Helga König im Gespräch mit dem investigativen Journalisten und Medienunternehmer Erich Neumann

Lieber Erich Neumann, Sie sind Medienunternehmer, investigativer Journalist, Initiator und Koordinator reiner non profit Initiativen zur Selbsthilfe mit den für Betroffene, Geschädigte und Opfer dort für diese u. a. gegen Wirtschaftskriminalität, unterdrückte Pressefreiheit, Politverflechtungen und Justizdefizite Eintretenden und zeigen sich insbesondere in den sozialen Netzwerken dabei sehr engagiert im Hinblick auf Ethik.

Helga König: Was treibt Sie an, sich für eine gerechtere Welt einzusetzen?

 Erich Neumann
(Foto: http://www.chapmann.fort-art.de/) 
Erich Neumann: Nicht gerade wie die Jungfrau zum Kinde gekommen, jedoch absolut ungewollt mit den Existenz vernichtenden Negativfolgen massivster Wirtschaftskriminalität konfrontiert, war der Einstieg die Gegenwehr bzgl. dieses Lebensschicksals und die für unser Land so unglaublichen, dabei bewusst gewordenen Defiziten. Anderweitig Betroffene, Geschädigte und Opfer bemerk(t)en dies und wandten sich um Hilfestellung an mich, sodass alles Weitere als geradezu logische Folge entstand.

 Helga König
Helga König: Was verstehen Sie unter einem sinnstiftenden Miteinander?

Erich Neumann: Die großartige Schöpfung bewahren helfen für eine Welt, die auch morgen noch lebenswert ist und guten Gewissens an unsere Nachkommen übergeben werden kann. Dabei ist der Genossenschaftsgedanke von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dessen 200. Geburtstag unmittelbar bevorsteht, die mir näheste Lösungsoption.

Helga König: Wie kann man Ihrer Meinung nach eine ethischere Grundhaltung in der Wirtschaft bewirken?

 Erich Neumann
(Foto: http://www.chapmann.fort-art.de/) 
Erich Neumann: Indem wir wieder mehr Unternehmer statt Manager an den Schaltstellen haben und Profit durch Stärke, jedoch nicht Gier und Zukunft- wie Menschen verachtende Methoden entsteht. Wolfgang Grupp ist seit Jahrzehnten mit Trigema ein Beweis, dass und wie es sehr wohl und auch in Deutschland anders geht! Profit nur über Vorteile für Viele und nicht Nachteile für die Allgemeinheit muss die Devise sein!

Hühner nach Afrika zu liefern, damit dort Landwirtschaft entsteht und von einem anderen EU-Sesselfurzer-Ressort aus subventioniertes Hühnerfleisch – in unserer Dekadenz verwerten wir ja selbst nur ausgesuchte Teile! – welches den Verkauf der dort gezüchteten Hühner preislich unterläuft, ist eine der Perversitäten unseres Handelns neben dem Ausbeuten dieses Kontinentes, während wir von den so mit erzeugten Flüchtlingsbewegungen die Augen verschließen. So wird allgemein auch die Wasserpolitik – welch verharmlosendes Wort für den Wasserraub eines Konzernes, der keine Politik betreibt, die Politik(er) jedoch vor sich hertreibt – kritisiert, an der Warentheke allerdings eine völlig andere Kaufentscheidung getroffen, obwohl wir über gerade diese alles in der Hand haben, ohne in irgendeiner Form organisiert sein zu müssen, außer uns endlich solidarisch zu verhalten! 

 Helga König
Helga König: Ist unethisches Handeln in der Politik generell vermeidbar? 

Erich Neumann: Nein, nichts ist generell möglich, da steht die menschliche Schwäche entgegen. Allerdings ist die Marionettendegradierung der Politik durch das im Hintergrund lenkende Großkapital, während die Allgemeinheit noch immer auf Lösungen von ihr hofft, eines der größten Mankos unserer Zeit. Das Parteiensystem hat sich zudem überholt und selbst abgeschafft. 

Helga König: Die FAZ schrieb am 06. 04.2018 in einem Artikel über das "Konservative Manifest" in der CDU. Darin geht es u. a. um die Rückkehr zum traditionellen Familienbild. Sehen Sie darin eine Ausgrenzung für all jene, die sich zu anderen Familienkonstellationen entschieden haben und wenn ja, wie werten Sie dies? 

 Erich Neumann
(Foto: http://www.chapmann.fort-art.de/) 
Erich Neumann: Nein keinesfalls. Ich befürworte das traditionelle, vielmehr göttliche Familienmodell: “Als Mann und Frau erschuf ER sie!“, ohne dass mir die Toleranz für andere Lebensformen fehlt. Diese befinden sich eben in eigenen Positionen, zu deren Bestand es Kriterien, wie bzw. die gesicherte Erbregelung, etc. bedarf, nicht jedoch die Aufgabe der Ehe von Mann und Frau: schon gar nicht in verfassungswidriger Form! Zumal wir die Negativfolgen einer mehr und mehr in Schieflage gratenden und ihren Zusammenhalt verlierenden Gesellschaft in vielen ihrer Problemstrukturen immer drastischer zu spüren bekommen. Es ist eines der Übel unserer Zeit, dass wir Alles wollen und was nicht möglich ist, auf die unmöglichsten Arten möglich zu machen suchen. Wo bitte ist die Authentizität von Lesben und Schwulen so zu sich zu stehen, dass sie ungehindert leben und gleichzeitig akzeptieren, was nicht möglich ist, anstelle das Anpassen der Allgemeinheit einzufordern?

