einzelner nur schwer schaffen lässt. 

Helga König: Sie haben eine Reihe von Partnern und Freunden, denen das Wohl von Kindern besonders am Herzen liegt. Wie erklären Sie sich die viel beklagte Empathielosigkeit in unserer Gesellschaft Kindern gegenüber? 

 Dirk Römer
Dirk Römer: Kinder sind unsere Zukunft und ich sehe es als unsere Pflicht als Gesellschaft unseren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen. Sei es durch Bildung, Umweltschutz und Unterstützung jeglicher Art. Wir müssen als Gesellschaft positiv Vordenken und Handeln, denn das Leben ist keine Einbahnstraße. Erst profitieren die jungen von den Alten, dann profitieren die Alten von den Jungen. Wir brauchen uns alle zu jeder Zeit! Zusammenhalt macht eine gute Gesellschaft aus. Denjenigen, dem es gut geht, sehe ich in der Pflicht, sich zu engagieren. Oder anders gesagt, selbst anpacken und handlungsfähig sein, macht glücklich.

Lieber Dirk Römer, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche  Gespräch.
Ihre Helga König

Hier der Link zu: www.bond-of-responsibility.de

Helga König im Gespräch mit #Margarete_Bause, MdB, Sprecherin für #Menschenrechte und #humanitäre_Hilfe der Grünen Bundestagsfraktion.

Die Diplomsoziologin #Margarete_Bause (Trägerin der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber und Gold)  ist seit  dem 24. 9. 2017  Abgeordnete im Deutschen  Bundestag  für  die Partei  #Bündnis 90/Die Grünen.

Frau Bause zog erstmals 1986 für Die Grünen in den Bayerischen Landtag ein und war vor deren Wiedereinzug 2003  bis 2017 Fraktionsvorsitzende der Grünen Fraktion Bayern. Seit sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag ist, ist sie Sprecherin für #Menschenrechte und #humanitäre_Hilfe der Grünen Bundestagsfraktion.

Liebe #Margarete_Bause, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie:

Helga König:  Was bedeutet Ihnen Mitmenschlichkeit?

 Margarete Bause
Margarete Bause: Mitmenschlichkeit bedeutet für mich, jeden Menschen in seiner Würde wahrzunehmen und zu achten; ihn als Menschen zu sehen, zu begreifen, zu behandeln. Mitmenschlichkeit bedeutet Humanität, Empathie, Respekt.

Helga König: Wie sollte sich Fairness gegenüber politisch Andersdenkenden äußern?

Margarete Bause: Auch der Austausch mit politisch Andersdenkenden sollte von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Streit in der Sache ist wichtig, gerne auch leidenschaftlich, engagiert, emotional. Das ist die Grundlage einer lebendigen Demokratie. Persönliche Verunglimpfung, Beleidigung oder gar Beschimpfung oder Bedrohung, haben für mich in der politischen Auseinandersetzung nichts zu suchen.

 Helga König
Helga König: Fühlen Sie sich als Sprecherin für Menschenrechte bei den Grünen dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau verbunden und falls ja, weshalb?

Margarete Bause: Jean-Jacques Rousseau vertritt im Gegensatz zu beispielsweise Thomas Hobbes die Auffassung, dass Menschen im Naturzustand grundsätzlich gut sind. Dazu passt der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen." Diesem fühle ich mich selbstverständlich verbunden, ebenso Rousseaus Bild des mündigen Bürgers, der sich freiwillig dem idealen Gemeinschaftswillen unterwirft.

Helga König: Sie schreiben, dass weltweit noch immer 40 Millionen Menschen von Sklaverei betroffen sind. Davon 70% Frauen. Als Beispiel nennen Sie Zwangsprostitution. Welche Maßnahmen könnte man seitens der Weltgemeinschaft politisch ergreifen, um diesen Zustand zu ändern?

 Margarete Bause
Margarete Bause: Mit zunehmenden globalen Krisen steigt die Gefahr des Menschenhandels. Opfer von Menschenhandel müssen einen Anspruch auf aufenthaltsrechtlichen Schutz bekommen. Mit der – von Deutschland leider um mehrere Jahre verspäteten – Ratifizierung der Istanbul-Konvention im Februar 2018, einem Meilenstein im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt, wurde bekräftigt, dass Schutz und Hilfe für Opfer ein Menschenrecht und staatliche Verpflichtung sind. Deswegen müssen nun weitere Schritte folgen: die sichere Finanzierung von Frauenhäusern, qualifizierte Notfallversorgung sowie gut geschulte Staatsanwaltschaften und Polizei. Außerdem können wir alle als Einzelne etwas dazu beitragen, die Dinge zum Guten zu verändern: indem Gewalt benannt und so das öffentliche Bewusstsein für die Existenz von Menschenhandel gestärkt wird.

 Helga König
Helga König: Sie haben auf Twitter am 23. November 2018 ein Foto gepostet, das Sie mit syrischen Frauen zeigt. Das Foto haben Sie wie folgt kommentiert: "Bewegender Austausch mit mutigen syrischen Frauen der Initiative #FamiliesforFreedom. Sie verlangen Aufklärung, was mit ihren Männern, Vätern, Söhnen geschehen ist, ob sie noch leben oder in den Folterkellern Assads ermordet wurden.“ Können Sie unseren Lesern Näheres zur Initiative #FamiliesforFreedom berichten? 

