Helga König im Gespräch mit Bhajan Noam, Buchautor, Dozent, Atempädagoge und Prana-Yogalehrer

Bhajan Noam ist als Dozent, Atemtherapeut und Atempädagoge (BEAM-Mitglied), Prana-Yogalehrer, Spiritueller Heiler (DGH-Mitglied), Buchautor von aktuell 17 Büchern und Kolumnist für das Magazin YOGA Aktuell tätig. Mit 18 Jahren begann sein Yoga-Weg; Wehrdienstverweigerung; Studium an der Kunsthochschule; anthroposophisches Studium am Humboldtkolleg. Fünfjähriges Studium zum Atemtherapeuten und Atempädagogen am Prof. Ilse Middendorf Institut. Weiterbildungen in Fußreflexzonen-Therapie bei Hanne-Marquardt, Klangtherapie bei Peter Hess, Ernährungslehre an der Reformhaus-Fachakademie, Heilerseminare bei mehreren Lehrern. Er ist Schüler des indischen Meisters Osho und von Byron Katie (The Work). Seit 35 Jahren arbeitet Bhajan Noam als Dozent und Therapeut.

Lieber Bhajan Noam, im Netz lernt man Sie als einen feinsinnigen Menschenfreund kennen und genau deshalb möchte ich heute 10 Fragen auf dem Blog "Interviews - Begegnungen mit Menschenfreunden im Netz" im Onlinemagazin "Buch, Kultur und Lifestyle" an Sie richten.

Helga König:  Ist Mitmenschlichkeit der Motor für all die Aktivitäten, die Ihr Berufsleben ausmachen? 

Bhajan Noam
(aus seinem Bestand)
Bhajan Noam:
Meine Antworten werden manchmal etwas anders ausfallen als vielleicht erwartet. Ich habe zum Beispiel kein Berufsleben. Ich habe EIN LEBEN. Das war seit Beginn meines Erwachsenenlebens schon immer so. Ich habe noch nie einen gebuchten Urlaub gemacht. Ich habe manchmal viele Jahre überhaupt keinen Urlaub gemacht. Ich unterscheide nicht zwischen sog. Arbeit und sog. Freizeit oder Urlaub. Ich lebe mein Leben. Und in diesem Leben ist Mitmenschlichkeit das Normale, egal wie die Tätigkeit aussieht. 

Ein Straßenfeger macht es für seine Mitmenschen, ein Bäcker, ein Koch, eine Friseuse, ein Schuster, ein Schreiner, ein Töpfer, ein Musiker … Wo der Geschäftsgedanke im Vordergrund ist, stimmt etwas nicht, stimmt auch die Ware oder Dienstleistung nicht. An erster Stelle muss der Mitmensch stehen. Nicht anders ist es beim Dozenten und Therapeuten. 

Alles sollte der Gesundheit dienen, der Gesundheit des Einzelnen Menschen, wie auch dem Heilsein der Gesellschaft insgesamt. Eine saubere Straße, ein wohlschmeckendes Brot, ein mit Liebe gekochtes Gericht usw., es dient alles dem gleichen Zweck: dem gesunden Menschen, der heilen Gesellschaft. Und eigentlich ist der Lehrer und Therapeut erst dann notwendig, wenn alles andere schon nicht mehr so ganz stimmt. Und so ist es ja. Als bei mir irgendwann eine Berufswahl anstand, blieb mir keine große Auswahl. Ich sah sehr klar, in der Ausübung der allermeisten sog. Berufe in der heutigen Welt vergiften oder vera….en wir unsere Mitmenschen. Das ist nicht übertrieben. Schau etwas tiefer. - Ich hatte schon in der Schule den Beinamen "Weltverbesserer". Und das war keineswegs wohlwollend gemeint, zwar auch nicht gerade verachtend, zumindest aber wurde ich belächelt für meine Haltung und was ich so äußerte. Zum Glück nicht von allen. Ich hatte auch Freunde, die irgendwo ähnlich dachten.

Helga König
Helga König:
Ist Fairness im Leben für Sie essentiell und wenn ja weshalb? 

Bhajan Noam: Ich glaube Fairness trifft es nicht ganz. Für mich jedenfalls nicht. Da besteht noch eine Distanz. Mitmenschlichkeit trifft es besser. Osho hatte noch einen tiefergehenden Begriff: Freundlichkeit. Freundlichkeit ist die höchste Gesinnung, noch über Freundschaft und Liebe. Sie ist etwas Grundlegendes, sie ist das, was einen wahrhaftigen Menschen erst ausmacht und was alles weitere schon beinhaltet. Und das ist naturgegeben essentiell, wenn wir nicht in Streit oder gar in Kriege fallen wollen.