 Helga König
Helga König: Ist Wiedereinführung der Wehrpflicht, die offenbar in besagtem Manifest auch gefordert wird, ein Schritt hin zu nationalstaatlichen Tendenzen hierzulande und ein nicht überhörbarer Weckruf für die Friedensbewegung? 

Erich Neumann: Nochmals nein, keinesfalls. Ob eine Armee mit oder ohne Wehrpflicht geführt wird, hat nichts mit nationalstaatlichen Tendenzen zu tun und die Wehrpflicht hat wie alles im Leben zwei Seiten, durchaus also auch Gutes. Für die Friedensbewegung gilt Gleiches, wie bei den nationalstaatlichen Tendenzen! 

Helga König: Sie haben dieser Tage auf Facebook einen Beitrag verlinkt, in dem der Autor u. A. schreibt “Gewinnmaximierung für die Aktionäre privater Krankenhausketten & privater Pflegekonzerne auf der Basis VON "SOLIDARBEITRÄGEN" (Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge): Einfach nur pervers!“. Wie werten Sie dieses Verhalten der Aktionäre und was erwarten Sie seitens der Politik? 

 Erich Neumann
(Foto: http://www.chapmann.fort-art.de/) 
Erich Neumann: Das Verhalten der Aktionäre bewerte ich hier nicht anders als bei anderen Aktiengesellschaften. Die Aktien haben längst nicht mehr den Sinn, mit dem sie einst eingeführt wurden und der Aktienmarkt ist zu einer unkontrollierbaren Bestie geworden. Wenn ich meinen Profit über volkswirtschaftliche Negativfolgen stelle, versage ich: egal in welcher Branche. Es gibt allerdings gewisse Branchen – wie das Gesundheitswesen, aber nicht nur das – die müssen von der Gewinnerzielung abgekoppelt werden! 

Helga König: Was bedeutet Ihnen Wertschätzung gegenüber Menschen, die nachweisbar unethisch handeln? 

Erich Neumann: Weshalb sollte ich denen Wertschätzung entgegen bringen, nachdem sie sich selbst aus der Wertegemeinschaft verabschiedet haben? Missachtung und hinführen zu ethischem Handeln ist durchaus auch eine gottgewollte Haltung!

Helga König: Wenn Sie gewisse Politiker als "Flachpfeifen" bezeichnen, ist Ihre Empörung wegen deren Verhaltens zu diesem Zeitpunkt so groß, dass es Ihnen nicht mehr gelingt die Contenance zu wahren oder kränken Sie dann bewusst? 

 Erich Neumann
(Foto: http://www.chapmann.fort-art.de/) 
Erich Neumann: Jetzt aber langsam mit den jungen Pferden! Eine unserer übelsten, vermeintlichen Errungenschaften ist die erbärmliche Political Correctness. Meine Empörung ist keineswegs eine nur temporäre und die Contenance wahre ich sehr wohl, wenn ich nur von Flachpfeifen spreche. Nicht nur, weil meine bayerische Direktheit auch anderes Vokabular beinhaltet. Was bitte sind die, von mir so Genannten, denn sonst – welche Kränkung kann also die Wahrheit sein? – und wie wollen wir die Bevölkerung wach rütteln, zumal in Konkurrenz zum Nazi-Jargon der AfD stehend? Wir müssen endlich an die Ursachenbeseitigung und nicht über eine Sprachverniedlichung beschönigen, sowie das Wegsehen begünstigen! 

Helga König: Ist unser Land auf dem Weg wieder BRAUN zu werden und wird es für Kritiker und Menschenfreunde allmählich Zeit die Koffer zu packen? 

Erich Neumann: Wie auf dem Weg? Wann war unser Land mit einer Erika Steinbach im Bundestag und diversen Gestalten in Behörden, Justiz und Politik nicht braun belastet? Es hat jetzt allerdings in bedrohlichem Ausmaß Fahrt aufgenommen! Wer die Koffer packt, die Flucht antritt und erneut wegsieht, ist weder Kritiker noch gar Menschenfreund: die vielen Blutopfer der NS-Zeit dürfen nicht umsonst gewesen sein!

Lieber Erich Neumann, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Interview.

