Helga König im Gespräch mit Michael Blochberger, Betreiber des "CIT Institut für Corporate Identity & Teamentwicklung" und des gemeinnützigen Vereins"SinnStifter e.V."

Lieber Michael Blochberger, als ehemaliger Kommunikationsdesigner und Marketingfachmann betreiben Sie seit 20 Jahren das "CIT Institut für Corporate Identity & Teamentwicklung" und verantworten den gemeinnützigen Verein SinnStifter e.V., dessen Zweck die Unterstützung und das Engagement für alternative, zukunftsweisende Wege in der charakter- und persönlichkeitsfördernden Weiterbildung ist. Jeder, der sich mit ihren Websites befasst, erkennt sehr rasch, dass Sie ein Menschenfreund sind und mancherlei bewegen, das zu einem sinnstiftenden Miteinander führen kann.

Helga König: Können Sie unseren Lesern mitteilen, welche Vorgeschichte die Gründung dieses Vereins hat und welche Ziele Sie verfolgen? 

 Michael Blochberger
Michael Blochberger:  Seit 20 Jahren begleite ich Führungskräfte in ihrer persönlichen Entwicklung und erfahre immer wieder aufs Neue, mit welcher Freude Menschen ihre Potentiale entwickeln, wenn sie lernen, ihren Gefühlen zu vertrauen und ihre Ängste zu überwinden. Aber nur wenige Arbeitgeber investieren in die persönliche Entwicklung ihrer Mitarbeiter. 90 bis 95% der Arbeitnehmer erhalten keine Unterstützung und müssen ihre Weiterbildung aus eigener Tasche bezahlen. Die Wenigsten erhalten eine Chance, sich auf die wachsenden Anforderungen am Arbeitsplatz vorzubereiten. SinnStifter e.V. will hier Abhilfe schaffen. 

Wir bieten partnerschaftlichen Austausch mit Gleichgesinnten, professionelle Hilfe durch erfahrene Berater und Coaches, aber auch finanzielle Unterstützung für ihre persönliche Entwicklung. Als gemeinnütziger Verein wollen wir Verantwortung übernehmen und der Spaltung der Gesellschaft entgegenwirken, indem wir neue Wege der Bewusstseins- und Charakterbildung beschreiten. 

 Helga König
Helga König: Sicher interessiert es die Leser auch, was Sie unter gesellschaftlicher Transformation verstehen und weshalb diese dringend erforderlich ist? 

Michael Blochberger:  "Gesellschaftliche Transformation" ist ein Begriff, der für eine fundamentale, bisher unbekannte Umwälzung der Gesellschaft steht. Wie viele andere habe ich keine fertige Vorstellung, wie die Gesellschaft der Zukunft aussehen kann. Nur eins ist klar: Auf die unzähligen Herausforderungen wie Globalisierung, Finanzkrisen, Erderwärmung, Naturkatastrophen, Hungersnöte, Krieg, Terrorismus, Völkerwanderung oder Digitalisierung sind wir nicht vorbereitet. Viele Menschen sind zu Recht verunsichert. Die aktuelle politische Krise in Europa lässt ahnen, was wir zu verlieren haben, wenn wir Moral, Ethik und demokratische Werte dem Nationalismus und Materialismus opfern. Ich bin davon überzeugt, dass Frieden und Demokratie nur zu retten sind, wenn es uns gelingt, den globalen Kapitalismus zu zähmen. Wir benötigen eine radikale Erneuerung in Bildung, Arbeit, Gesundheitswesen, Renten- und Finanzwesen – frei von Machtinteressen! Jeder von uns kann dazu beitragen, dass Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Gemeinschaftssinn und Selbstverantwortung stärker gelebt werden. Wir können das nicht der Politik überlassen. Wir müssen uns selbst dafür stark machen! 

Helga König: Sie bieten in Ihrem Institut eine Reihe interessanter Trainingsprogramme an, so auch ein 3 Tages-Training, wo man konstruktiv mit Humor umzugehen lernt. Können Sie an dieser Stelle kurz skizzieren, weshalb das Lachen, eine solch große Bedeutung für unsere psychologische und mentale Gesundheit hat und möglicherweise zu einem positiveren Miteinander beiträgt? 

