Helga König im Gespräch mit Bernd Rodekohr, Diplomdesigner und Betreiber der Website "Zeichen & Taten"

Lieber Bernd Rodekohr, Sie sind Diplomdesigner und waren u.a. als Dozent an der Design Akademie Berlin tätig, bevor Sie 1999 eine Werbeagentur gegründet haben, die heute "ZEICHEN & TATEN" heißt. Dort arbeiten Sie als Gestalter, Texter und Konzeptioner für Kunden aus der Bio-Branche, für Stiftung Warentest und für Verlage. Wie sehr Sie engagiert sind in punkto Ökologie und sozialer Gerechtigkeit, kann man Ihren Tweets täglich entnehmen. 

Helga König: Was bedeutet für Sie Mitmenschlichkeit?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Die Frage ist ebenso schwer wie einfach zu beantworten. Ohne Mitmenschlichkeit wäre alles nichts. Allein die Mit-Menschlichkeit ist es, die uns mit unseren Mitmenschen verbindet. Sie ist die Grundlage für menschliches Mitgefühl, sie ist die Basis unseres sozialen Miteinanders. Darüber definiert sich der Mensch, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Ohne seine Sprache, ohne seine Kultur, ohne die Liebe, ohne die Achtung seiner Mitmenschen – was wäre der Mensch? Er wäre so stumm und hoffnungslos wie ein verlorener Stern in den Weiten des Alls. Wir brauchen die Mitmenschlichkeit, um uns überhaupt als (singuläre) Menschen verstehen zu können.

 Bernd Rodekohr
Helga König: Und was verstehen Sie unter Fairness?

Bernd Rodekohr: Fairness könnte man auch »angewandte Mitmenschlichkeit« nennen. Sie ist der Maßstab für einen ausgewogenen Interessenausgleich. Ihre Aufgabe ist es, Reiche und Mächtige auf die natürlichen Rechte der Schwächeren und der Armen hinzuweisen. Fairness ist sozusagen das »Recht des Schwächeren« auf Gerechtigkeit gegenüber dem »Recht des Stärkeren« auf Ungerechtigkeit. Dies bedeutet für den Stärkeren, das es seine Aufgabe ist, dem Schwächeren ein Stück weit mehr entgegenzukommen, als er eigentlich müsste, wenn sein Handeln fair sein soll handeln. Insofern bedeutet Fairness auch, auf das zu verzichten, was man sich nehmen könnte, einfach »weil man es kann«. Dieser freiwillige Verzicht ist nicht »kapitalismuskompatibel«. Und daher wird der Begriff der »Fairness« in Zeiten des Kapitalismus leider gern missbraucht. Trump etwa redet gern von »fairen Deals«. Dabei kann es im Kapitalismus keine Fairness geben. Die Idee, »aus Fairness« auf etwas zu verzichten, was man sich eigentlich nehmen könnte, widerspricht den Prinzipien des Kapitalismus diametral. Der Kapitalismus geht vom Prinzip der Gewinnmaximierung, letztlich der Bereicherung, aus. Darum tut sich der Kapitalismus auch so schwer mit der Fairness. Fairness setzt die Bereitschaft voraus, dem Schwächeren so weit wie nur irgend möglich entgegenzukommen, so lange es für alle anderen gerade noch verträglich ist. Diese Bereitschaft fehlt bei Teilen der Gesellschaft, die das kapitalistische Prinzip der Bereicherung so weit verinnerlicht haben, das sie sogar Flüchtlinge »Bereicherer« nennen. Sie können sich nicht mehr vorstellen, dass es ein Recht des Schwächeren auf Gerechtigkeit gibt: Fairness.