Ihre Helga König

Bildrechte am Foto von Erich Neumann:
http://www.chapmann.fort-art.de/
Anlagen: 
Medienunternehmer www.cmp-medien.de (“Werbeerfolg Satellitengestützt“ | Stiftung Heilkräftig | Medien wirksam eG ... weil sich Etwas ändern muss! | jurawatch ... damit Justiz wieder Vertrauen verdient!) und freier investigativer Journalist über DFJ Deutsche Foto-Journalisten e. V. www.dfi-ev.de – Initiator und Koordinator der IG‘s Geschädigter Müller-Risch u. A. www.facebook.com/MehrEthikinderWirtschaf, Verbesserungen des OEG Opferentschädigungsgesetz www.facebook.com/OEGkuenftigfairundgerecht?fref=ts, sowie beim Verkauf militärischer Anlagen www.facebook.com/pages/Gesundheits-und-Umweltgefahren-beim-Verkauf-militärischer-Anlagen/1690614027824832?fref=ts – Aktivist bei BCC Business Crime Control e. V., Köln www.businesscrime.de Postfach 11 11, D – 67501 Worms, GSM 01 60 962 86 676, e-Mail e.neumann@cmp-medien.de Attac, Stern und Centralfilm haben im Rahmen ihrer Aktion “Starte Deine eigene Revolution“ zum Kinostart der Che Guevara-Biografie “Che – Revolucion“ von Steven Soderbergh im August 2009 die IG Geschädigter Müller-Risch (https://sites.google.com/site/mehrethikinderwirtschaft) unter die 5 in ihren Augen überzeugendsten, dringlichsten und mit den größten Potentialen für möglichst viele Menschen Gutes zu bewirken ausgestatteten Konzepte ermittelt und präsentiert. Neben Wirtschaftskriminalität auch gegen Justiz- und Politdefizite engagiert mit diesem Echo: nachdem der mdr in seinem Format exakt am 09. November 2010 unsere Rechercheergebnisse zu Fragen bei der Verwendung von Geldern aus Strafverfahren aufgriff, berichtete ZAPP – Das Medien magazin des NDR am 25. Mai 2011 zum Verständnis der Pressefreiheit in Sachsen, wobei dabei zwangsläufig ebenso wie in BILD Dresden nur die Spitze des Eisberges thematisiert und dies dann mit dem Deutschen Presserat in mdr um 12 diskutiert, sowie vom Spiegel in Ausgabe 31 vom 01. August 2011 unter “Die Härte des Systems“ weitere Hintergründe beleuchtet wurden, ehe es im JournalistenBlatt von DPV und bdfj der Aufmacher seiner Ausgabe zur Medienwoche@IFA2011 in Berlin war: www.ethik-in-der-wirtschaft.de/index.php/justizdefizite! Zudem 2009 mit “Lücken der Finanzaufsicht bei Kirchen“ und 2013 “In Spendierroben: wie Richter ohne Kontrolle Geld aus Prozessen verteilen“ in den Top 10 Themen von INA Initiative Nachrichtenaufklärung www.derblindefleck.de! Unterstützung für www.facebook.com/MehrEthikinderWirtschaft, die existentiell wichtige Erfolgsgrundlage von IG Geschädigter und cmp®

Helga König im Gespräch mit dem Philosophen Dr. Nicolas Dierks, Autor bei Rowohlt, Speaker.

Lieber Dr. Nicolas Dierks, Sie sind Philosoph, Autor bei Rowohlt, Speaker, betreiben den Blog "#Nicolas_ Dierks" und werden von der Presse hochgelobt.

Helga König:  Auf Ihrem Twitter-Account haben Sie nachstehende Sentenz von Goethe angeheftet: "Sobald du dir vertraust, sobald weißt du zu leben." Wie interpretieren Sie diesen Satz?

 Dr. Nicolas Dierks
Foto: Markus Brügge
Dr. Nicolas Dierks: Dieser Satz stammt aus Goethes Faust I und wird von Mephistopheles geäußert. Damit will er Faust ermuntern, das Studierzimmer zu verlassen und mit ihm in der Welt die Lebensfreude zu entdecken – die Faust ja verloren hat. Denn Faust ist zögerlich, unsicher und fühlt sich, wie er sagt, vor andren klein. Diese Gefühle kennen viele aus eigener Erfahrung. Viele Menschen leben nicht das Leben, das sie eigentlich leben möchten, weil sie Angst vor Veränderung haben oder davor, was die anderen sagen werden. Dieser Satz sagt: "Hab mehr Sebstvertrauen!" Natürlich ist das allein kein Universalrezept für ein gelungenes Leben (das sind solche Sätze nie). Aber er stößt eine wichtige Frage an: Wenn ich mir viel mehr zutrauen würde, was würde ich dann tun? 

 Helga König
Helga König: Was sind für Sie die Voraussetzungen für ein sinnstiftendes Miteinander? 

Dr. Nicolas Dierks: Freiwilligkeit und Authentizität spielen für mich dabei eine zentrale Rolle – nicht gegen den eigenen Willen dabeisein zu müssen und man selbst sein zu dürfen. Und im nächsten Schritt gilt es zu verstehen, dass individuelle Eigenständigkeit kein Widerspruch zu einer solidarischen Gemeinschaft sein muss – wenn ich z. B. für meinen individuellen Beitrag gemeinschaftliche Wertschätzung erhalte. Ich würde mir mehr von solchem aufgeklärten Gemeinsinn wünschen. 

Helga König: Sie haben am 20. Februar den Satz getwittert: "Das Gefühl der Ohnmacht hängt mit sozialer Fragmentierung zusammen - gemeinsam geht mehr!" Woher kommt diese soziale Fragmentierung? 

