Helga König im Gespräch mit dem Diplom-Psychologen Franz Schwald

Der fast 90 jährige Diplom-Psychologe Franz Schwald ist in den sozialen Netzwerken sehr aktiv und beeindruckt durch seine zahlreichen dem Christentum verpflichteten Posts, die für mehr Mitmenschlichkeit werben. Franz Schwald ist Autor mehrerer Bücher und schreibt Essays, Gedichte, Kurzgeschichten, sowie Sentenzen auf seinem Blog. 

Lieber Franz Schwald, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie: 

Helga König: Was sind in Ihren Augen die Hauptmerkmale von Mitmenschlichkeit? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Mitmenschlichkeit äußert sich für mich in der Bereitschaft, einander das geschenkte Leben mit seinen Chancen und Grenzen, in allen Belangen des Lebens, Handelns, Glaubens, Hoffens und Liebens zu gönnen und zu schützen. Sie ist eine erworbene Haltung, Freud und Leid miteinander zu teilen, und die dem individuellen und gesellschaftlichen Leben dienenden Werte zu pflegen. 

 Helga König
Helga König: Welche Bedeutung hat Fairness in Ihrem Leben? 

Franz Schwald: In der Fairness erwarten wir, dass beim Geben und Nehmen in den menschlichen Beziehungen, die goldene Regel der Achtung und Wertschätzung unterschiedlicher Meinungen und Beiträge beachtet werden. Sie dient dem notwendigen Interessenausgleich in den menschlichen Interaktionen, und schützt das Selbstbewusstsein und die Identität vor Übergriffen. 

Helga König: Sie haben am 4.3. 2019 nachstehenden Tweet gepostet, den ich retweetet habe: "#Staunen wir nicht nur über die #Technik und das mediale #Netzwerk sondern in einer ruhigen Minute auch über unser #Gedächtnis das uns Informationen über #Erfahrungen aus unserem ganzen #Leben zur Verfügung stellt. Deo gratias." 

Was können wir Menschen tun, damit unsere negativen Erfahrungen uns nicht zu Eigenbrötlern werden lassen? 

  Franz Schwald
Franz Schwald: Im Staunen zeigt sich die menschliche Fähigkeit, die vielfältigen Leistungen in Wissenschaft und Technik zu würdigen, und dankbar zu sein, für die kulturellen Leistungen in Kunst, Musik, Literatur, und die Gaben der Natur im Mikro-und Makrokosmus unseres Universums. Nicht weniger staunenswert sind die kognitiven Fähigkeiten unseres Gedächtnisses, mit deren Hilfe wir unsere Lebenserfahrungen und die Ereignisse in unserer komplexen Umwelt analysieren, um mit Anpassung oder Veränderungen zu reagieren. Mit Humor, Lebenslust und Neugier lassen sich altersbedingte Grenzen als Herausforderung zur Problemlösung verstehen, um eigenbrötlerischen Rückzug zu meiden. 

 Helga König
Helga König: In den sozialen Netzwerken lernen Menschen sich auf vielfältige Art allem Fremden gegenüber zu öffnen. Ist das ein Weg, der zu mehr Toleranz führen könnte? 

Franz Schwald: Die heutigen medialen Techniken und das soziale Netzwerk, lassen sich als ein weltweites Medium zur Kommunikation und Information über Interessen nutzen. Sie sind geeignet, Isolation zu überwinden und den gesellschaftlichen Kontakt und Gedankenaustausch zu pflegen. Seit Jahren bemühe ich mich als älterer Brückenbauer in den Medien(linkedin, pinterest, twitter, youtube, facebook) auch um den Kontakt mit jüngeren Menschen. Bei aller Offenheit für neue Erkenntnisse und das Fremde, ist mir aber wichtig, auch die eigenen Lebens- und Glaubenserfahrungen zu bezeugen. 

Helga König: Was vor allem ist notwendig, um Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen? 

  Franz Schwald
Franz Schwald: Um Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen, ist nicht nur das Trennende, sondern auch das Gemeinsame in unserem Dasein zu beachten. Wahrhaftigkeit, die personale Würde, der Respekt vor anderen Meinungen, und das Schicksal von Geburt bis zum Tod in einer Welt zu wohnen, die uns als Aufgabe anvertraut ist, sind die tragenden Pfeiler. 

 Helga König
Helga König: Sie schreiben "Treue, Liebe, Freude und Wahrheit mögen sich." Hat Freudlosigkeit Ihrer Meinung Ihren Ursprung in einem Mangel all des anderen, was Sie hier genannt haben? 

Franz Schwald: Ich glaube, dass wir Menschen ein Gespür dafür haben, in unserem Verhalten Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Seit ich das ökonomische Interesse an Veröffentlichungen und Befürchtungen wegen des Urheberschutzes abbauen konnte, schreibe ich nur noch über das, was nach meiner Überzeugung den Menschen heute und unseren Nachkommen dient. Die damit verbundene Freude hat etwas mit gelebter Wahrheit, Treue zu den Grundwerten des Daseins, und der Liebe zu allen Lebewesen zu tun. Möge es daran nie mangeln. 

Helga König: Was kann der Einzelne Ihrer Meinung nach tun, damit unsere Welt friedlicher wird? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Natürlich wünsche ich mit sehr, dass die Welt, in der wir leben friedlicher wird. Ich kann heute altersbedingt nicht mehr so gut gehen, um mich an Protestmärschen oder in der Politik aktiv zu beteiligen. Mit Gottes Hilfe habe ich aber einen Weg gefunden, den Hass und das Böse in allen Formen zu meiden, und mit meinem Leben, dem sicheren Tod, in der Hoffnung auf ewiges Leben zufrieden zu sein. Wo und wie immer ich kann, trete ich aber mit meinen Fähigkeiten für Frieden, Gerechtigkeit, Wahrheit, und Mitmenschlichkeit ein. 

Helga König
Helga König: Sie posten immer auch Links zu Ihren Gedichten. Was erhoffen Sie durch Ihre Gedichte bewirken zu können? 

Franz Schwald: In meinen Gedichten gebe ich der Intuition und Lust am kreativen Gestalten Raum. Ich feiere darin das Leben so wie es sich uns in seiner Schönheit zeigt. Es sind alles Texte, in denen sich das Staunen über die geheimnisvolle, nicht minder so reale Seite des menschlichen Daseins, in der Frage, warum gibt es das alles und nicht nichts, andächtig und dankbar ausdrückt. 

Helga König: Sie haben in einem Ihrer Tweets das Buch "Zeit der Zauberer" erwähnt. Was beeindruckt sie an den von Ihnen in Ihrem Post genannten Philosophen? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Ich schließe mich nach der Lektüre des Buches "Zeit der Zauberer" der Auffassung von Rüdiger Safranski an, dass es sich bei Heidegger, Wittgenstein, Benjamin und Cassirer um vier Lebensentwürfe mit Antworten auf die Frage handelt: Was ist der Mensch? Ich habe mich in meinen Studien mit Heidegger und Wittgenstein beschäftigt, und die anderen "Zauberer", neugierig geworden, durch dieses Buch näher kennen gelernt. Bei der Empfehlung zur Lektüre dieser Arbeit habe ich an philosophisch interessierte Leser gedacht. 

Helga König: Worauf kommt es Ihrer Meinung nach im täglichen Miteinander an? 

Franz Schwald: Der Volksmund sagt: Lügen haben kurze Beine. Wenn wir uns der Tatsache bewusst sind, als Menschen im gleichen Boot zu sitzen, und genötigt sind, das uns geschenkte Leben zu verwalten, dann sollten wir es in Freud und Leid teilen und, Gott dankend, einander in Glaube Hoffnung und Liebe treu begleiten.

Lieber Franz Schwald, ich danke Ihnen herzlichst für das  aufschlussreiche Gespräch.

Herzlichst Helga König

Anbei der Link zur Website  von Franz Schwald:  http://www.franz-schwald.de/

Helga König im Gespräch mit Dirk Römer. Gründer des Netzwerks #BOND_OF_RESPONSIBILITY®

#Dirk_Römer, der Inhaber der #Lederwarenmanufaktur #HANFORD_&_RÖMER®, hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit seiner Frau Silke das Netzwerk #BOND_OF_RESPONSIBILITY® ins Leben gerufen. Über ihre Plattform finden Menschen und Unternehmen zueinander, die neben dem Netzwerkgedanken dieselben Wertvorstellungen teilen und sich gesellschaftlich engagieren. 

Lieber Dirk Römer, es freut mich dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie: 

Helga König: Was bedeutet für Sie Mitmenschlichkeit? 

 Dirk Römer
Dirk Römer: Mitmenschlichkeit ist wohl einer der wichtigsten Elemente im Zusammenleben von Menschen. Der Mensch ist für das Leben in der Gruppe geboren. Wir brauchen gegenseitigen Austausch und Unterstützung.

Helga König: Was genau ist BOND OF RESPONSIBILITY® und was ist der Netzwerkgedanken, der dahinter steht? 

Dirk Römer: Bond of Responsibility ist ein Netzwerk von Menschen und Unternehmen, die sich gesellschaftlich engagieren. Es gibt diverse Themen, die uns als Gesellschaft fordern, wie z. B. Kinder- und Altersarmut, Bildung und Integration. Diesen Themen widmen wir uns als Gemeinschaft, denn in einem Netzwerk mit unterschiedlichsten Menschen, können wir mehr bewegen. 