Helga König: Ist die Liebe entscheidend für einen Menschen, der sich der Friedfertigkeit verpflichtet fühlt und falls ja weshalb? 

Bhajan Noam: Wo keine Menschenliebe herrscht, existiert keine Friedfertigkeit. Und umgekehrt ist es dasselbe. Wenn Liebe keine Friedfertigkeit beinhaltet, wie kann sie sich dann Liebe nennen? Nur darf man Friedfertigkeit nicht mit Untätigsein oder Naivität verwechseln. Auch der Friedfertige kämpft einen Kampf. Er streitet für den Frieden. Er fordert und fordert heraus. Sei es einfach nur durch sein bloßes Sein und Auftreten. Frieden ist kein Geschenk, er will errungen werden, zunächst erstmal bei jedem in sich selbst. Das ist keine kleine Aufgabe. Sie fordert unsere Bewusstheit in jedem Moment. Und dann kommt der Lehrer ins Spiel. Haben wir etwas in uns erkannt und verwirklicht, ist das erst der Anfang. Auch ein Buddha hat sich nicht ins Nirvana zurückgezogen. Seine heilige Aufgabe war es, wieder in die Niederungen zu den Menschen zurückzukehren und sie zu lehren, was er in sich gemeistert hat. Aus der Liebe heraus, aus dem Herzen heraus lehren wir den in uns als einzige menschliche Seinsweise erkannten Frieden. Und alleine nur das ist überzeugend. 

Helga König: Sie haben in diesen Tagen die auf Youtube veröffentlichte Rede für den Frieden des Pazifisten Eugen Drewermann bei den Protesten gegen Kriegspolitik im Rahmen der Sicherheitskonferenz 2026 München verlinkt. Was hat Sie besonders berührt an dieser Rede?

Bhajan Noam: Seine ganze Persönlichkeit berührt mich. Seine Klarheit, seine absolute Geradlinigkeit, seine Bestimmtheit, gerade auch seine notwendig lauten Worte. Er verkörpert ein resolutes Eintreten für den Frieden im Sinne eines Jesu Christi auf vorbildliche Weise. Ihm auf individuelle Weise nachzueifern, ihn sich als Vorbild zu wählen, ist unser aller Aufgabe, wollen wir echten Frieden bewirken in dieser Welt." 

Helga König: In jungen Jahren haben Sie den Wehrdienst verweigert. Ist Ihr Pazifismus durch Ihr Elternhaus geprägt worden oder geschah dies anderweitig? 

Bhajan Noam: Ich bin im besten Sinne christlich aufgewachsen. Mein Großonkel, der Pfarrer in unserer Gemeinde war, der mich taufte und konfirmierte und mir durch seine Persönlichkeit, sein Vorbild und seine nachhaltig wirkenden Predigten Wesentliches für meinen Lebensweg vermachte, war als junger Mann Pfarrer im Widerstand. Als einer der Ersten, neben Dietrich Bonhoeffer und weiteren, unterschrieb er die "Barmer Erklärung" gegen die Einmischung des Hitlerregimes in die Evangelische Kirche. Mein Vater war zehn Jahre Berufssoldat mit Leib und Seele. Und ich ehre ihn ebenso für seine Geradlinigkeit, seine Wahrhaftigkeit, sein Charisma. Das ist für mich kein Widerspruch. Er ist mir genauso ein großes Vorbild. 

Nun zu meiner Verweigerung. Ich bin sehr frei aufgewachsen. Ich kann jedem erzählen, ich bin im Paradies aufgewachsen, wortwörtlich. Mein Vater hatte eine große Obstplantage, wo es alle Früchte gab, von Äpfeln und Birnen bis hin zu Pfirsichen und Aprikosen und alles Strauchobst. Unser Grundstück war mein Reich. Für einen Staat hatte und habe ich keinen Sinn. Als meine Einberufung kam, verstand ich nicht, was das soll. Wieso ich? Wissen die nicht, wer ich bin, war mein erster Gedanke. Und so natürlich, wie ich dachte, schrieb ich auch ans Kreiswehramt zurück. Aber das verstanden sie offensichtlich nicht. Ich hatte mir aber schon eine Zivildienststelle beim Roten Kreuz gesichert und legte Widerspruch gegen die Einberufung ein. Es folgte dann eine lange Geschichte, die ich hier nicht ausbreite, nur andeute. Ich wurde bei der ersten, zweiten und dritten Verhandlung nicht anerkannt und landete aufgrund meiner absoluten Weigerung für ein paar Wochen im Gefängnis, worauf ich bis heute stolz bin. Ich befinde mich in bester Gesellschaft mit einigen hoch ehrenwerten Vorfahren aus meiner Ahnenlinie. Letzten Endes wurde ich ausgemustert und hatte meinen Willen durchgesetzt. Das ist die Kurzfassung.