 Dr. Nicolas Dierks
Foto: Markus Brügge
Dr. Nicolas Dierks: Es gibt verschiedene Faktoren dafür. Aus philosophischer Sicht scheint mir die soziale Fragmentierung die Schattenseite einer eigentlich guten Entwicklung zu sein: des Individualismus. Die Emanzipation des Individuums mit seinen Rechten und Freiheiten ist enorm wichtig und auch noch nicht abgeschlossen. Aber wir müssen uns als eine Gemeinschaft freier Individuen begreifen, nicht als ein Haufen von Egoisten. 

Helga König: Auf Ihrem Blog hat man die Chance, sich in 10 Strategien für ein besseres Leben zu vertiefen. Dort schreiben Sie u.a. "Sich verbindlich auf etwas festzulegen, fällt heute schwer. Doch ohne Verbindlichkeit können wir uns noch nicht einmal selbst treu bleiben. Entscheiden wir also konsequent, wie wir ab jetzt keinesfalls mehr handeln wollen und sagen wir uns selbst "Schluss jetzt – die Diskussion ist beendet!" In Zeiten, die vom Egoismus geprägt sind, wird diese Haltung gewiss als einengend begriffen. Wie kann man Menschen bewusst machen, dass sich selbst treu zu bleiben, wirklich sinnstiftend ist? 

Dr. Nicolas Dierks: Ich wünschte, ich hätte darauf eine einfache Antwort. Es ist heute ungeheuer schwer – gerade weil wir so viele Möglichkeiten haben. Fast ständig fragen wir uns: "Ist was ich gerade habe oder tue wirklich das Beste – oder verpasse ich etwas?" Offen für Chancen zu bleiben, ist sicherlich gut – aber wir sollten auch klären, was für uns wirklich wichtig ist. Ansonsten drohen wir im Leben die Richtung zu verlieren, die wir ihm geben wollen. Wenn mir z. B. Gesundheit sehr wichtig ist, dann sollte ich eine gesunde Lebensweise annehmen. Wenn ich dann aber nach momentaner Laune jeweils anders handle, dann lebe ich letztlich nicht so, wie ich es eigentlich möchte. Etwas wirklich wichtig zu nehmen heißt, kontinuierlich danach zu handeln – andernfalls handle ich nicht im tieferen Einklang mit mir. 

  Helga König
Helga König: Sie empfehlen auf Ihrem Blog u.a. "wohlwollendes Zuhören". Durch die Digitalisierung strömen unendlich viele Informationen auf uns ein. Das lenkt ab. Das verhindert oft, dass man sich auf Gedanken anderer wirklich einlässt, nicht nur virtuell. Dies führt dann zu Missverständnissen. Könnte die Lösung des Problems mehr selbstverordnete Disziplin heißen? 

Dr. Nicolas Dierks: Das kommt darauf an. Wenn mit "Disziplin" gemeint ist, dass man immer hochkonzentriert sein muss und sich mit Willenskraft zum Zuhören zwingt, dann bin ich da eher skeptisch. „Disziplin“ müsste eher heißen, die eigenen Gewohnheiten bewusst zu machen, sie zu hinterfragen und durch Übung zu verbessern. Techniken wie die Gewaltfreie Kommunikation sind dafür gut geeignet. Dazu gehört z. B. weniger vorschnell zu urteilen und erstmal Fragen zu stellen, statt dem anderen beim ersten Hören gleich das zu unterstellen, was man verstanden zu haben meint. Häufig zeigt sich, dass die negativen Ansichten und Absichten, die wir anderen schnell unterstellen, eher Missverständnisse oder Projektionen sind. 

Helga König: Gegenseitige Fürsorge widerspricht dem Verhaltensmuster in den meisten Hierarchien, in denen Mobbing leider nicht selten Programm ist. Wie kann man Menschen den Vorteil gegenseitiger Fürsorge begreifbar machen? 

 Dr. Nicolas Dierks
Foto: Markus Brügge
Dr. Nicolas Dierks: Ich bin mir nicht sicher, dass es hier ein allgemeines Rezept gibt. Vielen ist eigentlich klar, dass Egoismus und Mobbing letztlich dem Ganzen schaden, weil die Kräfte sich gegenseitig verringern, anstatt sich durch Synergien zu verstärken. Häufig fehlt Menschen einfach die Erfahrung einer solchen Struktur, wo jeder jeden fördert und dadurch alle gemeinsam am weitesten kommen. In Workshops kann man Teilnehmer diese Erfahrung machen lassen – aber das darf keine Insel bleiben, sondern muss im Alltag verankert werden. Dafür braucht es vor allem gegenseitiges Vertrauen. 

  Helga König
Helga König: Sie haben Anfang Februar 2018 getwittert: "Es bringt viel, sich mit gebildeten, intelligenten Menschen zu unterhalten, die eine total andere Meinung haben als man selbst." Wo liegen Ihrer Meinung nach die Gründe, dass gebildete, intelligente, demnach dann wohl auch stringent denkende Menschen zu unterschiedlichen Meinungen gelangen können? 