 Helga König
Helga König: Können Sie unseren Lesern näher erläutern, welche Wertevorstellungen es sind, die Sie mit den Menschen auf Ihrer Plattform teilen?

Dirk Römer: Uns allen ist es wichtig, sich zu engagieren und nicht darauf zu warten, dass sich etwas von alleine verändert. Werte, wie Mitmenschlichkeit, Empathie, Verantwortung für unser Handeln in der Gesellschaft, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit, Menschen zu unterstützen, denen es nicht so gut geht und Ihnen eine Chance zu geben, sind unser Antrieb. Dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit ist besonders sinnstiftend. 

Helga König: Was gibt es Näheres zum "PETIT HOPE Symbol Anhänger" zu berichten, der offenbar das Erkennungszeichen der Mitglieder von BOND OF RESPONSIBILITY® darstellt?

Dirk Römer: Es ist die Verbindung von nachhaltigem Wirtschaften mit unserer Manufaktur HANFORD & RÖMER® und der Übernahme sozialer Verantwortung als Grundbedürfnis, die unser "Petit Hope" symbolisiert. Von #Silke_Hanford entwickelt, aus deutschem Bullenleder in unserer Manufaktur von Hand in Deutschland gefertigt, steht er als Symbol unserer Wertegemeinschaft und selbstverständlich gehen von ihm 20% an persönlich ausgesuchte soziale Projekte. 

Helga König: Ist Ihr gesellschaftliches Engagement Ausdruck einer entsprechenden Erziehung in Ihrem Elternhaus oder wodurch sonst wurde es angeregt? 

 Dirk Römer
Dirk Römer: Als Unternehmer in 4. Generation ist mein Thema Verantwortung sicherlich schon in die Wiege gelegt worden. Hinzu kommt, dass ich als Wassermann sehr für das Thema Gerechtigkeit brenne. Des Weiteren bin ich der Meinung, dass wir als Gesellschaft in der Hand haben etwas zu bewirken und ich habe mir mit BOND OF RESPONSIBILITY meinen Herzenswunsch erfüllt, gesellschaftliches Engagement in einer Wertegemeinschaft anzuschieben. 

Helga König: Könnten Sie sich vorstellen, dass BOND OF RESPONSIBILITY® zukünftig im Netz über Kinderarmut ganz konkret informiert? 

Dirk Römer: Wir werden alle gesellschaftlich relevanten Themen ansprechen. Hierzu gehört natürlich auch Kinderarmut, welche unbedingt mit dem Thema Bildung zusammenhängt. Mit dem "Kinder – Collage" in Karlsruhe, welches sich um Hochbegabung auch an Kinder aus sozial Schwachen Verhältnissen richtet, unterstützen wir z.B. das Thema Bildung. Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Projekten. 

 Helga König
Helga König: Sie haben mehr als 1000 Freunde auf Facebook und Ihrer Community BOND OF RESPONSIBILITY® gehören auch schon 547 Personen an. Wie gleichen sie die Wertevorstellungen neu auf sie zukommender Mitglieder mit Ihren eigenen ab? 

Dirk Römer: Ich führe grundsätzlich mit jedem Interessenten ein persönliches Gespräch und lote damit unsere Gemeinsamkeiten und Werte aus. Sollte dies nicht zusammen passen, kann man auch nicht Mitglied im BoR werden. Wir benötigen Mitstreiter, die sich engagieren wollen und nicht ihren persönlichen Profit an erster Stelle sehen. Gesellschaft benötigt Gemeinschaft und keinen Egoismus.

Helga König: Welches soziale Projekt von BOND OF RESPONSIBILITY® liegt Ihnen besonders am Herzen und weshalb?

Dirk Römer: Mir liegen alle unsere Projekte am Herzen, da diese alle eine gesellschaftliche Relevanz haben. Daher kann und möchte ich kein Projekt besonders hervorheben. Mir geht es um das Große-Ganze und ich möchte mit BoR die Menschen motivieren sich zu engagieren.  

Helga König: Ihr Interesse liegt auch darin, gesellschaftlichen Wandel zu unterschützen. Was ist hier Ihr Hauptanliegen? 

Dirk Römer: Wir sind alle für unser Handeln verantwortlich. Der Egoismus und Turbokapitalismus hat erhebliche Verwerfungen und Ungleichheit geschaffen. Empathie scheint abhanden gekommen zu sein. Der Druck von außen ist extrem hoch, es wird immer mehr versucht zu spalten. Wir müssen dafür sorgen, die Schwächeren nicht zurück zu lassen. Dies erhält den sozialen Frieden. In einer Gemeinschaft, wie BOND OF RESPONSIBILITY® ist es allen möglich, Ihr Engagement zu zeigen und durch Mitwirken etwas zu bewirken, was sich als Einzelner nur schwer schaffen lässt. 

Helga König: Sie haben eine Reihe von Partnern und Freunden, denen das Wohl von Kindern besonders am Herzen liegt. Wie erklären Sie sich die viel beklagte Empathielosigkeit in unserer Gesellschaft Kindern gegenüber? 

 Dirk Römer
Dirk Römer: Kinder sind unsere Zukunft und ich sehe es als unsere Pflicht als Gesellschaft unseren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen. Sei es durch Bildung, Umweltschutz und Unterstützung jeglicher Art. Wir müssen als Gesellschaft positiv Vordenken und Handeln, denn das Leben ist keine Einbahnstraße. Erst profitieren die jungen von den Alten, dann profitieren die Alten von den Jungen. Wir brauchen uns alle zu jeder Zeit! Zusammenhalt macht eine gute Gesellschaft aus. Denjenigen, dem es gut geht, sehe ich in der Pflicht, sich zu engagieren. Oder anders gesagt, selbst anpacken und handlungsfähig sein, macht glücklich.

Lieber Dirk Römer, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche  Gespräch.
Ihre Helga König

Hier der Link zu: www.bond-of-responsibility.de

Helga König im Gespräch mit #Margarete_Bause, MdB, Sprecherin für #Menschenrechte und #humanitäre_Hilfe der Grünen Bundestagsfraktion.

Die Diplomsoziologin #Margarete_Bause (Trägerin der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber und Gold)  ist seit  dem 24. 9. 2017  Abgeordnete im Deutschen  Bundestag  für  die Partei  #Bündnis 90/Die Grünen.

Frau Bause zog erstmals 1986 für Die Grünen in den Bayerischen Landtag ein und war vor deren Wiedereinzug 2003  bis 2017 Fraktionsvorsitzende der Grünen Fraktion Bayern. Seit sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag ist, ist sie Sprecherin für #Menschenrechte und #humanitäre_Hilfe der Grünen Bundestagsfraktion.

Liebe #Margarete_Bause, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie:

Helga König:  Was bedeutet Ihnen Mitmenschlichkeit?

 Margarete Bause
Margarete Bause: Mitmenschlichkeit bedeutet für mich, jeden Menschen in seiner Würde wahrzunehmen und zu achten; ihn als Menschen zu sehen, zu begreifen, zu behandeln. Mitmenschlichkeit bedeutet Humanität, Empathie, Respekt.

Helga König: Wie sollte sich Fairness gegenüber politisch Andersdenkenden äußern?

Margarete Bause: Auch der Austausch mit politisch Andersdenkenden sollte von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Streit in der Sache ist wichtig, gerne auch leidenschaftlich, engagiert, emotional. Das ist die Grundlage einer lebendigen Demokratie. Persönliche Verunglimpfung, Beleidigung oder gar Beschimpfung oder Bedrohung, haben für mich in der politischen Auseinandersetzung nichts zu suchen.

 Helga König
Helga König: Fühlen Sie sich als Sprecherin für Menschenrechte bei den Grünen dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau verbunden und falls ja, weshalb?

Margarete Bause: Jean-Jacques Rousseau vertritt im Gegensatz zu beispielsweise Thomas Hobbes die Auffassung, dass Menschen im Naturzustand grundsätzlich gut sind. Dazu passt der erste Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen." Diesem fühle ich mich selbstverständlich verbunden, ebenso Rousseaus Bild des mündigen Bürgers, der sich freiwillig dem idealen Gemeinschaftswillen unterwirft.

Helga König: Sie schreiben, dass weltweit noch immer 40 Millionen Menschen von Sklaverei betroffen sind. Davon 70% Frauen. Als Beispiel nennen Sie Zwangsprostitution. Welche Maßnahmen könnte man seitens der Weltgemeinschaft politisch ergreifen, um diesen Zustand zu ändern?

 Margarete Bause
Margarete Bause: Mit zunehmenden globalen Krisen steigt die Gefahr des Menschenhandels. Opfer von Menschenhandel müssen einen Anspruch auf aufenthaltsrechtlichen Schutz bekommen. Mit der – von Deutschland leider um mehrere Jahre verspäteten – Ratifizierung der Istanbul-Konvention im Februar 2018, einem Meilenstein im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt, wurde bekräftigt, dass Schutz und Hilfe für Opfer ein Menschenrecht und staatliche Verpflichtung sind. Deswegen müssen nun weitere Schritte folgen: die sichere Finanzierung von Frauenhäusern, qualifizierte Notfallversorgung sowie gut geschulte Staatsanwaltschaften und Polizei. Außerdem können wir alle als Einzelne etwas dazu beitragen, die Dinge zum Guten zu verändern: indem Gewalt benannt und so das öffentliche Bewusstsein für die Existenz von Menschenhandel gestärkt wird.