Helga König: Sie haben sich mit Konfuzius, Laotse und anderen fernöstlichen Lehrern befasst. Was können deren Gedanken zu einer friedfertigeren Welt beitragen? 

Bhajan Noam: Noch mehr als Konfuzius und Laotse schätze ich Dschuang Dsi, ein Schüler Laotses. Von ihm gibt es die bekannte Geschichte vom Schmetterlingstraum, die André Heller in Liedform fasste. Mit dieser Geschichte verwirrte Dschuang Dsi seine Schüler zunächst. Er erzählte ihnen: "Heute Nacht träumte mir, ich sei ein Schmetterling, ein sich wohl und glücklich fühlender Schmetterling, der von Blüte zu Blüte flatterte und nichts von einem Dschuang Dsi wusste. Dann erwachte ich. Und nun weiß ich nicht, hat Dschuang Dsi geträumt er sei ein Schmetterling oder hat der Schmetterling geträumt, er sei Dschuang Dsi. Wer bin ich jetzt ?" Er brachte für seine Schüler damit zum Ausdruck, dass wir letztlich alle reines Sein sind und auf dieser Ebene unverbrüchlich mit einander verbunden sind. Jeder sollte sich in das Leben des anderen "hineinträumen", ihn in seinem tiefsten Kern erfahren, in seiner Seele. Wie können wir uns dann mit diesem Bewusstsein bekämpfen? Wir schlagen und verletzen uns nur immer selbst. 

Helga König: In einem Ihrer Bücher schreiben Sie einleitend "Jede Krankheit basiert auf einem Mangelzustand. Unabhängig vom Namen einer Krankheit gibt es bestimmte Mangelzustände, die fast jeder hat und die als Grundlage zur Gesundung behoben werden müssen". Worum geht es hierbei und wie können Sie dabei helfen, diese Mangelzustände herauszufinden oder gar zu beheben? 

Bhajan Noam: Das muss ich ergänzen: jede Krankheit besteht entweder aus einem Mangel oder einem Zuviel. Pauschal gesehen besteht der Mangel aus dem Fehlen von lebenswichtigen Vitaminen, Mineralien, vollwertigen Nähr- und Vitalstoffen und natürlich häufig auch aus einem Fehlen an Liebe, an Aufmerksamkeit, an Wertschätzung, an Respekt, an freier Entfaltungsmöglichkeit. Und das Zuviel kann aus einer Überernährung, einer Überbelastung und/oder aus den vielen Umweltgiften bestehen, die in uns gelangen. Ein bewusstes sich Befassen mit diesem Themenkomplex ist unerlässlich. Doch wenn man mal begonnen hat und das Grundlegende verstanden hat, ist es nicht wirklich so schwierig. Literatur dazu gibt er hinlänglich. Und als Therapeut bin ich selbstverständlich auch Berater.

Helga König: Können Sie als Atemtherapeut und Yogalehrer Ihre Schützlinge entstressen und falls ja, wie kann sich so deren Leben positiv verändern? 

Bhajan Noam: Ich kann niemanden entstressen. Ich kann Angebote machen. Das Tun und Umsetzen liegt bei jedem selbst. Und letztlich geht es immer ums Bewusstsein. In der wirklichen Therapie gibt es keine passiven Patienten/Klienten/Schüler. Ich nenne sie "Mach-mal-Patienten", die sich hinlegen und denken, der Therapeut richtet es. Die gibt es bei mir nicht. Ein Therapeut muss immer auch ein fähiger Pädagoge sein, sonst ist er kein Therapeut. Er weist den Klienten darauf hin, sich zu sensibilisieren für alle Belange seines Lebens. Sensibilisierung schafft Bewusstsein. Bewusstsein weckt ein Selbstverantwortungsgefühl. Alleine das ist schon eine große positive Veränderung. Und daraus erwächst alles weitere in einem natürlichen Prozess. Atem ist Leben. Sensibilisieren wir uns für den Atem, nähern wir uns dem wahrhaftigen Leben, Atemzug für Atemzug, Schritt für Schritt. Wir spüren, dass wir eine Kraft in uns haben, die uns nie verlässt, auf die immer Verlass ist. Die Kraft, die im Atem liegt, vermag alles zu ändern. Der Atem steht im Mittelpunkt aller körperlicher Funktionen und ist zugleich Mittler zwischen Körper, Seele und Geist. Lernen wir unseren Atem nach und nach kennen, lernen wir auch uns immer besser und tiefer verstehen. Verstehen ist der erste Schritt zur Veränderung.

Helga König:  Auf welche Weise heilen Sie als spiritueller Heiler jene, die sich Ihnen anvertrauen? 