Dr. Nicolas Dierks: Dafür gibt es viele Gründe – einen anderen Wissensstand, unterschiedlicher kultureller Hintergrund, unterschiedliche Situationen oder auch ein unterschiedliches Bild von der Gemeinschaft, in der wir gerne leben würden. Gerade deshalb ist es so wertvoll, die vielen Meinungen und Standpunkte ins Gespräch zu bringen, ohne Andersdenkende gleich für dumm, böswillig oder verrückt zu erklären. Übereinstimmen sollten wir aber darin, dass wir friedlich miteinander leben wollen und alle die gleichen Chancen haben, ihre Vorstellung eines guten Lebens ausbilden und verfolgen zu können. Das klingt erstmal friedlich – ist in Wahrheit aber ein Prozess voller notwendiger Konflikte. 

Helga König: Sie haben auch getwitterten: "Wer tiefer in die #Philosophie einsteigen will, der tut gut daran, mal einen Autor kontinuierlich zu lesen und nicht zu viel zu springen." Da sind wir wieder beim "Zuhören". Was spricht dafür, Sie kontinuierlich zu lesen und Ihre Gedanken weiter zu verbreiten? 

 Dr. Nicolas Dierks
Foto: Markus Brügge
Dr. Nicolas Dierks: Ich verstehe diese Frage nicht als Aufforderung zur Eigenwerbung, sondern den Beitrag zu erläutern, den ich leisten möchte. Dazu gehört, allgemein gesprochen, Philosophie aus der angestaubten Ecke herauszuholen und als Praxis für jede und jeden zugänglich zu machen. Deshalb schreibe ich nicht nur wenig verklausuliert, sondern auch erzählend und persönlich. Philosophie ist ursprünglich tief im Leben verankert und ich versuche das zu fördern, indem ich mit einer "menschlichen Stimme" philosophiere – auch wenn für Kenner eine Menge Philosophiegeschichte und Systematik durchscheint. Mein nächstes Buch geht sogar noch weiter in diese Richtung. Mir ist klar, dass ich dadurch für manche weniger wie ein "Experte" wirke. Aber mir ist ein echter Austausch viel wichtiger, um mit philosophischem Werkzeug wirklich zum Herz des Lebens zu kommen. 

  Helga König
Helga König: Sie posteten im Januar "Plan für dieses Jahr: 1. Klarer fühlen, 2. Klüger handeln, 3. Geistig wachsen.“ Welche Strategien empfehlen Sie als Menschenfreund, Ihren Mitmenschen, um den von Ihnen aufgestellten Plan erfolgreich umzusetzen? 

Dr. Nicolas Dierks: Zunächst würde ich jedem empfehlen, sich selbst besser kennen zu lernen und aufrichtig zu schauen, wo man sich entwickeln möchte. Unser Selbstbild weist häufig etliche blinde Flecken auf – die wir aufdecken können, wenn wir einfach mal Menschen fragen, die uns gut kennen und uns Mal einen ehrlichen Hinweis geben dürfen. Wenn drei verschiedene Freunde fast das Gleiche sagen, dann könnten wir da sicher drüber nachdenken. Jede Antwort wird individuell ausfallen. Aber insgesamt scheint es mir wichtig, dass wir uns nicht vor falsche Alternativen stellen – wie "Kopf oder Bauch"? Ein "entweder – oder" ist da kontraproduktiv. Wir sind Wesen mit vielen Fähigkeiten und es kommt eher darauf an, alle zu entwickeln und in ein gutes Zusammenspiel zu bringen, wie ich das in "Luft nach oben" anhand der "Begründungsfolge" beschrieben habe. 

Helga König: Was möchten Sie durch Ihren Auftritt bei Twitter bewegen? 

 Dr. Nicolas Dierks
Foto: Markus Brügge
Dr. Nicolas Dierks: Zunächst einmal möchte ich Menschen ermöglichen, mehr Philosophie in ihren Lebenstil zu integrieren. Ich bin überzeugt, dass Twitter dafür gut geeignet ist. Twitter ist eine Plattform mit vielen sehr gebildeten Nutzern, mit hohem kritischem Bewusstsein und viel Ironie. Tägliche Anregungen zum Nachdenken – durch kurze Gedanken, Fragen, Zitate oder interessante Links – das wissen viele zu schätzen. 

Aber es geht mir nicht nur ums Tweeten, sondern auch ums Zuhören. Ich lese und kommentiere viel, nehme mit Menschen Kontakt auf und lerne dabei viel. Ich versuche auch, eine gute Ethik des Austauschs zu praktizieren – gerade wenn es schwierig wird. Allerdings lasse ich mich ungern auf Diskussionen mit langen Beiträgen über mehrere Tweets ein. 

Dann lade ich meine Gesprächspartner ein, über Mail oder bei Facebook zu diskutieren. Manche halten das für einen Rückzieher, aber manchmal klappt es – und daran sehe ich, wer ernsthaft an gutem Austausch interessiert ist. So habe ich viele spannende Menschen getroffen und so sehe ich auch soziale Medien allgemein: Nicht als Parallelwelt, sondern als erweiterte Möglichkeit zum Einstieg in echten Austausch.

Lieber Dr. Nicolas Dierks, ich danke Ihnen vielmals  für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Anbei der Link zum Blog von Dr. Nicolas Dierks: http://www.nicolas-dierks.de/blog/

Helga König im Gespräch mit Imre Török, Prosaautor, Journalist, Dozent und Ghostwriter.