Margarete Bause: Der Mut dieser Frauen beeindruckt mich zutiefst. Sie wollen wissen, was mit ihren verschwundenen Ehemännern, Vätern, Söhnen oder Töchtern passiert ist. Ihre Angehörigen wurden von den Schergen des syrischen Machthabers Assad verhaftet, weil sie an Demonstrationen teilnahmen oder vielleicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Tausende sind verschwunden, stecken in Folterkellern, viele sind vermutlich bereits seit langem tot. Deutschland und andere Staaten – so das Anliegen der Frauen von "Families for Freedom" – sollen sich dafür einsetzen, dass Licht in diese Fälle kommt, dass der Druck auf das Assad-Regime erhöht wird und vor allem, dass es keine Straflosigkeit für schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit geben darf. In diesem Kampf möchte ich diese couragierten Frauen unterstützen. 

Helga König:. Ca. 1 Million Menschen sind in #Xinjiang willkürlich in Internierungslagern eingesperrt, erfährt man in einem Post der Grünen. Was bedeutet dies konkret für diese Menschen? 


 Margarete Bause
Margarete Bause: Menschen, die in Xinjiang in Internierungslagern inhaftiert sind, sind vollkommen willkürlich, ohne Haftbefehl, Gerichtsverfahren oder Kontakt zu einem Rechtsanwalt in diese Lager gebracht worden. Kinder werden von ihren Familien getrennt und in speziellen Heimen einer Gehirnwäsche unterzogen. In einem Bericht stellen die Vereinten Nationen fest, dass Xinjiang (oder Ostturkestan) im Nordwesten Chinas ein Gebiet der Rechtlosigkeit ist: Mittels modernster Technologien werden Menschen total überwacht, es ist ihnen verboten zu beten, ihre Moscheen werden abgerissen. Mit diesen Maßnahmen verfolgt die chinesische Regierung das Ziel, die Identität und Kultur der muslimischen Minderheiten auszulöschen. Deutschland und die internationale Gemeinschaft müssen handeln und alle Möglichkeiten nutzen, damit diese Lager geschlossen werden und die Verbrechen aufgeklärt werden. Außerdem muss für unabhängige Beobachter der Zugang in die Region sichergestellt und Geflüchteten hier in Deutschland Schutz und Asyl gewährleistet werden.

 Helga König
Helga König: Was unternimmt eine engagierte Menschenrechtlerin gegen die rassistische Hetze der Neonationalisten hierzulande? 

Margarete Bause: Das Wichtigste zuerst: Nicht einschüchtern lassen! Gerade online erliegt man schnell dem Gefühl, dass rassistische Hetzer in unserem Land die Oberhand haben. Dass dies falsch ist, zeigen Initiativen wie #ichbinhier, zivilgesellschaftliche Demonstrationen wie #unteilbar und nicht zuletzt die vielen ehrenamtlichen Helfer*innen in der Arbeit mit Geflüchteten. Mehr als jede*r zweite Bundesbürger*in hat sich in den vergangenen Jahren in der Geflüchtetenhilfe engagiert - fast jede*r Fünfte tut es auch heute noch. Dieses unglaubliche Engagement sollte man sich viel häufiger vor Augen führen. Ansonsten kämpfen engagierte Menschenrechtler*innen mit Fakten gegen Vorurteile; sie mischen sich ein, knüpfen Bündnisse, bilden sich und andere und verlieren auch in hitzigen Debatten nie den menschenrechtlichen Kompass, um nur ein paar Beispiele zu nennen. 

Helga König: Wo endet ihrer Meinung nach die in den Menschenrechten garantierte Religionsfreiheit?

 Margarete Bause
Margarete Bause: Das Recht jedes Menschen auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit muss gewährleistet werden – in Deutschland und weltweit. Religionsfreiheit ist ebenso elementar wie andere Grundrechte. Ob Bibel oder Koran, es gilt: Keine heilige Schrift steht über unserem Grundgesetz! Das bedeutet auch ein Nein zu Fundamentalismus, und ein Ja zum Schutz von Religion und vor Religion. Nur wenn wir das Recht auf Glaubensfreiheit aller Menschen schätzen und schützen, können wir Brücken bauen und den Dialog zur Stärkung der Menschenrechte wirksam vertiefen. 

 Helga König
Helga König: Wo endet Ihrer Meinung nach die Meinungsfreiheit im Netz? 

Margarete Bause: Ganz wie im analogen Leben: wenn unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit Straftaten begangen werden. Wer andere Menschen beleidigt, verleumdet, zu Straftaten aufruft oder volksverhetzende Inhalte verbreitet, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden.

Helga König: Wie könnte man sinnstiftend für die Allgemeinen Menschenrechte in den sozialen Netzwerken werben? 

 Margarete Bause
Margarete Bause: Menschenrechte sind nicht nur etwas, das in UN-Deklarationen niedergeschrieben ist, sondern sie finden in unserem Alltag statt. Sei es, wenn meine Nachbarin rassistisch beleidigt oder bedroht wird oder wenn Menschen in Pflegeheimen vernachlässigt werden. Gerade auch auf Social Media kann man auf solche Missstände hinweisen oder gute Beispiele bekannt machen. Wichtig ist auch, dem Hass im Netz entgegenzutreten und die Angegriffenen zu unterstützen. Auch für internationale Petitionen und die Unterstützung von "Urgent Actions", beispielsweise von Amnesty International, eignet sich das Netz hervorragend. Hier kann jede*r selbst aktiv werden.

Liebe  Margarete Bause, ich danke Ihnen vielmals für das aufschlussreiche  Gespräch.

Herzlich Helga König

Foto von Margarete Bause:  Bundestagsbüro Margarete Bause, MdB 
margarete.bause.ma04@bundestag.de
www.margarete-bause.de
www.facebook.com/margarete.bause
www.twitter.com/MargareteBause

Helga König im Gespräch mit der Diplompsychologin Dr. Gabi Pörner

Die Diplompsychologin Dr. Gabi Pörner ist Expertin für Persönlichkeitsentwicklung, Business Coaching und Achtsamkeitstraining, zudem ist ...