 Helga König
Helga König: Sie haben auf Twitter am 23. November 2018 ein Foto gepostet, das Sie mit syrischen Frauen zeigt. Das Foto haben Sie wie folgt kommentiert: "Bewegender Austausch mit mutigen syrischen Frauen der Initiative #FamiliesforFreedom. Sie verlangen Aufklärung, was mit ihren Männern, Vätern, Söhnen geschehen ist, ob sie noch leben oder in den Folterkellern Assads ermordet wurden.“ Können Sie unseren Lesern Näheres zur Initiative #FamiliesforFreedom berichten? 

Margarete Bause: Der Mut dieser Frauen beeindruckt mich zutiefst. Sie wollen wissen, was mit ihren verschwundenen Ehemännern, Vätern, Söhnen oder Töchtern passiert ist. Ihre Angehörigen wurden von den Schergen des syrischen Machthabers Assad verhaftet, weil sie an Demonstrationen teilnahmen oder vielleicht nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Tausende sind verschwunden, stecken in Folterkellern, viele sind vermutlich bereits seit langem tot. Deutschland und andere Staaten – so das Anliegen der Frauen von "Families for Freedom" – sollen sich dafür einsetzen, dass Licht in diese Fälle kommt, dass der Druck auf das Assad-Regime erhöht wird und vor allem, dass es keine Straflosigkeit für schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit geben darf. In diesem Kampf möchte ich diese couragierten Frauen unterstützen. 

Helga König:. Ca. 1 Million Menschen sind in #Xinjiang willkürlich in Internierungslagern eingesperrt, erfährt man in einem Post der Grünen. Was bedeutet dies konkret für diese Menschen? 


 Margarete Bause
Margarete Bause: Menschen, die in Xinjiang in Internierungslagern inhaftiert sind, sind vollkommen willkürlich, ohne Haftbefehl, Gerichtsverfahren oder Kontakt zu einem Rechtsanwalt in diese Lager gebracht worden. Kinder werden von ihren Familien getrennt und in speziellen Heimen einer Gehirnwäsche unterzogen. In einem Bericht stellen die Vereinten Nationen fest, dass Xinjiang (oder Ostturkestan) im Nordwesten Chinas ein Gebiet der Rechtlosigkeit ist: Mittels modernster Technologien werden Menschen total überwacht, es ist ihnen verboten zu beten, ihre Moscheen werden abgerissen. Mit diesen Maßnahmen verfolgt die chinesische Regierung das Ziel, die Identität und Kultur der muslimischen Minderheiten auszulöschen. Deutschland und die internationale Gemeinschaft müssen handeln und alle Möglichkeiten nutzen, damit diese Lager geschlossen werden und die Verbrechen aufgeklärt werden. Außerdem muss für unabhängige Beobachter der Zugang in die Region sichergestellt und Geflüchteten hier in Deutschland Schutz und Asyl gewährleistet werden.

 Helga König
Helga König: Was unternimmt eine engagierte Menschenrechtlerin gegen die rassistische Hetze der Neonationalisten hierzulande? 

Margarete Bause: Das Wichtigste zuerst: Nicht einschüchtern lassen! Gerade online erliegt man schnell dem Gefühl, dass rassistische Hetzer in unserem Land die Oberhand haben. Dass dies falsch ist, zeigen Initiativen wie #ichbinhier, zivilgesellschaftliche Demonstrationen wie #unteilbar und nicht zuletzt die vielen ehrenamtlichen Helfer*innen in der Arbeit mit Geflüchteten. Mehr als jede*r zweite Bundesbürger*in hat sich in den vergangenen Jahren in der Geflüchtetenhilfe engagiert - fast jede*r Fünfte tut es auch heute noch. Dieses unglaubliche Engagement sollte man sich viel häufiger vor Augen führen. Ansonsten kämpfen engagierte Menschenrechtler*innen mit Fakten gegen Vorurteile; sie mischen sich ein, knüpfen Bündnisse, bilden sich und andere und verlieren auch in hitzigen Debatten nie den menschenrechtlichen Kompass, um nur ein paar Beispiele zu nennen. 

Helga König: Wo endet ihrer Meinung nach die in den Menschenrechten garantierte Religionsfreiheit?

 Margarete Bause
Margarete Bause: Das Recht jedes Menschen auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit muss gewährleistet werden – in Deutschland und weltweit. Religionsfreiheit ist ebenso elementar wie andere Grundrechte. Ob Bibel oder Koran, es gilt: Keine heilige Schrift steht über unserem Grundgesetz! Das bedeutet auch ein Nein zu Fundamentalismus, und ein Ja zum Schutz von Religion und vor Religion. Nur wenn wir das Recht auf Glaubensfreiheit aller Menschen schätzen und schützen, können wir Brücken bauen und den Dialog zur Stärkung der Menschenrechte wirksam vertiefen. 

 Helga König
Helga König: Wo endet Ihrer Meinung nach die Meinungsfreiheit im Netz? 

Margarete Bause: Ganz wie im analogen Leben: wenn unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit Straftaten begangen werden. Wer andere Menschen beleidigt, verleumdet, zu Straftaten aufruft oder volksverhetzende Inhalte verbreitet, muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden.

Helga König: Wie könnte man sinnstiftend für die Allgemeinen Menschenrechte in den sozialen Netzwerken werben? 

 Margarete Bause
Margarete Bause: Menschenrechte sind nicht nur etwas, das in UN-Deklarationen niedergeschrieben ist, sondern sie finden in unserem Alltag statt. Sei es, wenn meine Nachbarin rassistisch beleidigt oder bedroht wird oder wenn Menschen in Pflegeheimen vernachlässigt werden. Gerade auch auf Social Media kann man auf solche Missstände hinweisen oder gute Beispiele bekannt machen. Wichtig ist auch, dem Hass im Netz entgegenzutreten und die Angegriffenen zu unterstützen. Auch für internationale Petitionen und die Unterstützung von "Urgent Actions", beispielsweise von Amnesty International, eignet sich das Netz hervorragend. Hier kann jede*r selbst aktiv werden.

Liebe  Margarete Bause, ich danke Ihnen vielmals für das aufschlussreiche  Gespräch.

Herzlich Helga König

Foto von Margarete Bause:  Bundestagsbüro Margarete Bause, MdB 
margarete.bause.ma04@bundestag.de
www.margarete-bause.de
www.facebook.com/margarete.bause
www.twitter.com/MargareteBause

Helga König im Gespräch mit der Soziologin Dr. Hannelore Orth-Peine

Dr. Hannelore Orth-Peine ist die meiste Zeit in Bonn aufgewachsen. Hier auch erlangte sie die Hochschulreife, um in Bielefeld Soziologie, Pädagogik, dazu noch einige andere Fächer zu studieren und in Soziologie promoviert zu werden. Anschließend hat sie dort an der Uni gearbeitet, schließlich aber ihre  universitäre Tätigkeit beendet, um ihre drei Kinder zu betreuen, nachdem ihre Familie ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin verlagert hatte. Mittlerweile sind ihre Kinder erwachsen. Deshalb hat sie viel Zeit für ihre Hobbys: Sport, Lesen, Ausstellungen und bereichert die Twittergemeinde mit klugen Beiträgen.

Liebe Dr.  Hannelore Orth-Peine, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" teilnehmen. Dazu folgende Fragen an Sie:

Helga König: Was bedeutet Ihnen Mitmenschlichkeit? 

 Dr. Hannelore Orth-Peine 
Dr. Hannelore Orth-Peine: Ich bin in einem christlichen Elternhaus groß geworden. Meinen Kinderglauben habe ich zwar verloren, aber das Zugehen und auch die Sorge für/um andere Menschen ist mir sehr wichtig und dieses Verständnis habe ich auch an meine Kinder weitergegeben.

Helga König: Bedingt ein faires Verhalten gegenüber Dritten zunächst einmal die Reflektion der eigenen Egoismen? 

Dr. Hannelore Orth-Peine: Keiner ist frei von Egoismen und das wäre auch völlig unnatürlich. Da ich mich als soziales Wesen betrachte, sehe ich als Grundbedingung jeder Kommunikation die Reflexion des eigenen Standpunktes und darauf aufbauend die Antizipation der Wünsche und Beweggründe des Gegenüber. Soll der Austausch gelingen, müssen beide Seiten einen Kompromiss eingehen, bei dem im besten Fall keiner von beiden der Verlierer ist. Eine Begegnung auf Augenhöhe also. 

 Helga König
Helga König: Sie haben nachstehendes Zitat von James Baldwin getwittert: "Ich vermute, einer der Gründe weswegen Menschen so hartnäckig an ihrem Hass festhalten, ist, weil sie spüren: Ist der Hass erst einmal fort, werden sie gezwungen sein, sich mit Schmerz zu beschäftigen." Worin könnte der Schmerz von Rassisten bestehen?

Dr. Hannelore Orth-Peine: Der Schmerz besteht darin, dass sie, indem sie das Gefälle zwischen Weiß und Schwarz so vehement verfochten hatten, ihre eigenen Möglichkeiten beschnitten und  Gefangene ihres eigenen Denkens waren. Im Gefängnis ist ja nicht nur der Gefangene eingeschlossen, sondern auch der Wächter. 