Bhajan Noam: Das ist nicht so leicht zu erklären. Zunächst einmal heilt ein Heiler nicht, er spricht in seinem Klienten den inneren Heiler an, der dann die Arbeit leistet. Bruno Gröning, in dessen Gegenwart in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Hunderte, ja Tausende von zum Teil als unheilbar geltenden Krankheiten genasen, sagte stets, er heile nicht, er kümmere sich nicht einmal um Krankheiten, er fordere lediglich die Menschen auf, den natürlichen Heilstrom in sich zu spüren und wirken zu lassen. 

Ich hatte schon früh die Gabe, Dinge zu sehen, die andere nicht sehen. Das liegt vielleicht an den Genen, die ich von meinen Großvater geerbt habe, der einerseits ein Feingeist war, Geige spielte, Theaterstücke schrieb und andrerseits auch nebenher als Rutengänger tätig war, was er mir schon als Fünfjährigem beibrachte. Meine Gabe spirituell energetisch zu behandeln, reifte heran in meiner atemtherapeutischen Ausbildung, mit Reiki-Einweihungen unmittelbar in der traditionellen Linie und im Zusammensein mit dem afrikanischen Medizinmann Okonfu Rao Kawawa und einer indianischen Schamanin. Hinzu kommen Mitbringsel aus Vorleben. Neben dem Sehen lernte ich, durch Handauflegen aber auch über die ferne Energien im Körper eines anderen zu harmonisieren. Wir sind in Wahrheit Energiewesen, davon geht die chinesische Medizin aus, wie auch der indische Ayurveda. Kommt der Energiefluss in Harmonie, sind Blockaden aufgelöst, regeneriert sich auch der sog. materielle Körper wieder. 

Helga König: Auf Ihrer Facebookseite liest man "Musik heilt, Musik tröstet, Musik bringt Freude". Ist das eine spirituelle Botschaft an Ihre Follower? 

Bhajan Noam: Heinrich Heine sagte: "Wenn die Worte aufhören, beginnt die Musik". Ich bin sehr der klassischen Musik und der Oper zugetan. In meinem langen und erfüllten Leben war ich mit zwei Opernsängerinnen liiert. Von Professor Dr. Christoph Rueger gibt es das schöne Buch „Die musikalische Hausapotheke“, ein Buch, das jeder besitzen sollte, der eine Liebe zur Musik pflegt. Hier werden für alle Krankheiten und Beschwerden heilungsunterstützende Kompositionen aufgelistet. Neben der Klassik sind auch Jazzstücke dabei. 

Helga König: Was verstehen Sie unter einer spirituellen Lebensweise und könnte diese zu mehr Mitmenschlichkeit führen? 

Bhajan Noam: Spiritualität, Religiosität basiert auf Mitmenschlichkeit. Jesus lehrte das Allergrößte: die Feindesliebe. Das hatte außer Buddha zuvor niemand gelehrt. Über Buddha gibt es eine Geschichte, in der er in einem Wald dem Mörder Angulimala begegnete, der bereits 999 Menschen umgebracht hatte und auf den Tausendsten wartete. Buddha trat ihm angstfrei entgegen, was den Mörder irritierte. Er sprach Buddha an: "Weißt du nicht, wer ich bin?" "Doch", erwiderte Buddha, "deswegen komme ich ja zu dir"“. "Ich werde dich töten, wenn Du nicht schnell fliehst", warnte er Buddha. "Das kannst Du tun, beantworte mir zuvor nur eine Frage". "Gut", sprach der Mörder, "Welche Frage hast du? Ein Mann wie du ist mir noch nie begegnet." "Brich bitte einen Zweig von diesem Baum"“, fordert er ihn auf. Angulimala tat es wie unter Hypnose. "Kannst du ihn jetzt wieder zum Anwachsen bringen?" "Bist du verrückt", rief Angulimala, "das kann ich nicht." "Wenn du kein Leben erzeugen kannst, darfst du auch nicht töten", sagte Buddha sanft. Angulimala, dem plötzlich Tränen in die Augen schossen, weil der verstanden hatte, kniete vor Buddha nieder, berührte seine Füße und bat ihn, sein Schüler werden zu dürfen. - Weil Buddha nicht urteilte, auch nicht über einen grausamen Mörder, weil er ihm sogar sein Leben hingab, konnte er etwas in diesem Menschen verändern.!" (Das ist eine von vielen Geschichten aus meinem Buch "Der Meister".)

Lieber Bhajan Noam, herzlichen Dank für das interessante Interview. 

Ihre Helga König

Helga König im Gespräch mit Bhajan Noam, Buchautor, Dozent, Atempädagoge und Prana-Yogalehrer

Bh ajan Noam ist als Dozent, Atemtherapeut und Atempädagoge (BEAM-Mitglied), Prana-Yogalehrer, Spiritueller Heiler (DGH-Mitglied), Buchau...