Helga König: Ihre Kunden kommen aus der Bio-Branche. Der Gedanke der "Nachhaltigkeit" ist dieser Branche ja nicht fremd. Wie lange wird es noch dauern, bis man diesen wichtigen Gedanken nachhaltig in das Bewusstsein aller Konsumenten übermittelt hat und welche Konsequenzen könnte dies haben?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Eigentlich ist der Gedanke der Nachhaltigkeit ja schon bei den allermeisten Konsumenten angekommen. Wer will nicht, dass es unseren Enkeln besser geht als uns selbst. Und nichts anderes bedeutet Nachhaltigkeit ja: Nur so viele Ressourcen zu verbrauchen, dass diese sich regenerieren können, damit noch genug da ist für unsere Kinder und Kindeskinder. Und ebenso wissen die allermeisten Konsumenten, dass sie eben nicht nach dieser Maxime handeln. Insgesamt verbrauchen wir in Deutschland dreieinhalb mal so viele Erden, wie wie dürften, wenn unsere Nachkommen noch eine lebenswerte Umwelt vorfinden sollen.

Bio ist ein kleiner aber wichtiger Schritt, um diesen Irrsinn langfristig zu beenden. Wer Bio kauft, tut mit seinem Kauf auch etwas für den Umweltschutz und gegen das Insektensterben, indem er hilft, die Pestizidbelastung auf den Feldern zu verringern. Eigentlich müsste »Bio« Standard in der Lebensmittelbranche sein, da der ökologische Landbau ressourcenschonend und nachhaltig wirtschaftet. Leider wird aber die deutlich geringere Umweltbelastung bei ökologisch erzeugten Lebensmitteln von der Gesellschaft nicht finanziell honoriert. Müssten die Umweltkosten konventioneller Produkte von den Konsumenten getragen werden, wäre Bio nicht teurer, als konventionell. Es geht also darum, dass die Politik hier umsteuern muss. Die Folgekosten der industriellen Landwirtschaft müssen in die Produkte eingerechnet werden. Die Umweltbelastung durch Massentierhaltung beispielsweise.

Die EU-Agrarförderpolitik hingegen belohnt »Umweltsauereien«, indem sie große unökologische Betriebseinheiten subventioniert und anstatt Qualität und Umwelt zu fördern. Natürlich, in einem Land, in dem die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, ist es für Ärmere ein echtes Problem, sich Bio zu leisten. Und niemand kann wollen, dass Arme sich schlechter ernähren müssen. Also müssten die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Bio für jederman/frau bezahlbar machen. Dafür müsste Bio auf kleineren Höfen stärker gefördert werden. Hoffentlich kriegen wir diese Agrarwende hin, bevor unsere Insektenpopulation irreparabel geschädigt ist.

 Helga König
Helga König: Neulich ging durch die Presse, dass Queen Elisabeth keine Strohhalme und Plastikflaschen mehr im Buckingham-Palast akzeptiert. Sie möchte, dass die königliche Familie weniger Plastikmüll produziert. Könnte die Queen beispielbildend für das Verhalten vieler Menschen werden, wenn man ihr Tun vielerorts kommuniziert und welche Folgen könnte dies für die Bio-Branche haben?

Bernd Rodenkohr:  Die Aktion der Queen ist eine tolle Sache! Zumal sie ja nicht nur auf Plastikflaschen und Strohhalme verzichten will, sondern „über die gesamte Organisation hinweg« generell auf Plastik in all ihren Schlössern. Es ist immer gut, wenn Promis mit Vorbildfunktion sich für eine gute Sache engagieren. Auch wenn die Queen bei uns natürlich nicht annähernd den Stellenwert hat, wie in Großbritannien. Daher dürfte die Aktion auf unsere Biobranche auch kaum einen Einfluss haben. Grundsätzlich sehe ich Aktionen wie diese nicht ganz unproblematisch. 