Helga König: Sie schreiben "Mit Worten einen Sonnenstrahl ins Herz eines anderen zu senden, gelingt mündlich am besten; ist das nicht möglich, kann dies auch durch Geschriebenes erreicht werden." Wie reagieren Ihre engsten Twitterfreunde auf die von Ihnen gesendeten Sonnenstrahlen und was macht die Reaktion mit Ihnen? 

 Dr. Hannelore Orth-Peine 
Dr. Hannelore Orth-Peine: Manche mögen es und es kommen intensive Gespräche zustande, anderen ist das egal. So ist das eben. Alles wie im alltäglichen Kontakt. 

Helga König: Das Internet macht die Menschen nicht dümmer, aber Dummheiten sichtbarer für die, mit kritischem Blick durchs Netz streifen,“ lassen Sie Ihre Leser wissen. Welche Dummheiten sind Ihnen bei Ihren jüngsten Streifzügen durchs Netz in letzter Zeit besonders aufgefallen?

Dr. Hannelore Orth-Peine: Gute Frage. Was mich immer wieder stört, sind die dumm dreisten Antworten/Beiträge von Rechten, die mir ihre gefühlte Wahrheit aufdrängen wollen, die mit der Realität nichts gemein hat. Dazu gehören auch Sprüche unterhalb der Gürtellinie. 

 Helga König
Helga König: Sie haben den Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10.12 2018 auf Facebook gepostet und kommentiert: "Heute vor 70 Jahren wurde als Folge des II. Weltkriegs die Erklärung der Menschenrechte in Paris verabschiedet. Ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit. Leider sind Anspruch und Wirklichkeit immer noch meilenweit voneinander entfernt." Können Sie Ihren Gedanken an dieser Stelle etwas näher ausführen?

Dr. Hannelore Orth-Peine: Die Verwirklichung der propagierten Menschenrechte, also die Wahrung der Würde eines jeden Menschen, ungeachtet seiner Hautfarbe, Religion, Nationalität oder Geschlecht, ist mir ein ernstes Anliegen. Momentan leben wir aber leider in einer Zeit, in der nicht nur durch die Flüchtlinge, Trump und die AfD, diese Rechte in Frage gestellt werden, was meines Erachtens Rückwirkung auf unsere Demokratie hat. Mir unverständlich, sehen sich viele nach der guten, alten Zeit, obwohl dieses Bild nur eine Fiktion ist, und nie Realität war. 

Helga König: Sie schreiben auch: "Immer wieder habe ich in meiner Jugendzeit gehört: Nazis, das waren nicht wir, das waren die anderen. Wir wussten von all den Gräueltaten nichts. Schon als Kind kam mir das komisch vor. Als Jugendliche las ich alles zu dem Thema, was mir unter die Finger kam und begriff, dass die Nazis ‚nicht vom Himmel gefallen sind‘, sondern durch Wahlen und die Protektion des Großkapitals an die Macht gekommen sind. Das führte zu teilweise hitzigen Diskussionen. Später lernte ich, dass das Leugnen ein Teil der Verdrängung und bei manchen ein Ausdruck von Scham war. Pogrom 1938 (Ausstellung in der A.d.K Berlin) zeigt anhand von Fotos, wie gierig die Masse Mensch auf die Auslöschung jüdischen Lebens in Deutschland war. Ich finde das erschreckend."

Was können wir tun, damit sich die Geschehnisse nicht mehr wiederholen? 

 Dr. Hannelore Orth-Peine 
Dr. Hannelore Orth-Peine: Es wird mehr auf Twitter gepöbelt und gar nicht erst eine Verständigung versucht. Außerdem stört es mich, dass rechtes Denken und die damit einhergehenden Fake-News viel zu breiten Platz einnehmen. Man muss und sollte auch nicht jeden Quark kommentieren, das verschafft ihm eine Verbreiterung, die ihm nicht zukommt und ihn zudem populär macht. 

Helga König: Kann ein Mensch sich kulturell wohlverhalten, ohne mitmenschlich zu sein?

Dr. Hannelore Orth-Peine: Kultur beinhaltet Mitmenschlichkeit, das Zugehen auf den anderen, um ihm gerecht zu werden und einen Austausch auf Augenhöhe anzustreben. 

Helga König: Dann schreiben Sie "Und immer wieder kaufen wir Dinge, die uns die Werbung als angesagt suggeriert und die wir nicht brauchen mit Geld, das wir für anderes dringender benötigten - und das alles nur, um im Strom mitzuschwimmen und andere zu übertrumpfen." Ein interessanter Gedanke, gerade in der Vorweihnachtszeit! Können sie diesen etwas näher ausführen?

Dr. Hannelore Orth-Peine: Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes führt zu Geschenkenbergen, die uns vom Kern der Botschaft entfernen. Auch wenn man nicht an die Weihnachtsgeschichte glaubt, so ist das Fest doch ein Fest der Familie, der Zuwendung zu anderen, der gelebten Mitmenschlichkeit, die sich nicht in erster Linie in Geld oder Gaben niederschlägt, sondern in dem Zuhören, dem Zeit verbringen ihren Niederschlag finden sollte.

Liebe Dr. Hannelore Orth-Peine, Ihnen herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König 


Helga König im Gespräch mit Andrea Wirsching, Winzerin des Jahres 2018 und Geschäftsführerin des renommierten Weingutes Hans Wirsching in Iphofen/Franken

Andrea Wirsching ist Historikerin und führt jetzt in der 15. Generation das renommierte Weingut Hans Wirsching in Iphofen/Franken. 2018 wurde diese Power-Frau vom Genussmagazin "selection"zur "Winzerin des Jahres" gekürt.  

Liebe Andrea Wirsching, ich freue mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" teilnehmen. Dazu folgende Fragen an Sie: 

Helga König: Welchen Stellenwert hat für Sie Mitmenschlichkeit? 

 Andrea Wirsching
Foto: Ina Brosch
Andrea Wirsching: Mitmenschlichkeit ist für mich das Einzige, was zählt, auch wenn ich selbst diesem Anspruch nicht immer genüge. Ich bin Christ und als solcher glaube ich an die Liebe. Ich glaube daran, dass wir in der Freiheit, die uns geschenkt wurde, immer wieder die Möglichkeit haben, uns für einen liebevollen Umgang mit uns selbst, mit Anderen und auch mit der Schöpfung zu entscheiden. Das ist die große Würde des Menschen. Wir leben in einer Welt, in der sich viele dagegen entscheiden. Mit manchmal unerträglichen Konsequenzen. Auch wir selbst tun das. Aber wir haben die Zusage, dass wir immer wieder neu anfangen dürfen. Und als Christ auch den Glauben, dass wir nach dem Tod in dieser großen Liebe leben werden. Das trägt mein Leben. 

 Helga König
Helga König:Wie leben Sie Mitmenschlichkeit in Ihrem Weingut? 

Andrea Wirsching: Ich erwarte sie von mir und allen Mitarbeitern, spreche Defizite an und versuche, ein gutes Vorbild zu sein. Dazu gehört auch, mich bei eigenen Versäumnissen zu entschuldigen.

Helga König: Was bedeutet Ihnen Fairness ganz allgemein? 

Andrea Wirsching: Die goldene Regel, die für Alle gilt: "Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg‘ auch keinem Andern zu." 

Helga König:Wie wichtig ist Ihnen Fairness im Hinblick auf Ihre Winzerkolleginnen und –Kollegen und wie zentral im Hinblick auf Ihre Kunden? 

Andrea Wirsching: Im Bezug auf die Winzerkollegen bedeutet Fairness vor Allem "Gönnen können". Neid ist nicht umsonst eine Todsünde in unserer christlichen Tradition. Sich mit dem Kollegen über seine Erfolge freuen zu können, macht das Leben für uns Alle leichter und die Gemeinschaft am Ende erfolgreicher. Im Hinblick auf Kunden ist es wichtig, eine ehrliche Leistung zu bringen, authentisch und glaubwürdig zu bleiben. Heutzutage wird sehr viel gelogen – gerade im Internet. Die Generation meiner Kinder hat ein gutes Gespür für "fake news" und findet, Ehrlichkeit sei eine der wichtigsten Eigenschaften überhaupt. 

Helga König: Ist Ihrer Meinung nach ein nachhaltiger Umgang mit der Natur eine ethische Verpflichtung nachfolgenden Generationen gegenüber und wenn ja, weshalb? 

Andrea Wirsching: Wir können heute so gut leben, weil wir eine halbwegs intakte Natur und viele Ressourcen vorgefunden haben. Es zeugt von einem unglaublichen Egoismus, das Alles für sich zu nutzen und nur noch den Müll zu hinterlassen. Da gilt dann wieder die goldene Regel… Was wir hinterlassen, ist aber nicht nur Dreck und Gift, sondern auch ein grober Umgang miteinander, denn wir haben mit unserem Tun gezeigt, dass uns andere Menschen egal sind. Seien es die Länder, deren Ressourcen wir ausbeuten, oder die nächsten Generationen. Unser Verhalten ist unsere Botschaft.

Helga König: Welchen ethischen Anspruch haben Sie im Hinblick aufs Weinmachen? 

Andrea Wirsching: Wein ist ein Geschenk der Natur. Was wir tun, ist, dieses Geschenk zu kultivieren. Daher sind Dankbarkeit, der sensible Umgang mit dem Boden und den Pflanzen und eine ehrliche Arbeit im Keller unser Anspruch. 

Helga König: Welcher ethische Anspruch steht hinter Ihrem Engagement bei den "Vinissima-Frauen", deren Präsidentin Sie lange Zeit waren? 