 Michael Blochberger
Michael Blochberger:  Humor zählt sicher zu den erfolgreichsten Kommunikationsstrategien der Menschheit. Das gemeinsame Lachen stärkt die Gemeinschaft, hilft Ängste, Niederlagen und Schmerzen zu überwinden. Es schafft Vertrauen und fördert Kreativität und Motivation. Durch das Lachen werden Stresshormone abgebaut und Glückshormone freigesetzt. Das kann zu einem positiven Miteinander beitragen, solange wir miteinander lachen und nicht über andere. Das Lachen ist so etwas wie ein sozialer Klebstoff, es ist aber zu beobachten, dass oft auf Kosten von Minderheiten oder andersartigen Menschen gelacht wird. Der Einsatz von Sarkasmus und Zynismus wirkt dann provozierend und polarisierend. In meinen Humortrainings lernen die Teilnehmer eine liebevolle Haltung zu entwickeln, um zum echten Humor zu finden. Der humorvolle Mensch zeigt seine Reife und Souveränität, indem er Unzulänglichkeiten erkennt und lachend verzeiht – frei von Arroganz und Aggression. Humor ist also letztendlich eine Frage der persönlichen Erfahrung und Reife. 

 Helga König
Helga König: Einer meiner Twitterfollower postete heute "Habe ein bisschen die Musik meiner Kindertage (späte 60er, frühe 70er des XX. Jahrhunderts) getweetet. Merkt Ihr es auch? Diese Lebensfreude, der Optimismus...vorbei.“ Würden Sie diesen Tweet bestätigen und falls ja, haben Sie eine Erklärung für das Phänomen? 

Michael Blochberger: Ich kann den damaligen Optimismus nur bestätigen. Er war getragen von großer Zukunftsgläubigkeit und der Hoffnung auf eine bessere und gerechtere Welt. Tatsächlich verdienen wir heute sehr viel mehr Geld als damals, aber der Optimismus ist uns weitgehend abhanden gekommen. Wir müssen heute feststellen, dass Geld allein nicht glücklich macht. Wichtiger als der Wohlstand an sich scheint uns das Gefühl von Geborgenheit, Gemeinschaftssinn, Mut und Vertrauen. Vieles davon ist uns in den letzten Jahrzehnten abhanden gekommen. Ohne eine Vorstellung, welche höheren Ziele wir anstreben, geht uns der Sinn unseres Tuns verloren. Deshalb bin ich auch davon überzeugt, dass wir mit SinnStifter e.V. einen konstruktiven Beitrag für mehr Sinnerfüllung und Lebensfreude leisten können. 

Helga König: Weshalb ist es so wichtig, Offenheit und Toleranz zu stärken? 

 Michael Blochberger
Michael Blochberger: Realistisch gesehen ist jeder Einzelne von uns in seinen Fähigkeiten zu begrenzt, um allen Herausforderungen unserer komplexen Welt wirklich gewachsen zu sein. Nur in der Vielfalt unterschiedlicher, sich ergänzender Kompetenzen haben wir eine Chance, etwas zu bewirken und tragende Lösungen zu entwickeln. Auf den ersten Blick ist das Andere uns fremd. Wir können die Qualitäten im Anderen deshalb erst erkennen, wenn wir offen und neugierig auf die Andersartigkeit unserer Mitmenschen eingehen. Dazu gehört, dass wir mögliche Ängste überwinden und fremde Kulturen schätzen lernen. Wir brauchen einander, um die Herausforderungen unsere Welt zu bewältigen. Das beginnt mit der Toleranz in einem Team unterschiedlicher Persönlichkeiten. Und diese Offenheit sollte auch gegenüber anderen Kulturen und Staaten gelten.

 Helga König
Helga König: Wie können Kommunikations- und Teamfähigkeit von Menschen intensiviert werden und führt eine erhöhte Kommunikationsfähigkeit zwangsläufig zu einem besseren Miteinander? 

Michael Blochberger: Um ein besseres Miteinander zu entwickeln, müssen wir alle zunächst uns selbst und unsere Gefühlswelt verstehen lernen. Erst wenn wir die Ursachen unsere eigenen Gefühle, Ängste und Impulse erkennen und steuern können, sind wir in der Lage, auch einfühlsam mit unseren Mitmenschen umzugehen und unsere Beziehungen zu verbessern. Kommunikation und Teamfähigkeit führen erst dann zu einem besseren Miteinander, wenn ich im Umgang mit mir selbst gereift bin und ich auch empathisch auf die Belange meiner Mitmenschen einzugehen weiß. Wichtig ist die Fähigkeit zuzuhören, den anderen zu verstehen und Vertrauen zu schenken. Solange wir nur unsere Ausdrucksfähigkeit intensivieren, können wir unsere Mitmenschen zwar besser erreichen und beeinflussen. Das kann die Beziehung aber sogar verschlechtern, falls die Angesprochenen sich übergangen oder manipuliert fühlen.

Helga König: Wann kommen Menschen auf Sie zu, um sich beraten zu lassen, erst wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist? 