Da sie hauptsächlich Symbolcharakter haben, werden sie von vielen Menschen als bloße PR-Aktion wahrgenommen. Viele werden sagen »Die Queen hat gut reden. Die kann sich vielleicht teure Strohhalme von Manufaktum leisten und Plastikschüsseln gegen Porzellanschüsseln austauschen. Ich kann das nicht!«. Reiche haben es leichter beim Umweltschutz als Arme. Und es gibt noch einen Punkt, der kritisch gesehen werden sollte. Wenn ich zum Beispiel lese, dass das Landwirtschaftsministerium eine Aktion »bienenfreundlicher Balkon« initiiert, zugleich aber Pestizide wie Glyphosat und Insektizide wie Neonicotinoide erlaubt, die maßgeblich das Insektensterben mitverursachen, erscheinen solche an sich begrüßenswerten Aktionen als billige Nebelkerzen, die gezündet werden, um nicht die wahren Probleme angehen zu müssen. Kurzum: Solche Aktionen sind nur so gut, wie der Akteur, der sie veranstaltet, auch glaubwürdig ist.

Helga König: Sie haben neulich nachstehenden Tweet gepostet: "Laut der europäischen Umweltagentur sterben in Deutschland jährlich etwa 72.000 Menschen an den Folgen von #Luftverschmutzung. Angesichts dieser Zahlen ist es verblüffend, dass erst jetzt ernsthaft über so sinnvolle Maßnahmen wir kostenloser #Nahverkehr nachgedacht wird." Wie ließe sich das Ihrer Meinung nach finanzieren?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodenkohr: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Warum sollten deutsche Städte nicht schaffen, was das viel ärmere Tallinn bereits seit 2013 schafft? Gerade weil sich das Konzept bewährt hat, soll ab dem Sommer kostenloser Nahverkehr in weiten Teilen Estlands eingeführt werden. Zweitens entstehen durch kostenpflichtigen ÖPNV auch hohe Kosten, die man gegenrechnen muss. Etwa Kontrolleure oder Schwarzfahrer. 

Fast jeder dritte Häftling in der Berliner Haftanstalt Plötzensee sitzt wegen Schwarzfahrens ein. Jeder Insasse kostet den Staat täglich rund 100 Euro. Ganz zu schweigen von den nicht immateriellen Folgekosten des gegenwärtigen Zustandes wie schlechte Luft, Lärm, Zeitverlust durch Staus, Unfälle, Stress … unterm Strich würde der Nutzen einer Entlastung der Innenstädte vom Individualverkehr die Kosten für den kostenlosen ÖPNV aufwiegen. Klar, billig wird das nicht. 

Aber wir zahlen ja auch alle solidarisch für das Straßen- und Schienennetz. Da wäre auch eine Umlage für den öffentlichen Personennahverkehr, eine Erhöhung der Parkgebühren und Ähnliches, denkbar. Zur Finanzierung eines kostenfreien ÖPNV gäbe es viele Wege, wenn man sie beschreiten will. Letztlich müssen wir Prioritäten setzen. Und natürlich bräuchten wir trotzdem die blaue Plakette und die Verpflichtung zur Nachrüstung manipulierter Fahrzeugen auf Kosten der Hersteller. Sofern wir ernsthaft etwas gegen dreckige Luft und den vorzeitigen Tod von 72.000 Menschen tun wollen. 

 Helga König
Helga König: Gepostet haben Sie auch "Über 250.000 Kinder weltweit werden gezwungen, zu töten. Waffen gehören nicht in Kinderhände. Auch nicht als »Gag« am »Tag der Bundeswehr«. Nie! #RedHandDay. Wie ließe sich weltweit ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Waffen nicht in Kinderhände gehören?

Bernd Rodekohr: Eigentlich bin ich optimistisch, dass das Bewusstsein, dass Waffen nicht in Kinderhände gehören, schon jetzt vorherrschende Meinung ist. Die allermeisten Menschen wollen einfach Frieden und keinen Krieg für sich und ihre Kinder. Weltweit. Kindersoldaten sind eine krankhafte Erscheinung und Kinder mit der Waffe in der Hand werden zum Glück fast überall als unmoralisches Übel gesehen, das man nicht hinnehmen kann. Was in vielen Regionen der Welt oft noch fehlt, ist eine aktive Erziehung zum Frieden. 