Lieber Imre Török, Sie sind Prosaautor, Journalist, Dozent und Ghostwriter. Auf "Buch, Kultur und Lifestyle" haben wir bereits zwei Gespräche miteinander geführt. Zuletzt haben wir über Ihren wunderbaren Roman "Die Königin von Ägypten in Berlin" gesprochen. In all Ihrem öffentlichen Tun lassen Sie erkennen, dass Sie ein Menschenfreund sind. Deshalb zunächst die Frage an Sie:

Helga König:Was bedeutet für Sie ein sinnstiftendes Miteinander?

Imre Török im Garten
Imre Török:  Menschenfreundlichkeit gestattet sich nicht immer einfach. Wir sind, ob wir es nun mögen oder nicht, darauf angewiesen, grundsätzlich miteinander auszukommen und Regelungen für ein friedliches Zusammenleben zu finden. Schillers Worte in "Wilhelm Tell" sind leider zu jeder Zeit der Menschheitsgeschichte aktuell: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Ohne Empathie, ohne Nächstenliebe würde die Spezies Mensch wohl nicht mehr existieren. Ein Miteinander unter Gleichgesinnten ist wunderbar, das Zusammenleben mit Andersdenkenden in einer globalen Welt aber unumgänglich. Das heißt natürlich nicht, dass wir "dem bösen Nachbarn" nah oder fern keine klare Kante zeigen dürften. 

Es fehlt in unserer Zeit meiner Meinung nach oft an Mut, kritisch und aber ebenso selbstkritisch Probleme im Zwischenmenschlichen – im Kleinen wie im Großen – anzugehen. Unter Freunden und mit Freude müssen wir uns gegenseitig bestärken. Wir benötigen einerseits eine viel stärker ausgeprägte Fähigkeit, uns in die Lage anderer hineinzudenken und hineinzuversetzen, was ich versuche. Andererseits ist unser Hang zum Egoismus oder gar zur Egomanie Gift für jedes Miteinander. Die Achtung der Interessen anderer sollte gleich viel Wert sein wie das eigene Wohlergehen. Solch "einfache" Wahrheiten sind ja nicht neu. Es kommt darauf an, sie unablässig mit Leben füllen zu wollen. Miteinander fällt nicht vom Himmel, sonder ist eine Frage ausgeprägter Empathie, gepaart mit Mut.

Helga König: Und als nächste Frage: Für wie wichtig erachten Sie Fairness?

 Imre Török beim Plakatieren für "Fairlag 
Imre Török:  Vor zehn Jahren war ich Mitbegründer des "Aktionsbündnisses für faire Verlage" (kurz "Fairlag"), dem mittlerweile rund 70 Autorenverbände im deutschsprachigen Raum angehören. Ein praktisches Beispiel für ein berufspolitisches Engagement für Fairness. Eigentlich tangiert bereits meine vorhergehende Antwort die wichtige Bedeutung fairen Verhaltens untereinander. Zwar können wir nicht automatisch Fairness erwarten, nur weil wir selber versuchen, fair zu sein. Trotzdem kommt es darauf an, um aus "Die Pest" von Albert Camus zu zitieren, "dass man sich ohne Unterlass überwachen muss, um nicht in einem Augenblick der Zerstreutheit dazuzukommen, einem anderen ins Gesicht zu atmen und ihm die Krankheit anzuhängen". Wir leben wohl in einer Zeit, die oft und vielerorts unfair ist wie die Pest. Epidemien muss man Einhalt gebieten. Das fängt mit einer gehörigen Portion Selbstdisziplin an. Vor drei Jahren hat mich eine seltene, schwere Krankheit ereilt. Anscheinend irreparabel. Ich weiß schon (lacht), wovon ich bei Selbstdisziplin im Zusammenhang mit Fairness spreche.

 Helga König
Helga König: Sie haben vor einigen Tagen auf Facebook gepostet: "Nationalismus Ich kritisiere nie Menschen aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit. Gleichwohl kritisiere ich völkische, nationalistische, rassistische Gesinnung bei jedem Menschen, egal welcher Volkszugehörigkeit. Nationalismus in seinen diversen Ausformungen bis hin zum Rassenwahn ist der sichere Todesbote der Zivilisation. Nationalismus ist nämlich nicht Heimatverbundenheit, sondern stets ein Minderwertigkeitskomplex mit enormem Gewaltpotenzial.“ Worin besteht die Hauptschwierigkeit, Menschen klar zu machen, dass "Nationalismus in seinen diversen Ausformungen bis hin zum Rassenwahn der sichere Todesbote der Zivilisation"“ ist?

Imre Török: Die große Schwierigkeit liegt in der Tradition und in bornierter Engstirnigkeit. Menschen werden, in unserer Zeit wieder exzessiv, dazu erzogen, ihre Nation als über andere Völker stehend zu begreifen. Politische Führer nutzen althergebrachte Schutzbedürfnisse von Menschen perfide für den eigenen Großmachtwahn aus. Propaganda – zeitgemäß gesagt Fake – ist seit jeher ein verfängliches und grauenhaftes Instrument, Leute bis hin in den Rassenwahn zu treiben. Es ist dabei besonders schwierig, der traditionellen und nicht ganz unbegründeten Furcht vor Expansionsdrang und Imperialismus ein Modell neuen Denkens entgegenzusetzen. Das alte Modell, sich auf eigene "Stärken" als Nation zu verlassen, führt zwar immer wieder zu humanitären Katastrophen. Doch "der Mensch" scheint schwer etwas Neues lernen und begreifen zu wollen, wenn das seinen uralt verinnerlichten Denkstrukturen widerspricht.

