Helga König im Gespräch mit dem Diplom-Psychologen Franz Schwald

Der fast 90 jährige Diplom-Psychologe Franz Schwald ist in den sozialen Netzwerken sehr aktiv und beeindruckt durch seine zahlreichen dem Christentum verpflichteten Posts, die für mehr Mitmenschlichkeit werben. Franz Schwald ist Autor mehrerer Bücher und schreibt Essays, Gedichte, Kurzgeschichten, sowie Sentenzen auf seinem Blog. 

Lieber Franz Schwald, es freut mich, dass Sie an dem Ethik-Langzeitprojekt "Interviews- Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" des Onlinemagazins "Buch, Kultur und Lifestyle" teilnehmen. Dazu nun folgende Fragen an Sie: 

Helga König: Was sind in Ihren Augen die Hauptmerkmale von Mitmenschlichkeit? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Mitmenschlichkeit äußert sich für mich in der Bereitschaft, einander das geschenkte Leben mit seinen Chancen und Grenzen, in allen Belangen des Lebens, Handelns, Glaubens, Hoffens und Liebens zu gönnen und zu schützen. Sie ist eine erworbene Haltung, Freud und Leid miteinander zu teilen, und die dem individuellen und gesellschaftlichen Leben dienenden Werte zu pflegen. 

 Helga König
Helga König: Welche Bedeutung hat Fairness in Ihrem Leben? 

Franz Schwald: In der Fairness erwarten wir, dass beim Geben und Nehmen in den menschlichen Beziehungen, die goldene Regel der Achtung und Wertschätzung unterschiedlicher Meinungen und Beiträge beachtet werden. Sie dient dem notwendigen Interessenausgleich in den menschlichen Interaktionen, und schützt das Selbstbewusstsein und die Identität vor Übergriffen. 

Helga König: Sie haben am 4.3. 2019 nachstehenden Tweet gepostet, den ich retweetet habe: "#Staunen wir nicht nur über die #Technik und das mediale #Netzwerk sondern in einer ruhigen Minute auch über unser #Gedächtnis das uns Informationen über #Erfahrungen aus unserem ganzen #Leben zur Verfügung stellt. Deo gratias." 

Was können wir Menschen tun, damit unsere negativen Erfahrungen uns nicht zu Eigenbrötlern werden lassen? 

  Franz Schwald
Franz Schwald: Im Staunen zeigt sich die menschliche Fähigkeit, die vielfältigen Leistungen in Wissenschaft und Technik zu würdigen, und dankbar zu sein, für die kulturellen Leistungen in Kunst, Musik, Literatur, und die Gaben der Natur im Mikro-und Makrokosmus unseres Universums. Nicht weniger staunenswert sind die kognitiven Fähigkeiten unseres Gedächtnisses, mit deren Hilfe wir unsere Lebenserfahrungen und die Ereignisse in unserer komplexen Umwelt analysieren, um mit Anpassung oder Veränderungen zu reagieren. Mit Humor, Lebenslust und Neugier lassen sich altersbedingte Grenzen als Herausforderung zur Problemlösung verstehen, um eigenbrötlerischen Rückzug zu meiden. 

 Helga König
Helga König: In den sozialen Netzwerken lernen Menschen sich auf vielfältige Art allem Fremden gegenüber zu öffnen. Ist das ein Weg, der zu mehr Toleranz führen könnte? 

Franz Schwald: Die heutigen medialen Techniken und das soziale Netzwerk, lassen sich als ein weltweites Medium zur Kommunikation und Information über Interessen nutzen. Sie sind geeignet, Isolation zu überwinden und den gesellschaftlichen Kontakt und Gedankenaustausch zu pflegen. Seit Jahren bemühe ich mich als älterer Brückenbauer in den Medien(linkedin, pinterest, twitter, youtube, facebook) auch um den Kontakt mit jüngeren Menschen. Bei aller Offenheit für neue Erkenntnisse und das Fremde, ist mir aber wichtig, auch die eigenen Lebens- und Glaubenserfahrungen zu bezeugen. 

Helga König: Was vor allem ist notwendig, um Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen? 