Und ja, leider gibt es Kriegspropaganda für Kinder, nicht nur in Nordkorea und in den waffenvernarrten USA. Erst vor ein paar Tagen ließ eine DITIB-Moschee in Deutschland Kinder für den türkischen Sieg beten. Zum Glück war aber auch die Empörung auf diese Kriegspropaganda hierzulande riesig. Dabei dürfen wir nicht vergessen: Selbst hier in Deutschland gab es noch vor kurzem Wehrkundeunterricht an den Schulen der DDR. Und noch zu meiner Schulzeit wurden Zivildienstleistende von Lehrern als Drückeberger bezeichnet. Es braucht alles seine Zeit. Aber das Bewusstsein, dass Kinder nichts an Waffen verloren haben, wird sich letztlich durchsetzen. Und dafür braucht es vor allem Bildung, freie Presse und die Erziehung zum mündigen Bürger, der Kriegspropaganda als solche entlarven kann.

Helga König: Welche Erfahrungen machen Sie auf Twitter, wenn Sie Tweets wie diesen setzen "Deutsche Panzer morden in einem völkerrechtswidrigen Krieg, den die türkische Regierung mit dem Hashtag »#Syrien soll brennen, #Afrin soll vernichtet werden« anfacht und #Rheinmetall geht davon aus, das die Panzer nachgerüstet werden dürfen. " Ungeheuerlich!“?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Wenn man Kritisches über Erdogans Politik postet und insbesondere, wenn man seine Kurdenpolitik angreift, muss man damit rechnen, hasserfüllte und wütende Kommentare türkischer Nationalisten und Trollen zu ernten, oft auch mit Drohungen. Auch hier ließen die Wutkommentare nicht lange auf sich warten. Türkische AKP-Nationalisten sind sehr präsent in den sozialen Netzwerken, auch in Deutschland. 

Wie intolerant das AKP-Regime ist, konnte man auf der Münchner Sicherheitskonferenz beobachten, wo Cem Özdemir unter Polizeischutz gestellt werden musste. Es liegt aber in unserem Interesse hier in Deutschland, Erdogan in Afrin Einhalt zu gebieten. Wenn dieser Krieg weiter eskaliert, wird die hasserfüllte, repressive Atmosphäre, die auf der Türkei wie Blei lastet, zunehmend auch die Atmosphäre bei uns in Deutschland vergiften, den Konflikt zwischen Kurden und Türken hier weiter verschärfen und letztlich auch uns immer tiefer in diesen Konflikt hineinziehen. 

 Helga König
Helga König: Sie schreiben: Wer von #Meinungsfreiheit und #Pressefreiheit redet, kann zur Algorithmendiktatur nicht schweigen. Können Sie dies näher erläutern?

Bernd Rodekohr: Wenn wir im Internet unterwegs sind, machen wir uns meist gar nicht klar, wie das, was wir sehen, zustande kommt. Wer entscheidet eigentlich, was wir zu sehen bekommen? Es sind Computerprogramme, Algorithmen. Algorithmen wählen aus, welche Follower wir in der Timeline sehen, welche Videos wir auf YouTube schauen und welche Artikel und Meldungen uns empfohlen werden. Sie suchen aus, welche Produkte uns gefallen könnten. Die von Webkonzernen eingesetzten Programme haben vielleicht mehr Macht über unsere Wahrnehmung als die Kirche über einen Menschen des Mittelalters. Das ist uns aber überhaupt nicht bewusst. Es ist verblüffend, wie wenig wir diese diktatorische Fremdbestimmung als Diktatur empfinden. Diese subtile Vorauswahl manipuliert dabei unsere Möglichkeiten, uns unsere Meinung selbständig zu bilden. 

Der Algorithmus lernt unsere Vorlieben allmählich immer besser kennen und wählt danach für uns diejenigen Filme und Texte aus, von denen es meint, das wir damit am meisten Zeit auf der jeweiligen Plattform verbringen. Dieser Mechanismus funktioniert nach einem Suchtschema. Die Dosis derjenigen Meinung, die wir leicht präferieren, wird in kleinen Dosierungen sukzessive immer weiter verstärkt. Ein Programm, das unser Verhalten simuliert und darauf angesetzt wurde, sich möglichst viele YouTube-Videos hintereinander anzusehen, landete somit verlässlich immer bei Horror und Verschwörungstheorien. 