Ich bin ja in Ungarn geboren und aufgewachsen, fühle mich meiner ersten Heimat nach wie vor verbunden. Nationalistische Strömungen dort jedoch widern mich an. Ähnlich ergeht es mir mit der Türkei, wo ich zeitweilig gern gelebt habe und gute Freunde habe. Extrem nationalistische Entwicklungen und Vorgehensweisen in der Innen- und Außenpolitik Ankaras erschüttern mich maßlos. Ich kann nur grundsätzlich hoffen, dass wir nicht noch mehr und fürchterlichere völkische Eruptionen weltweit erleben müssen, um zu begreifen, dass Nationalismus für uns alle eine tödliche Gefahr darstellt. 

Helga König: Woran denken Sie, wenn Sie den Begriff "prosperierende Zivilisation" lesen und woran, wenn Sie den Begriff "Kultur" damit in Zusammenhang bringen wollen? 

 Imre Török im Garten
Imre Török:  Kulturelles und Künstlerisches können und müssen ein Korrektiv sein. Zivilisation ist nicht per se eine positive Entwicklung. Sie ist seit jeher auch mit Kriegen, Grausamkeit und Vernichtung verbunden. Besonders sympathisch sind mir jene Kulturschaffenden, die mit ihrer Arbeit darauf hinweisen, dass Zivilisation nicht allein auf technisch und ökonomisch Machbare gründet. Kreativität, Inspiration, Schönheit, Empathie sind unabdingbare Bestandteile der Zivilisation, wenn diese nicht allein dem fragwürdigen kalten Kalkül von Prosperität dienen soll. Künstlerisches, ob professionell oder hobbymäßig ausgeübt, müssen Herzschlag und Geisteshaltung unseres Miteinanders sein,
bevor wir tatsächlich von Zivilisation sprechen dürfen

 Helga König
Helga König: Ludwig der XIV. nannte seinen Gärtner Le Nôtre einen glücklichen Menschen, weil dieser Paradiese gestaltete, sich an Blumen erfreuen, zugleich jedoch auch anderen damit Freude schenken konnte. Lieber Imre Török, Sie posten neben Ihren intellektuellen Anliegen auch immer wieder wunderschöne Blumen aus Ihrem Garten in die sozialen Netzwerke. Macht Sie der Gedanke glücklich, anderen damit Freude zu schenken? 

Imre Török:  Macht Glück, allein erlebt, tatsächlich glücklich? Oder ist es vielmehr so, dass wir Glück gern teilen und mitteilen mögen? Seit Kindertagen fühle ich eine innige Verbundenheit mit der Schönheit der Schöpfung. In der Flora offenbart sie sich mir auch in einem spießenden Keim, in einem Grashalm oder in einem alten, knorrigen Baum. Blumen dürfen Schönheit attraktiver als andere Wesen der wundervollen Pracht pflanzlicher Natur zur Schau stellen. Sagen wir es so: Naturphilosophische Betrachtungen, eine intellektuelle Auseinandersetzung mit der uns umgebenden Natur, sind eine Seite der Medaille. Eine stille, wortlose Betrachtung des Wachsens und Werdens ist mindestens ebenso inspirierend. Interessierte Menschen mag ich an beider Art Glückssuche teilhaben lassen. Ja, es macht mir Freude, Freude zu bereiten. 

Helga König: Sie haben dieser Tage auf Twitter ein wichtiges Zitat von Nelson Mandela gepostet: "Democracy and human rights are inseparable. We cannot have the one without the other" . Was bedeutet Ihnen der Inhalt dieses Zitates? 

 Imre Török
Imre Török:  Mandela gehört zu den Menschen, deren politische und moralische Haltung mich stets sehr beeindruckt hat. Der Kämpfer gegen Apartheid, gegen Rassismus musste für 27 Jahre als politischer Gefangener ins Gefängnis. Umso bewundernswerter, dass er nach seiner Freilassung keine Rachegefühle hegte, sondern seinem Land als Versöhner und als Präsident aller Demokraten diente. Sein politisches Leben ist ein Beispiel dafür, dass Demokratie und Menschenrechte nur Hand in Hand funktionieren. Ich wünschte mir in vielen Ländern, dass anstelle der Trumps, Putins, Erdoğans, Assads – und wie die Staatsverbrecher alle heißen – jemand wie Nelson Mandela die Geschicke der jeweiligen Länder beeinflussen könnte.

Helga König: Wie wichtig sind die Gedanken des Philosophen Ernst Bloch, dessen Schüler Sie waren, für Ihr eigenes Denken und mitmenschliches Verhalten noch heute? 