Andrea Wirsching: Vinissima ist ein Netzwerk weiblicher Profis aus der Weinbranche, in dem es um das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung geht. Immer mehr Frauen übernehmen Verantwortung in eigenen Betrieben, sind aber in einer überwiegend "männlichen Branche" noch in der Minderheit. Dazu kommen Frauen, die in Weinbaubetriebe einheiraten, aber eine andere Ausbildung haben. Vinissima organisiert Fach-Exkursionen, Weiterbildung und vor Allem viele Treffen, in denen sich die Weinfrauen austauschen können. Das macht Freude, stärkt und hilft konkret weiter. Eine Gemeinschaft, in der ein großer Vertrauens-Vorschuss gegeben wird, ist immer eine liebevolle Gemeinschaft. 

Helga König: Und welcher ethische Anspruch steht hinter Ihrem Engagement in der "Initiative Twin Wineries"? 

Andrea Wirsching: Die "Twin Wineries" wurden vor 10 Jahren von Renée Salzmann, einer deutschen Jüdin gegründet, die in Israel lebt. Nach dem Vorbild einer Städtepartnerschaft bilden sich "Twins" aus je einem deutschen und einem israelischen Weingut. Das Ganze ist gelebte Völkerverständigung. Unser "Twin" ist das Weingut "Kishor" im Bergland von Galiläa. Sie produzieren hervorragenden Wein und tun das Ganze in einem Kibbuz, in dem auch behinderte Menschen (sie nennen es "with special needs") mitarbeiten. Wenn ich diesen Kibbuz besuche, bin ich immer beeindruckt von der Lebensfreude der Menschen, die im Vergleich zu uns relativ bescheiden leben. Ich empfinde diesen Austausch als unglaublich bereichernd. Inzwischen war ich schon 4 Mal in Israel und meine Freunde auch hier bei uns. Wir lernen uns kennen und tauschen uns fachlich aus. Ich lerne viel darüber, mit unterschiedlich begabten Menschen zusammenzuarbeiten und auch viel über die Bewässerung, die wir hier brauchen. Meine Freunde interessiert unsere Vermarktung und die Produktion frischer Weißweine, die sie auf 600 m Höhe ja durchaus produzieren können. Für mich hat das ganze Projekt noch einen weiteren Aspekt. Ich finde es wichtig, als Deutsche die Existenz von Israel, die ja trotz der Gründung durch die UNO von vielen Staaten und einem neu aufkeimenden Antisemitismus in Frage gestellt wird, zu unterstützen und diese Freundschaft zu leben. Deswegen haben wir auch 2016 einen kosheren Silvaner produziert.

Helga König: Welche Tugenden sind für eine verantwortungsvolle Winzerin bzw. einen Winzer von besonderer Bedeutung? 

Andrea Wirsching: Winzer ist ein privilegierter Beruf wegen seiner Vielseitigkeit. Wir sind abhängig von und leben mit der Natur. Dazu braucht man Demut und Achtsamkeit. Zum Zweiten üben wir ein Handwerk aus, welches mit dem arbeitet, was in der Natur gewachsen ist und welches sich von Jahr zu Jahr verändert. Daher braucht ein Kellermeister Sensibilität und Geduld. Der dritte Aspekt bezieht sich auf den Menschen. Die Menschen, die zu uns ins Weingut kommen, kaufen nicht nur ein Lebensmittel, sondern Genuss, Kultur und Ästhetik, also Lebensfreude. Ein Winzer braucht Empathie und gute Kommunikation und die Bereitschaft, viele Stunden in den Verkauf zu investieren, also Fleiß und Disziplin. Die meisten Weingüter sind Familienbetriebe. Ich bin Glied in einer langen Kette von Generationen, nutze die Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen und gebe das Ganze dann in der Familie weiter. Ich muss also dienen können. Am Ende ist ein Winzer nur dann erfolgreich, wenn er nicht egoistisch ist, wenn sich nicht alles um ihn selbst dreht. So einfach ist das. 

Helga König: In "vino veritas" heißt auf Deutsch: "Im Wein liegt die Wahrheit." Welche Wahrheit vermuten Sie, könnte hier gemeint sein? 

Andrea Wirsching: "In Vino Veritas" – im Wein schmeckt man die Wahrheit des Wetters, des Weinbergs, des Handwerks und des guten Lebens. So mancher, der über den Durst trinkt, erzählt Dinge, die er nüchtern vielleicht anders formuliert hätte… Die Wahrheit ist aber auch, dass unser Leben in eine größere Dimension eingebettet ist und das spürt man, wenn man im Weinberg steht oder ein gutes Glas Wein trinkt. In diesem Sinne: zum Wohl!

Herzlichen Dank, liebe Andrea Wirsching für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Anbei der  Link zu  der Homepage des Weingut  Hans Wirsching:http://www.wirsching.de/

Helga König im Gespräch mit der Schauspielerin und Lyrikerin Angélique Duvier und dem Jazz-Pianisten Vladyslav Sendecki

Angélique Duvier, Vladyslav Sendecki
 Foto: Co. Duvier/Sendecki
Angélique Duvier ist in der Nähe von Hamburg geboren. Sie hat Schauspiel studiert und an vielen großen Theatern gearbeitet. Zudem hat sie Gedichtsbände veröffentlicht und nicht zuletzt mit ihrem Ehemann Vladyslav Sendecki 2009 das Lyrik& Jazz Ensemble gegründet. 

Vladyslav Sendecki, ist ein mehrfach ausgezeichneter Jazz-Pianist und lebt derzeit in Hamburg. Aufgewachsen ist er in Krakau. Näheres siehe Interview

Liebe Angélique Duvier, lieber Vladyslav Sendecki, es freut mich sehr, dass Sie beide an dem Ethik-Langzeitprojekt auf "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen.

Helga König:  Liebe Angélique Duvier, welchen Stellenwert hat für Sie Mitmenschlichkeit in Ihrem Beruf als Schauspielerin?

Angélique Duvier
Angélique Duvier: Einen sehr hohen, denn ohne Mitmenschlichkeit ist ein (e) guter Schauspieler/in kaum in der Lage, Rollenfiguren nachzuempfinden und den Charakter so darzustellen, dass es die Zuschauer berührt. Auch den Kollegen gegenüber ist Mitmenschlichkeit extrem wichtig. Der Schauspielberuf lebt von Gefühlen, auf der Bühne, ebenso wie hinter den Kulissen. Für mich bedeutet Mitmenschlichkeit: Empathie, Rücksichtnahme, Toleranz, Aufmerksamkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe, diese Eigenschaften machen unsere Menschlichkeit aus.

Menschlichkeit wird als Grundstein der Menschenrechte gesehen. Solidarität ist ein Gefühl, dass die Menschen aufeinander angewiesen sind, dass sie daher auch verpflichtet sind, füreinander da zu sein, dass die Stärkeren den Schwächeren helfen sollten. Es ist ein Gefühl des Wohlwollens für alle Menschen, leider besitzen nicht alle Menschen eine empfindsame Seele. Die Schwächen des/der anderen zu fühlen und ihn/sie zu stützen statt ihn/sie stolpern zu lassen. "Es gibt eine gewisse Achtung und allgemeine Pflicht der Menschlichkeit, die uns verbindet, nicht nur mit den Tieren, die Leben und Empfindung haben, sondern sogar mit Bäumen und Pflanzen. Dem Menschen sind wir Gerechtigkeit schuldig, Milde und Wohlwollen aber den anderen Geschöpfen, gegen die man milde und wohlwollend sein kann." (Michel de Montaigne (1533-1592), französischer Philosoph und Essayist). 

Helga König: Welchen Stellenwert hat für Sie, lieber Vladyslav Sendecki, Fairness im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Ihren Musikerkollegen? 

 Vladyslav Sendecki
Vladyslav Sendecki:  Ich bin sehr empfindlich, was das betrifft. Ich fühle mich unter Egomanen, Narzissten, Bluffern, Angebern und Betrügern stark unwohl ... Ich versuche solche "Personalities" zu vermeiden. Zur Fairness gehört Souveränität, Kollegialität, Unterstützung, angenehm und geschäftlich aufrichtig zu sein,  zumindest meiner Meinung nach. 

Helga König: Sie schreiben in Ihrem Text "Der Kreidekreis", dass sie als junge Frau mit der damals 94 Jahre alten Schauspielerin Erna Nitter auf der Bühne gestanden haben. Ist man in Ihren jungen Jahren respektvoller mit älteren oder gar alten Schauspielern umgegangen als heute und falls ja, woran könnte das gelegen haben? 

Angélique Duvier: Erna Nitter war eine bezaubernde Person, sie war nur an Jahren alt, nicht im Herzen, sie war neugierig und verspielt, sie war ein wenig eitel und kokettierte gern. Durch sie habe ich gelernt, dass nur der menschliche Körper altert, nicht aber die Seele. Vor einigen Tagen besuchte ich meine 95-jährige Tante im Krankenhaus, ich brachte ihr einen kleinen Teddybären mit, sie freute sich darüber wie ein Kind. Alte Schauspieler/innen haben uns Lebenserfahrungen voraus, das heißt, ihre Gefühlspallette ist stark angefüllt. Ich war immer ein neugieriger Mensch und fragte schon als junge Schauspielerin meine älteren Kollegen aus, konnte ihnen stundenlang zuhören, wenn sie mir von ihren Bühnenerfahrungen erzählten, oder über ihr Leben und habe mich stets zu älteren Menschen hingezogen gefühlt. Kein Verständnis habe ich dafür, dass älteren und alten Schauspielern kaum noch Rollen angeboten werden, dass alte Menschen von jüngeren, "älter geschminkten" Schauspielern dargestellt werden. Dieses betrifft überwiegend Frauen. Dabei bin ich sicher, dass das Publikum gern die alten Darsteller/innen auf der Bühne und im Fernsehen sehen würde. Es macht mich ehrlich gesagt traurig. 