Algorithmen verstärken unterschwellig vorhandene Vorurteile. Ganz automatisch - und heimtückisch. Das Problem bei dieser sich selbst verstärkenden Algorithmendiktatur ist, dass sie uns in »Echoräume« und in Filterblasen führt, die wir kognitionspsychologisch nicht bemerken. Die Kenntnis und die Beherrschung der Funktionsweise von Algorithmen eröffnet diktatorischen Regimen großartige, geradezu orwellsche Manipulationsmöglichkeiten. Facebook experimentiert inzwischen sogar damit, per Webcam und via Gesichtserkennung zu analysieren, wie sich Jugendliche gerade fühlen, um dann beispielsweise Kids mit Selbstzweifeln gezielt die passende Werbeantwort in Form eines »coolen« Produkts liefern zu können. Die Möglichkeiten der Algorithmen sind schier uferlos. Wir täten gut daran, sie einer öffentlichen Kontrolle zu unterwerfen, bevor wir uns den Algorithmen unterwerfen. 

Helga König: Welche aufklärerischen Hoffnungen haben Sie im Hinblick auf Ihr Netzwerk in den sozialen Medien?

 Bernd Rodekohr
Bernd Rodekohr: Ich habe durch mein - sehr heterogenes - Followernetzwerk enorm viel gelernt. Es sind viele hochinteressante Menschen darunter, von Links bis Rechts, von Muslimen über Christen, Juden und Buddhisten bis hin zu Atheisten, Junge und Alte mit den unterschiedlichsten Interessen von Philosophie über Natur und Politik bis hin zu Design und Astrophysik. 

Es gab bisher viele inspirierende Diskussionen, von denen ich profitiert habe. Ein Twitteruser schrieb einmal sinngemäß: »Wer seine Meinung beim Recherchieren nicht mindestens einmal ändert, hat etwas falsch gemacht.«. Umgekehrt hoffe ich natürlich auch, für andere ein Mosaikstein zu sein, mit dem sie ihren Horizont erweitern können. In Bewegung zu bleiben, sich - auch streitbar - mit anderen auszutauschen, sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, Empathie zu entwickeln für das Denken und Fühlen meiner Mitmenschen: Dies ist meine »aufklärerische« Hoffnung und eine Chance für uns alle, wenn wir die sozialen Netzwerke richtig zu nutzen verstehen. 

 Helga König
Helga König:  Sie habe vor Kurzem ein Porträt des von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer gepostet. Zählt er zu Ihren Vorbildern und wenn ja, weshalb?

Bernd Rodekohr: Was ich an Dietrich Bonhoeffer bewundere, ist seine unbedingte Menschlichkeit und Gradlinigkeit. Dies hat für mich nicht unbedingt etwas mit Glauben zu tun, nicht zwingend etwas mit Gott, aber durchaus schon etwas mit einem Gefühl für Spiritualität. 

Bonhoeffer war ein Vertreter des sogenannten »religionslosen Christentums«. Er fragte sich, ob »überhaupt etwas von Gott gesagt werden könne«. Das Offenhalten des philosophischen Denkens und zugleich ein ganz praktisches, konsequentes persönliches Einstehen für humanistische Ideale, die Geradlinigkeit beim Kampf gegen die Judenverfolgung und den Nationalsozialismus: Dietrich Bonhoeffer war tatsächlich eine Persönlichkeit, die mich fasziniert. Ob Bonhoeffer ein Vorbild für mich ist, hatte ich mich ehrlich gesagt noch nie gefragt. Ich denke aber ja, Menschen wie er sind durchaus Vorbilder für mich.

Lieber Bernd Rodekohr, ich danke Ihnen herzlich für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Anbei die Website von Bernd Rodekohr: http://www.bernd-rodekohr.de/


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