  Michael Blochberger
Michael Blochberger: Nein. Die Mehrzahl meiner Klienten und Seminarteilnehmer kommen, um ihre persönliche Entwicklung und ihre Karrierechancen zu optimieren. Viele haben emotionale Defizite erkannt, oder wollen ihre Empathie oder ihre Sozialkompetenz entwickeln, um sich auf zukünftige berufliche Herausforderungen vorzubereiten. Aber auch für die, die nach einer beruflichen Niederlage ihr Selbstbewusstsein zurückgewinnen wollen oder einen Neustart planen, ist es eine große Hilfe, in einem meiner Trainings aufzutanken und Orientierung zu finden. Für die persönliche Entwicklung ist es nie zu spät. 

Helga König: In den sozialen Netzwerken prallen täglich unterschiedliche Meinungen und Interessen aufeinander. Wie kann hier emotionale Intelligenz sinnstiftend zur Konfliktverminderung oder gar -vermeidung eingesetzt werden? 

Michael Blochberger:  In den sozialen Netzwerken sind häufig Anzeichen einer Enthemmung zu beobachten, die schnell aus dem Ruder laufen. Diese Medien verleiten auch dazu, sich in eine krankhafte Selbstdarstellung und Egozentrik hineinzusteigern, Gruppen und Netzwerke für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Ich halte es für wichtig, dass wir im Miteinander, besonders in sozialen Gruppen, auf klare Regeln, Werte und Toleranz achten, damit wir nicht in peinlicher Belanglosigkeit enden. Dazu gehört es auch, Grenzen aufzuzeigen und sich von Störenfrieden freundlich aber bestimmt zu verabschieden. So gesehen ist zum Beispiel die Moderation einer Facebook-Gruppe ein prima Übungsfeld. 

Helga König: Nicht immer scheint ein gutes Miteinander privat wie auch geschäftlich realisierbar, welche Möglichkeiten sollte man in einem solchen Fall ins Auge fassen? 

Michael Blochberger:  Das Gleiche gilt natürlich für alle Situationen des menschlichen Miteinanders. Emotionale Intelligenz heißt nicht, mit allen Lieb-Kind sein, sondern in den konstruktiven Dialog gehen, konträre Meinungen austragen und eine gemeinsame Ebene suchen. Wenn das nicht möglich ist, weil die Interessen und Werte einfach zu unterschiedlich sind, dann ist es für alle Beteiligten sinnvoller, sich in Frieden zu trennen, als sich für den anderen zu verbiegen. Das ist im Beruf nicht anders als in einer Beziehung oder einem sozialen Netzwerk. Auch eine Trennung kann schmerzfrei geschehen, wenn sie einsichtig und wertschätzend erfolgt. 

Helga König: Sehen Sie in Ihren Fortbildungskursen für Führungskräfte einen Zusammenhang zur Stärkung einer neuen Wirtschaftsethik? 

 Michael Blochberger
Michael Blochberger:  Ich sehe starke Parallelen zwischen der Ausbildung von Führungskräften und der gelebten Wirtschaftsethik in unserer Gesellschaft. Beides hängt unweigerlich zusammen, denn das Menschenbild, das ich als Führungskraft lebe und der Führungsstil, den ich verkörpere, prägen unsere Arbeitswelt maßgeblich. Solange wir in der Betriebswirtschaftslehre noch von dem künstlichen Modell des Homo Oeconomicus ausgehen und den Mensch nicht als fühlendes Wesen verstehen, wird sich unsere Wirtschaftsethik ausschließlich an Zahlen orientieren. Solange wir von "Humankapital" sprechen, wird der Mensch den Gewinnen geopfert. Ein Wirtschaftssystem, das sich ausschließlich an der Gewinnmaximierung orientiert und menschliche Qualitäten ausblendet, hat sich überlebt, denn es gefährdet unsere Demokratie. Ich sehe es als eine meiner Hauptaufgaben an, in meinen Führungstrainings eine menschlich-alternative Sichtweise zu vermitteln. Es geht mir darum zu beweisen, dass Vertrauen, Herzlichkeit und authentische Gefühlsäußerungen sinnvollere Investitionen darstellen, als das Schüren von Angst und das Ausüben von Macht. In einer neuen Wirtschaftsethik sehe ich eine der tragenden Aufgaben von Bildung und Weiterbildung unserer Gesellschaft. Diese neuen Werte müssen schon im Kindergarten, in der Schule, aber auch in der Erwachsenenbildung gelebt und vermittelt werden. Da gibt es noch viel zu tun! 

Lieber Michael Blochberger, ich danke Ihnen für das aufschlussreiche Gespräch.

Ihre Helga König

Michael Blochberger
Institut für Corporate Identity & Teamentwicklung Butlandskamp 8, 
28357 Bremen 
Fon 0421.20074.60 Fax 0421.20074.64 

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