Helga König: In Deutschland sind inzwischen über vierzig Prozent der Privatwohnungen Single-Haushalte. Ist die Vereinzelung ein typisches Phänomen des Westens oder sieht dies in Polen mittlerweile ganz ähnlich aus?

Vladyslav Sendecki: Ich habe keine Ahnung, wie es in Polen ist, da ich seit beinahe 40 Jahren nicht mehr dort lebe. Tatsache aber ist, da jeder seinen Arbeits- und Lebensrhythmus hat, könnte das Zusammenleben unter einem Dach einige Probleme verursachen. Ich denke, in Deutschland will man es einfacher und unbeschwert haben. Es wird weniger emotional und mehr geplant, in Polen (mein Gefühl) gibt es eben weniger Planung, mehr Emotion, gemeckert wird dann ein Leben lang und die Familie ist immer eine Selbstverständlichkeit, noch ... ich denke, es wird sich ändern.

Helga König: Wie verhält es sich mit der Gastfreundschaft der Polen im Verhältnis zur Gastfreundschaft der Deutschen auf Ihren beruflichen Reisen?

 Angélique Duvier
Angélique Duvier: Die Gastfreundschaft in Polen ist wirklich kaum zu übertreffen. Die Menschen sind herzlich und unglaublich aufmerksam. Polnische Männer sind den Frauen gegenüber sehr höflich, sie begrüßen und verabschieden sich mit Handkuss. Die Polen sind stolz und versuchen, ihre Gäste mit traditionellen Köstlichkeiten zu verwöhnen, dabei bieten sie alles auf was sie können, dieses geschieht entweder bei ihnen zuhause oder in einem Restaurant. Nun habe ich durch meinen Mann eine wundervolle Familie dazubekommen. Ich wurde von Anfang an mit sehr viel Liebe und Herzlichkeit aufgenommen. Meine Schwiegermutter ist ein so liebevoller und herzensguter Mensch, ich kenne kaum vergleichbare Personen. Mein Mann hat zum Glück sehr viel von seiner Mutter. Auch mein Schwager und dessen Frau sind Menschen, die man einfach lieben muss. Beide sind außerdem wunderbare Künstler.

Helga König: In welchem Land, das Sie als Pianist betreten haben, war man Ihrer Meinung nach am weltoffensten und wie äußerte sich dies?

Vladyslav Sendecki 
Vladyslav Sendecki: Schwer zu sagen, als Künstler bleibt mir vieles erspart. Ich gehe aber sehr gerne allein "auf die Straße", um "normalen" Menschen zu begegnen. Ich habe viel Glück, auf die Menschen relativ positiv zu wirken, so kommt es zu mir zurück ... Ich kann keinem Volk Weltoffenheit absprechen, Kleinkariertheit gibt es überall. Allerdings hätte ich mir z. B. in der Schweiz etwas weniger engstirnige Begegnungen gewünscht ... (ich meine Schwizerisch die "Stross oder Beiz") 

Helga König: Welche ethischen Werte sind Ihnen am wichtigsten und weshalb?

Angélique Duvier: Ehrlichkeit, Freiheit, Liebe, Achtung, Leidenschaft, Kreativität, Herausforderungen, Schönheit, gegenseitiges Verständnis, wechselseitige Unterstützung und Spiritualität, dies alles sind für mich ethische Werte, sie sind aber auch wichtig für ein gesundes Selbstvertrauen. Selbstvertrauen basiert auf Werten, die man besitzt, wie zum Beispiel das Selbstwertgefühl. 

Ich denke, wir alle haben ethische Werte, ob es uns bewusst ist oder nicht. Wir leben jeden Tag nach unseren Werten, nach Dingen, die uns wichtig sind, wie Liebe, Vertrauen oder Freiheit. Unser ethisches oder moralisches Bewusstsein ist nichts Statisches, da wir einer ständigen Reifung ausgesetzt sind, also hinterfrage ich häufig mein eigenes Handeln und Denken.

Helga König: Stimmt es, dass Künstler in der Regel weltoffener und liberaler sind als andere Menschen und falls ja, woran könnte das liegen?

Vladyslav Sendecki: Wahre Künstler denke ich, ja, aber leider lange nicht alle, die in künstlerischen Berufen arbeiten ... ich hoffe, ich werde verstanden. Wahre Künstler, ja ... Neugier, kreative und positive Begegnungen und Erfahrungen ... das inspiriert ... 

Helga König: Der indische Dichter Rabindranath Tagore sagte: "Wahre Liebe muss von innen her erweckt werden und nicht durch etwas Äußeres. Dienen kommt vor Eigennutz – das ist das Merkmal der Liebe." Stimmen Sie diesem Satz zu und glauben Sie, dass er in unserer narzisstischen Welt noch Gültigkeit hat?

 Angélique Duvier
Angélique Duvier: Absolut, gerade in unserer narzisstischen Welt sollte dieser Satz unbedingt noch Gültigkeit besitzen, und man kann ihn nicht oft genug aussprechen. Mich macht diese Eigensucht und Gier geradezu krank, daher ist es ein Grund für mich, mich von derartigen Menschen zu distanzieren und mich zurückzuziehen. Lieber verkrieche ich mich hinter guten Büchern, oder bringe einfach meine Gedanken in Gedichtform zu Papier, so kann ich mich ein wenig befreien und meinem Herzen Luft machen. 

Helga König: Worin liegt die Fähigkeit von Jazz-Musikern begründet, mit anderen Gemeinsames zu improvisieren?

Vladyslav Sendecki: An Kreativität, "Sprachkenntnissen", also die Musik, Lust am Austausch und Herausforderungen. Allgemein gesagt ... es ist ein Spiel, bei dem etwas entstehen kann. 

 Angélique Duvier, Vladyslav Sendecki
 Foto: Co. Duvier/Sendecki
Helga König: Frage an Sie beide: Welchen Stellenwert haben die sozialen Netzwerke für Sie beide als Künstler?

Angélique Duvier: Für mich bieten sich die sozialen Netzwerke als ideale Plattformen an, um auf mich als Künstlerin aufmerksam zu machen, im Gespräch zu bleiben und um zu sehen, was andere Künstler machen. Ich freue mich auch, wenn ich dadurch Kollegen, die ich aus den Augen verloren hatte, wiederfinde und neue kennenlerne. Außerdem werde ich durch die Netzwerke auf dem Laufenden gehalten, was es kulturell Neues gibt. Privates stelle ich nicht hinein, da mir meine Privatsphäre sehr wichtig ist, daher werde ich sicher nicht schreiben, wenn ich gerade einen Schnupfen habe und ein Foto meines Nasensprays posten. 

Vladyslav Sendecki: Facebook ist lustig. Schnelle Komunikation, das Wort, Bild ... es verkürzt die Wege ...

Liebe Angélique Duvier, lieber Vladyslav Sendecki, ich danke Ihnen beiden vielmals für das aufschlussreiche  Interview.

Ihre Helga König

Fotos aus dem Bestand von Angélique Duvier und Vladyslav Sendecki. Dort nach dem Namen der Fotografen fragen.


http://vladyslavsendecki.de/

Helga König im Gespräch mit Dr. Jurik Müller, Meteorologe, Buchautor und Verfasser zahlreicher Presseartikel, Bauernregelfan und Liebhaber nostalgischer Rosen.

Dr. Jurik Müller ist Meteorologe, Buchautor und Verfasser zahlreicher Presseartikel, Bauernregelfan und Liebhaber nostalgischer Rosen. Auf Twitter teilt er sein Wissen über Wetterregeln  mit und beschenkt zudem alle mit zauberhaften Blumenfotos. 

Lieber Dr. Jurik Müller, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Projekt "Interviews- Begegnungen mit Menschen" teilnehmen möchten. Dazu nun einige Fragen an Sie. 

Helga König: Was bedeutet Ihnen Mitmenschlichkeit und wie versuchen Sie diese zu leben? 

 Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Die Erziehung zu Mitmenschlichkeit, Liebe, Empathie und Anstand bedeuten mir sehr viel. Die Fähigkeit und die Bereitschaft, Emotionen, Gedanken, Empfindungen, zum Beispiel Trauer, Mitleid und Schmerz, sowie Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen verstehen zu können, sehe ich als wichtige Aufgabe in einer Gesellschaft an, in der leider sehr oft der "Ellenbogen" regiert. 

Der französische Philosoph und Schriftsteller Denis Diderot (1713-1784) brachte es aus meiner Sicht zumindest teilweise auf den Punkt, als er in Bezug auf Menschlichkeit schrieb: "Das ist ein Gefühl des Wohlwollens für alle Menschen, das nur in einer großen und empfindsamen Seele aufflammt. Diese edle und erhabene Begeisterung kümmert sich um die Leiden der anderen und um das Bedürfnis diese zu lindern; ...". Hinter diesen Worten verbirgt sich wohl auch Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl gegenüber anderen Menschen. 