 Imre Török bei einer Ernst-Bloch-Veranstaltung:
"Ich bin. Aber ich habe mich nicht.
Darum werden wir erst."
Imre Török: Zu der Frage führen wir mal ein eigenes ausführliches Gespräch. (lacht) Aber kurz – dass trotz des Grauens, der Gewalt und manchmal der Hölle auf Erden so etwas wie Prinzip Hoffnung existiert, zu dieser Art des Denkens hat mich Ernst Bloch in seinen Seminaren und Büchern entschieden motiviert. Wie viele in unserer Zeit bin auch ich oft voller Befürchtungen, was die Zukunft anbelangt. Meine vehemente Kritik am Faschismus und an jede Art faschistoidem Denken und Handeln, meine grundsätzliche Ablehnung des Nationalismus und die Warnung vor dem "Sturz in die Barbarei", wie Bloch es formuliert hat, sind nachhaltige Prägungen aus meiner Studentenzeit.

Meine philosophische Beschäftigung mit Hoffnung, Zukunft, moderner Physik oder dem ästhetischen Vorschein greift nach wie vor auf Professor Bloch zurück. Bei dem Thema Zukunft, wie sie in unsere Welt kommt und wie sie universelle Existenz beeinflusst, habe ich später eigene Überlegungen entwickelt. Man wird sagen, die Gegenwart schreite in die Zukunft bzw. beeinflusse sie – und nicht umgekehrt. Das alles ist jedoch grandios viel komplexer und wechselwirkender. Ich habe es damals Mitte Zwanzig gar nicht begriffen, welches Glück mir wiederfahren war, diesem Philosophen zu begegnen. Also ließ ich mich von der Zukunft an die Hand nehmen. Aber wie anfangs gesagt, das Thema ist buchfüllend. Jedenfalls bin ich mir sehr sicher, dass Hoffnung mehr als nur menschliches Hoffen ist und seit dem Anfang des Universums existiert. Als Negentropie – das ist sehr verkürzt die Umformung von Chaos. Alles Werden des Lebendigen basiert darauf. Von dieser Hoffnung sollten wir uns stärker leiten lassen.


Helga König: Sie retweeten auch immer wieder Posts von Amnesty international. Welche Bedeutung hat diese Organisation für Sie und weshalb sollten andere Follower deren Posts ebenfalls retweeten?

 Imre Török mit Aslı Erdoğan und
der Präsidentin des deutschen PEN Regula Venske 
bei Amnesty.
Imre Török Amnesty setzt sich weltweit ganz uneigennützig und eindeutig klar für Menschenrechte, gegen Folter oder gar Hinrichtungen von Regimegegnern ein. Als ehemaliger Bundesvorsitzender des VS habe ich eng mit Amnesty zusammengearbeitet, kenne, schätze und unterstütze das Engagement dieser Menschenrechtsorganisation. Wir können es Machthabern, die Menschenrechte in ihren Ländern mit Füßen treten oder sogar mit Waffengewalt gegen Freiheitsstreben vorgehen, nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Aber Machenschaften in Unrechtsstaaten der Welt vor Augen zu führen, sich für Freilassung politischer Gefangener einzusetzen, das muss ein oberstes Anliegen von Demokraten sein. Zu Ihrer Anfangsfrage: Solidarität mit politisch Verfolgten, mit Opfern von Willkür z. B. ist ein sinnstiftendes Miteinander. Noch nicht lange her habe ich an einer Amnesty-Veranstaltung in Frankfurt mit der in der Türkei verfolgten Schriftstellerin und Physikerin Aslı Erdoğan teilgenommen. 

 Helga König
Helga König:  Was ist Ihre größte Bitte an Ihre Mitmenschen?

Imre Török:  O, welch wunderbar schwierige Frage. Hm. Die größte Bitte will mir auf Teufel komm raus nicht einfallen. (schmunzelt) Aber eine große Bitte wäre, Humor und Lachen im Leben, trotz vieler Rückschläge, nicht zu verlernen. Humorlose, verbissene Kämpfer haben es nicht nur schwerer, sie werden auch schnell alt und hässlich. (lacht laut) 

Helga König: Worauf sollten die User in den sozialen Netzwerken Ihrer Meinung nach besonders achten?

 Imre Török im Garten
Imre Török:  Die Antwort steckt fast schon in der Frage, nämlich auf Achtsamkeit. Natürlich verspüre auch ich bei manchen Posts oder ekelhaften Kommentaren ein Verlangen, da mal so richtig reinzugrätschen. Es bringt nichts bzw. sollte man auch in solchen Fällen nur klar und vernünftig argumentieren. Wenn überhaupt… Kann man mit Menschen frei diskutieren, die Unfreiheit verherrlichen? Andere Posts, auch wenn sie nicht der eigenen Meinung entsprechen, verdienen die gleiche Achtsamkeit, wie man sich selber Achtsamkeit von anderen wünscht. 

Lieber Imre Török, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

 Bitte klicken Sie auf den Link, dann gelangen Sie zur Website von Imre Török: http://www.imre-toeroek.de/

Helga König im Gespräch mit Andrea Wirsching, Winzerin des Jahres 2018 und Geschäftsführerin des renommierten Weingutes Hans Wirsching in Iphofen/Franken

Andrea Wirsching ist Historikerin und führt jetzt in der 15. Generation das renommierte Weingut Hans Wirsching in Iphofen/Franken. 2018 w...