  Franz Schwald
Franz Schwald: Um Brücken von Mensch zu Mensch zu bauen, ist nicht nur das Trennende, sondern auch das Gemeinsame in unserem Dasein zu beachten. Wahrhaftigkeit, die personale Würde, der Respekt vor anderen Meinungen, und das Schicksal von Geburt bis zum Tod in einer Welt zu wohnen, die uns als Aufgabe anvertraut ist, sind die tragenden Pfeiler. 

 Helga König
Helga König: Sie schreiben "Treue, Liebe, Freude und Wahrheit mögen sich." Hat Freudlosigkeit Ihrer Meinung Ihren Ursprung in einem Mangel all des anderen, was Sie hier genannt haben? 

Franz Schwald: Ich glaube, dass wir Menschen ein Gespür dafür haben, in unserem Verhalten Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. Seit ich das ökonomische Interesse an Veröffentlichungen und Befürchtungen wegen des Urheberschutzes abbauen konnte, schreibe ich nur noch über das, was nach meiner Überzeugung den Menschen heute und unseren Nachkommen dient. Die damit verbundene Freude hat etwas mit gelebter Wahrheit, Treue zu den Grundwerten des Daseins, und der Liebe zu allen Lebewesen zu tun. Möge es daran nie mangeln. 

Helga König: Was kann der Einzelne Ihrer Meinung nach tun, damit unsere Welt friedlicher wird? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Natürlich wünsche ich mit sehr, dass die Welt, in der wir leben friedlicher wird. Ich kann heute altersbedingt nicht mehr so gut gehen, um mich an Protestmärschen oder in der Politik aktiv zu beteiligen. Mit Gottes Hilfe habe ich aber einen Weg gefunden, den Hass und das Böse in allen Formen zu meiden, und mit meinem Leben, dem sicheren Tod, in der Hoffnung auf ewiges Leben zufrieden zu sein. Wo und wie immer ich kann, trete ich aber mit meinen Fähigkeiten für Frieden, Gerechtigkeit, Wahrheit, und Mitmenschlichkeit ein. 

Helga König
Helga König: Sie posten immer auch Links zu Ihren Gedichten. Was erhoffen Sie durch Ihre Gedichte bewirken zu können? 

Franz Schwald: In meinen Gedichten gebe ich der Intuition und Lust am kreativen Gestalten Raum. Ich feiere darin das Leben so wie es sich uns in seiner Schönheit zeigt. Es sind alles Texte, in denen sich das Staunen über die geheimnisvolle, nicht minder so reale Seite des menschlichen Daseins, in der Frage, warum gibt es das alles und nicht nichts, andächtig und dankbar ausdrückt. 

Helga König: Sie haben in einem Ihrer Tweets das Buch "Zeit der Zauberer" erwähnt. Was beeindruckt sie an den von Ihnen in Ihrem Post genannten Philosophen? 

 Franz Schwald
Franz Schwald: Ich schließe mich nach der Lektüre des Buches "Zeit der Zauberer" der Auffassung von Rüdiger Safranski an, dass es sich bei Heidegger, Wittgenstein, Benjamin und Cassirer um vier Lebensentwürfe mit Antworten auf die Frage handelt: Was ist der Mensch? Ich habe mich in meinen Studien mit Heidegger und Wittgenstein beschäftigt, und die anderen "Zauberer", neugierig geworden, durch dieses Buch näher kennen gelernt. Bei der Empfehlung zur Lektüre dieser Arbeit habe ich an philosophisch interessierte Leser gedacht. 

Helga König: Worauf kommt es Ihrer Meinung nach im täglichen Miteinander an? 

Franz Schwald: Der Volksmund sagt: Lügen haben kurze Beine. Wenn wir uns der Tatsache bewusst sind, als Menschen im gleichen Boot zu sitzen, und genötigt sind, das uns geschenkte Leben zu verwalten, dann sollten wir es in Freud und Leid teilen und, Gott dankend, einander in Glaube Hoffnung und Liebe treu begleiten.

Lieber Franz Schwald, ich danke Ihnen herzlichst für das  aufschlussreiche Gespräch.

Herzlichst Helga König

Anbei der Link zur Website  von Franz Schwald:  http://www.franz-schwald.de/

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