Zur Menschlichkeit gehört aber auch die Achtung vor dem Leben jedes einzelnen Individuums, aber auch vor Tieren, die oft schlimmsten Qualen ausgesetzt sind, und unserer Pflanzenwelt. Die Freiheit des Andersdenkenden im Sinne von Rosa Luxemburg und der Brückenbau zwischen Menschen anderer Weltanschauung oder Religion erachte ich als eine meiner Lebensmaximen als Atheist. Das bedeutet auch, dass ich mich politisch engagiere, im Ortschaftsrat meines Heimatdorfes, im Stadtrat und im Kreistag, in dem ich auch als Vorsitzender des Ausschusses für Soziales und Gesundheit wirke.

Mit großer Sorge und Beschämen sehe ich, das betrifft sowohl Deutschland als auch Europa, die Diskussionen, die es auf höchster politischer Ebene um das Bleiberecht von Flüchtlingen gibt. Sie sind eines Landes, dass sich Humanität auf die Fahnen geschrieben hat, unwürdig.  

 Helga König
Helga König: Welchen Stellenwert hat Fairness für Sie? 

Dr. Jurik Müller: Anstelle des Wortes Gerechtigkeit wird heute mehr und mehr das aus dem Englischen stammende Wort Fairness genutzt, unter dem ein anständiges Verhalten im beruflichen und privaten Umgang mit anderen Menschen, aber auch im Spiel und im Sport zu verstehen ist. Als ehemaliger Direktor eines Forschungsinstitutes für Agrarmeteorologie und später als Leiter einer Agrarmeteorologischen Forschungs- und Beratungsstelle habe ich versucht, auf beruflicher Ebene stets Fairness walten zu lassen. Dazu gehört natürlich auch der Mut zur Ehrlichkeit. 

Sicher ist es mir, das möchte ich selbstkritisch als Rentner mit einem gewissen Abstand zur Zeit meiner Leitertätigkeit anmerken, diesbezüglich nicht immer gelungen, ein ausgewogenes und stets gerechtes Handeln an den Tag zu legen. Fairness bedeutet auch, und das ist meine felsenfeste Überzeugung, rücksichtsvoll gegenüber anderen, Berufskollegen oder einem Partner bzw. einer Partnerin, zu sein und diese so wie sie sind, zu akzeptieren. 

Solidarität ist für mich ebenfalls mit fairem Auftreten, dem Einhalten von Normen und Regeln im menschlichen Zusammenleben, mit Transparenz und mit Gleichberechtigung in zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Frau und Mann sowie zwischen Jung und Alt verschmolzen. Schwachen zu helfen, sie zu unterstützen, gehört mit zur Fairnesserziehung. Dem Gegenüber auf gleicher Augenhöhe begegnen, das muss das Ziel auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens sein. 

Anderen zuzuhören, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, sie ausreden zu lassen, ohne sie grundlos zu unterbrechen, das ist in meinen Augen Fairness. Insofern hat dieses Wort, das auch mit Chancengleichheit untrennbar verbunden ist, einen hohen Stellenwert für mich. So versuche ich als Mensch, dessen Herz weit links in der Brust schlägt, stets den Kriterien fairen Verhaltens gerecht zu werden. 

Helga König: Sie befassen sich in Ihren täglichen Posts stets auch mit Schutzpatronen. Was können wir Menschen von diesen zumeist vor langer Zeit verstorbenen Persönlichkeiten lernen? 

 Dr. Jurik Müller
Dr. Jurik Müller: Zunächst möchte ich feststellen, dass ich nicht religiös bin und keiner Konfession angehöre, obwohl ich nachvollziehen kann, dass dieser Eindruck durch meine Posts bei Twitter entstehen mag. Dessen ungeachtet beschäftige ich mich intensiv mit der Vita von Heiligen. Die mit ihnen verbundenen Geschichten, Überlieferungen und Anekdoten gehören zum Kulturgut. Seit dem ich im Jahre 1991 angefangen habe, selbst Bauernregeln zu verfassen, denen Gedenktage von Heiligen zugrunde liegen, fasziniert mich deren Leben und Verhalten, aus dem man auch für die heutige Zeit viel lernen kann. Nehmen wir als Beispiel Hildegard von Bingen, die um 1098 in Bermersheim geboren wurde, im Jahre 1179 auf dem Rupertsberg bei Bingen starb und als Klostergründerin, Äbtissin und Mystikerin wirkte. In Bezug auf sie reimte ich: "Brauchst du um Hildegard (17.09.) noch einen Sonnenhut, tut der Herbst bis Burkhard (14.10.) den Trauben gut." 

Obwohl von zartem und gebrechlichem Wesen und in einer von Männern dominierten Welt lebend, war Hildegard, der Name bedeutet "rettende, beschirmende Heldenjungfrau", politisch engagiert und machte auch als Künstlerin, Dichterin und Ärztin von sich reden. Die von ihr festgehaltenen, eine gesunde Lebensführung betreffenden Regeln befassten sich auch mit sexuellen Fragen. Als mutig und richtungsweisend müssen die von ihr entwickelten Gedanken zur Rolle der Frau angesehen werden.

Ihre Vorstellungen von Naturheilkunde und Ernährung fanden in jüngerer Zeit wieder große Beachtung. Die besondere Leistung Hildegards besteht darin, das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus griechisch-lateinischer Tradition mit der Volksmedizin zu verbinden. Sie hatte unter anderem so großen Erfolg, da sie bestrebt war, die volkstümlichen Pflanzennamen zu verwenden. 

Andere Heilige setzten sich zu Lebzeiten für Schwache und Kranke oder Arme und Bedürftige ein. In diesem Zusammenhang sei an den von 1578 bis 1622 lebenden Fidelis von Sigmaringen, den "Advokat der Armen", erinnert, der sich menschlich und sozial sehr engagierte. Eine solche Haltung wünschte man sich von manchem unserer Zeitgenossen. 

  Helga König
Helga König: Zudem erfreuen Sie Ihre Leser mit Wetterregeln. Wie reagieren Ihre Leser auf diese oft hilfreichen Posts? 

Dr. Jurik Müller: Ich muss gestehen, dass es sich bei den meisten meiner Posts um Wetterregeln aus der eigenen Feder handelt. Innerhalb der letzten 27 Jahre sind 4000 solcher Reime entstanden, von denen ich etwa 1000 in dem im Jahre 2008 beim BS Verlag Rostock erschienenen Buch "Bauernregeln, Wettersprüche und Lostagreime aus der Feder von Dr. Jurik Müller" vorgestellt habe. Was aber bewegt nun einen Meteorologen, eigene Bauernregeln zu dichten und niederzuschreiben? Auf diese Frage angesprochen, lautet die Antwort, den Schatz bäuerlicher Erfahrungen für die Nachwelt zu erhalten, die aufgezeigten mehr oder weniger guten Zusammenhänge in neue "Wortgewänder" zu kleiden und mit den Reimen aus eigener Feder das Interesse an den Bauernregeln neu zu beleben. 

Meine Absicht besteht aber auch darin, manchen Kritiker der vom Volksmund überlieferten Spruchweisheiten nachdenklich zu stimmen und ihn offener für das Denken des Landmanns in früherer Zeit zu machen. Darüber hinaus bereitet es immer wieder Spaß, so mit den Worten zu jonglieren, dass keine Sinnentstellung oder gar Negierung des vom Volksmund in Sprüche gefassten Wissensstandes der Bauern in früheren Jahrhunderten entsteht. 

Ich spüre, dass die mir folgende "Twittergemeinde" meine "Bauernregelposts" mit großem Interesse zur Kenntnis nimmt. Das belegen auch viele Reaktionen, die sich nebenbei gesagt, aber auch auf meine Natur- und Liebeslyrik beziehen. Natürlich freue ich mich darüber. Auch die Tatsache, dass unzählige Zeitungsartikel von mir zum Thema Bauernregeln, insbesondere in der Mitteldeutschen Zeitung, in der Südthüringer Zeitung und in der Bauernzeitung erschienen sind, belegen die wachsende Bereitschaft der Bevölkerung, sich mit dem Thema Bauernregeln zu befassen. In den Jahren 2011, 2014 und 2016 erschienen weitere Bücher, die sich mit den Hintergründen der alten Spuchweisheiten und der von mir verfassten neuen Sprüche auseinandersetzen, beim BLV Buchverlag München. 

Ein Ziel meiner Aktivitäten bei Twitter, die offenbar von den Followern begrüßt werden, besteht auch darin, das Bauernwissen, auch wenn die Sprüche die Leistungen der modernen Meteorologie nicht ersetzen können, in das Bewusstsein vor allem auch jüngerer Menschen zu heben, gingen doch in der Hektik unserer schnelllebigen Zeit das Gespür für die Vorgänge in der Natur und die Fähigkeit der Beobachtung solcher Vorgänge verloren. 

Helga König: Ihre Fotos verdeutlichen, dass Sie ein Blumenfreund sind.  Möchten Sie Ihre Mitmenschen mit den Blumenbildern eine besondere Freude machen und ein wenig mit der Natur versöhnen oder worum geht es ansonsten bei den von Ihnen geposteten schönen Fotos? 

  Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Die von 1785 bis 1859 lebende Schriftstellerin Bettina von Arnim schrieb einmal: "Blumen sind die Liebesgedanken der Natur". Dieses Zitat lässt mich seit der Zeit, in der ich in Weimar die Erweiterte Oberschule "Friedrich Schiller" besucht habe, die ich 1967 mit dem Abitur abschloss, nicht mehr los. Auch meine ungarische Ehefrau hat einen großen Anteil daran, dass ich mich leidenschaftlich gern mit Blumen befasse. Sie tut das nämlich seit ihrer Kindheit. Vor einigen Jahren schenkte sie mir zu Weihnachten eine Spiegelreflexkamera. Und seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht im Garten oder bei einem Spaziergang etwas Neues entdecke, dass mich reizt, diese Digitalkamera einzusetzen. An den so entstandenen Blumen- und Gartenfotos habe ich selbst große Freude und sehe es natürlich gern, wenn ich auch anderen damit Freude machen kann. 

Natürlich liegt mir auch daran, das Verhältnis der Menschen zur Pflanzen- und Tierwelt zu verbessern, die oft achtungslos an den Schönheiten, welche die Natur für uns bereit hält, vorübergehen. Auch Wildpflanzen haben es mir angetan. Sie werden eigentlich zu Unrecht als Unkraut bezeichnet, haben sie doch wichtige Aufgaben im "Haushalt" der Natur zu erfüllen. Viele der Blumenfotos, die ich angefertigt habe, sollen auch die Stimmung, die in meinen Natur- und Liebesgedichten zum Ausdruck kommt, unterstreichen. 

  Helga König
Helga König: Was sagen Sie als Meteorologe zum Klimawandel, speziell im Hinblick auf die Verantwortung gegenüber den Folgegenerationen? 

Dr. Jurik Müller: Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, wird es bemerkt haben, die Wetterextreme nehmen zu. So gestaltet sich die räumliche und zeitliche Verteilung der Niederschläge immer ungünstiger. Dürren plagen die Landwirtschaft. Sturmereignisse und Tornados, wer sprach schon vor 30 bis 40 Jahren hierzulande von den oft kleinräumigen, aber sehr verheerenden, rotierenden Luftsäulen mit Bodenkontakt, treten immer häufiger auf. Die Atmosphäre gerät aus ihrem goldenen Gleichgewicht, schafft sich Ventile in Gestalt von katastrophalen Unwettern. 

Wenn die Menschen so weitermachen wie bisher, Urwälder roden, Raubbau an natürlichen Ressourcen betreiben, sich nicht alternativer Energieformen bedienen, steuern wir auf einen Punkt zu, an dem irreversible Vorgänge in der Atmosphäre in Gang gesetzt werden, die das Leben auf unserem Planeten gefährden können. So lange die Gier nach Profit im Vordergrund steht, lässt sich dem Fortschreiten des Klimawandels, der vielleicht vorübergehend in Südschweden auch den Anbau von Riesling ermöglichen würde, bis hin zur Klimakatastrophe nicht Einhalt gebieten. 

Eiskeller oder Treibhaus? Bei dieser Frage streiten sich hier und da noch die Geister. Auf jeden Fall lässt sich die voranschreitende Klimaerwärmung meines Erachtens nicht mehr leugnen. Wenn sich nicht alle etwas einschränken, besteht die Gefahr, dass wir künftigen Generationen gemäß dem Motto "Nach uns die Sintflut" eine nicht mehr intakte, nicht mehr lebenswerte Umwelt hinterlassen. 

Helga König: Dort, wo Sie zuhause sind, hat die Heilige Elisabeth einst gewirkt. Welche Bedeutung hat für Sie Barmherzigkeit? 

  Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Auf der Wartburg bei Eisenach existieren Wandgemälde von Moritz von Schwind, die als die sieben Werke der Barmherzigkeit der heiligen Elisabeth von Thüringen bzw. von Ungarn bekannt geworden sind: Die Hungrigen speisen, Die Durstigen tränken, Die Nackten kleiden, Die Müden beherbergen, Die Gefangenen trösten, Die Kranken pflegen, Die Toten begraben. In diesen sieben Werken tritt die Heilige Elisabeth als Trostspenderin und Helferin auf. 

Barmherzigkeit heißt für mich, mein Herz fremder Not zu öffnen und sich ihrer mildtätig anzunehmen, also Menschen in schweren Lebenssituationen zu helfen. In Verbindung damit stehen Gerechtigkeit und Zuwendung. Barmherzigkeit bedeutet aus meiner Sicht aber auch, Fremde aufzunehmen. Leider wird in der heutigen Zeit der Begriff Barmherzigkeit auf die Verteilung von Almosen reduziert. Für mich stellt die heilige Elisabeth ein Vorbild barmherzigen Handelns dar. 

Als Elisabeth im Hungerjahr 1226 alles verfügbare Korn an Arme und Bedürftige austeilen ließ und heftige Vorwürfe gegen sie laut wurden, sollen sich einer Legende zufolge alle Säle und Kammern mit Korn gefüllt haben. Die Schutzpatronin der Witwer, Waisen, Bäcker und Obdachlosen wird in der Kunst nicht umsonst mit einem Korb voll Rosen, einem Korb mit Broten, einer Schüssel mit Fischen und einem Bettler dargestellt. Brot und Rosen als ein Symbol der Barmherzigkeit. 

  Helga König
Helga König: Welche Tugenden benötigt ein Mensch, um ein Menschenfreund zu sein und kann man diese Tugenden kultivieren? 

Dr. Jurik Müller: Zu den Tugenden eines Menschenfreundes würde ich die Fähigkeiten zählen, anderen zuzuhören, sich in einen Menschen hineinzuversetzen, Verständnis auch für bestimmte Laster aufzubringen, nachsichtig zu handeln und Beleidigungen sowie Kränkungen zu vermeiden. Als weitere Tugenden erachte ich, das Vorgehen gegen Unrecht, sich gegen dieses zu empören und zu wehren, Erniedrigungen anderer zu verurteilen, vor Gefahren zu warnen und auch vor sittlichem Verfall. Dass solche Tugenden in einer Gesellschaft, in welcher der Tanz um das Goldene Kalb im Vordergrund steht, zu verkümmern drohen, versteht sich von selbst. 

Daher ist es dringend vonnöten, im gesamten Schul- und Erziehungswesen, dieser Tatsache in angemessener Form Rechnung zu tragen. Mit der Erziehung zu humanistischem Handeln, die Gesellschaft dahingehend zu reformieren, dass sich wieder mehr Menschen solche Tugenden zu eigen machen, und der Wert eines Menschen nicht durch seinen Geldbeutel definiert wird. 

Helga König: Wie wichtig ist Ihrer Ansicht nach ein intensiveres Ethik-Verständnis im Hinblick auf unsere neoliberalen Zeiten? 

  Dr. Jurik  Müller
Dr. Jurik Müller: Betrachtet man Ethik als einen Teilbereich der Philosophie, der sich mit der Bewertung und den Voraussetzungen menschlichen, moralischen Handelns befasst und Hilfe für sittliche Entscheidungen liefern soll, so besitzt diese im Hinblick auf unsere neoliberalen Zeiten eine große Bedeutung, da in diesen eine Rückbesinnung auf den "Raubtierkapitalismus" erfolgt. Dabei steht für neoliberal eine Abwendung von sozialer Marktwirtschaft. Indem der Staat dem Kapital die Zügel in die Hand gibt, vergrößert sich die Gefahr von Lohn- und Sozialabbau. Wesentlich für eine ethische Bewertung der Handlungen der Menschen sind daher die mit ihnen verbundenen Folgen. 

  Helga König
Helga König: Glauben Sie, dass der bewusste Umgang mit Bäumen, Pflanzen und Blumen Menschen positiv verändern kann und wenn ja wie? 

Dr. Jurik Müller: Der bewusste Umgang mit Bäumen, Pflanzen und Blumen kann durchaus Menschen positiv verändern, wenn sie begreifen lernen, dass wir die Natur zum Leben brauchen. Diesem Grundsatz sollte bereits im Kindergarten und später in der Schule Rechnung getragen werden. Eine Zerstörung der Natur durch falsches Verhalten der Menschen, ich denke hier nur an das Bienen- und Insektensterben, kann uns unserer Lebensgrundlagen berauben. 

Übertriebene Flächenversiegelungen verändern nicht nur nachteilig den Wasserhaushalt in betroffenen Arealen, sondern schädigen auch die Pflanzenwelt der Umgebung. Mein Vater sagte einmal zu mir: "Wo Bäume sterben, stirbt auch der Mensch". Das hat mich zu nachstehendem Gedicht verleitet: 

Ein lautloser Schrei 
Am Dorfrand 
hatte er gestanden, 
Schattenspender und Regenschutz 
zugleich. 
In seiner Rinde schlugen 
die Herzen Jungverliebter. 
Als die Säge 
sich ins Stammholz fraß, 
weinten die Vögel. 
Der Abschied, 
ein lautloser Schrei. 
In seinen Jahresringen 
lebten Märchen 
aus Großmutters Tagen.

Lieber Dr. Jurik Müller, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Anbei der Link zum Twitteraccount von Dr. Jurik Müller: https://twitter.com/DrJurikMueller

Helga König im Gespräch mit dem Diplom-Psychologen Franz Schwald

Der fast 90 jährige Diplom-Psychologe Franz Schwald ist in den sozialen Netzwerken sehr aktiv und beeindruckt durch seine zahlreichen dem...